Wort zum Tage, 27.06.2018

Ute Eberl aus Berlin

Surf and Soul

Wenn Sie schon immer mal einen Surfkurs machen wollten, Wind um die Nase und Seeluft tanken, dann hab ich einen Tipp für Sie: „Surf and Soul“. Jetzt im Sommer an der Ostsee – der „Surfkurs mit Tiefgang“, so heißt es auf der Homepage von Surf and Soul: „Für Neulinge auf dem Wasser, aber auch für die, die schon gut auf dem Brett zuhause sind. Segel setzen und die Seele mitnehmen.“

Surfen lernen heißt üben, da führt kein Weg vorbei. Der besondere Reiz dabei: nicht eine fest verankerte Fitnessmaschine fordert mich heraus, sondern Wind und Wellen. Langweilig wird das nie. Wasser, Wind und Wellen schreiben ja täglich neue Geschichten. Meine Kollegin – zugegebenermaßen eine recht erfahrene Surferin – sagt: „und dann kommst Du in diesen ‚Flow‘, diesen Glücksmoment, in dem einfach alles passt. Die Zeit bleibt stehen. Du spürst dich und du spürst deine Kraft und du vertraust dem Wind und den Wellen.“

Bei Surf and Soul geht’s ums Surfen. Aber nicht nur! Es geht um Tiefgang. „Ein heiliges Abenteuer für Menschen, die auf der Suche sind“ - so heißt es weiter auf der Homepage. Klingt esoterisch, ist aber zutiefst verwurzelt in der christlichen Tradition.

Der Surflehrer für die Seele ist bei Surf and Soul der heilige Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens. Ein kluger Mann, der was vom Seelentraining versteht.  Er lebte im 16. Jahrhundert, war sicherlich kein Windsurfer, dafür aber unersättlicher Gottsucher und  mit den Bewegungen der Seele in Wind und Wetter bestens vertraut. Beim Surfen muss aufmerksam trainiert werden. Genauso viel Aufmerksamkeit braucht die Seele – so Ignatius. Die Seele steht ja nicht still, sie spürt, was mich unters Wasser drückt und was mich wieder auftauchen lässt, was mich unruhig macht und was zufriedener.  Nicht auszuschließen, dass Gott sich mir gerade darin zeigen will.

Ignatius empfiehlt deshalb, sich für das Verspüren der Seelenbewegungen ruhige Zeiten zu gönnen. Und die gibt’s auch bei Surf and Soul, unterstützt von einer geistlichen Begleiterin. Auszeiten mit  Meditation und Schweigen, Gebet und Ruhe.

Dass der große Flow mit Gott automatisch eintritt wird dabei nicht versprochen. Aber das hat der Surflehrer aus dem 16. Jahrhundert, Ignatius von Loyola, auch nicht gemacht. Sein Trainingsangebot für das heilige Abenteuer lautet:

Wenn Du Gott suchst, lass deine Anstrengungen beiseite. Aber tue alles dafür, dich von Gott finden zu lassen –  er sucht dich schon lange.


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Dieser Beitrag wurde am 27.06.2018 gesendet.


Über die Autorin Ute Eberl

Ute Eberl ist Diplomtheologin, und arbeitet  als Referentin im Seelsorgeamt des Erzbischöflichen Ordinariats Berlin. Sie ist verheiratet und hat drei Töchter.

Kontakt
ute.eberl@erzbistumberlin.de

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