Morgenandacht, 09.12.2014

von Beate Hirt, Frankfurt

Klima im Dezember

Der Dezember ist nicht gerade ein guter Monat, um das Klima zu schützen und CO 2 einzusparen. Draußen ist es oft zu ungemütlich, um mich aufs Fahrrad zu schwingen. Drinnen möchte ich auf ein paar Grad mehr Wärme nicht so gerne verzichten. Und regionales Einkaufen, das fällt mir im Dezember auch besonders schwer: Salat, Tomaten, Orangen: Die esse ich gerne, und sie sind ja auch gesund im Winter. Aber das meiste davon ist natürlich von weither zu mir transportiert, und das kostet Kohlendioxid. Klima schützen im Dezember ist nicht so einfach – aber  ich hab es mir trotzdem dieser Tage besonders vorgenommen. In Peru tagt derzeit die Weltklimakonferenz. Und ich hoffe und bete, dass die Politiker dort zu einem halbwegs guten Ergebnis für die Welt kommen. Aber ich weiß natürlich auch: Es liegt ja nicht nur an denen, die da in Lima verhandeln.

Es liegt auch an mir. An jedem einzelnen Menschen auf dieser Erde, der CO 2 verbraucht. Und hier bei uns in Westeuropa verbrauchen wir eben besonders viel, vielleicht etwas weniger als die Menschen in den USA und in China – aber dafür doch unglaublich viel mehr als Menschen in Afrika oder Südamerika. Ich muss beim Klimaschützen auch an diese Menschen denken, die viel weniger klimaschädlich leben als ich – aber besonders unter dem Klimawandel zu leiden haben. Der Klimawandel ist ja auch extrem ungerecht. Er trifft vor allem die, die am wenigsten dafür können. Menschen südlich der Sahara zum Beispiel, die schon jetzt viel mehr unter der Dürre leiden als noch vor einigen Jahren. Und eben keine Möglichkeit haben, den Klimaschäden auszuweichen. Sie haben dort weniger zu essen und zu trinken – weil Menschen im Norden wie ich den Klimaschutz nicht immer so ernst nehmen. Aber ich muss nicht nur an die Menschen auf anderen Kontinenten denken, sondern auch an die Menschen anderer Generationen. Meine Patenkinder, meine Neffen zum Beispiel. Sie können auch nichts dafür, dass wir vor ihnen das Klima geschädigt haben. Aber sie werden darunter in der Zukunft mit größter Wahrscheinlichkeit mehr leiden als wir heute. Wir leben eben beim Klima auf Kosten anderer, auf Kosten anderer Länder und auf Kosten anderer Generationen.

Es ist nicht so bequem, mir das immer mal wieder klar zu machen, darüber nachzudenken. Eben gerade im Dezember. Wo ich es am liebsten gemütlich habe und nicht so gerne ans Klima und ans Energiesparen erinnert werde. Und trotzdem: Ich will mich vor dem Klimaschützen nicht drücken. Und ich entdecke durchaus auch: Es kann ja sogar Spaß machen, CO 2 zu sparen. Beim Einkaufen und Kochen zum Beispiel: Da bringt mich die regionale Küche auf neue Ideen oder sie erinnert mich an alte Rezepte. Kürbis zum Beispiel, den genieße ich mittlerweile nicht nur als Suppe, sondern ich liebe ihn auch in Scheiben in der Pfanne gebraten. Es gibt ihn auch noch im Dezember, und er ist in der Küche ewig haltbar. Oder Wirsing: Den mochte ich schon als Kind total gerne. Jetzt koche ich ihn mir im Winter wieder öfter als Gemüse. Und abends im Wohnzimmer habe ich die Vorteile von gemütlicher Strickjacke und kuscheligen Socken wiederentdeckt. Die machen es möglich, dass ich die Heizung dann doch ein bisschen runterdrehen kann. Und wenn ich keine Lust habe, draußen beim Dezemberwetter aufs Fahrrad zu steigen: Dann gehe ich jetzt einfach öfter mal ein paar mehr Schritte zu Fuß. Das tut meiner Gesundheit gut. Und es bringt mir sogar etwas Ruhe und Langsamkeit in den Dezember, der ja oft ganz schön hektisch ist.

All das ist natürlich nicht die Welt. Ich werde auch damit alleine das Weltklima nicht retten können. Aber wenn viele ein bisschen anders kochen und heizen und sich fortbewegen: Dann, denke ich, kann sich eben doch etwas ändern. Dann lässt sich dieses Aufheizen der Erde vielleicht doch noch verlangsamen oder sogar stoppen. Und Menschen auf allen Kontinenten und in zukünftigen Generationen: Sie können auch noch gut auf dieser Erde leben.


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Dieser Beitrag wurde am 09.12.2014 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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