Morgenandacht, 31.03.2016

von Pastoralreferent Dietmar Rebmann aus München

Bileam – Die Sprache Gottes

Die großen Institutionen verlieren immer mehr an Ansehen, weil die Menschen den Parteien, den Banken, den Politikern und den Kirchen nicht mehr trauen. Viele Menschen fragen sich: Wer sagt mir noch, wo es lang geht? Wer gibt mir  zuverlässig Orientierung, wenn schon um mich herum so vieles zusammenbricht?! Am wenigsten rechnen wir vielleicht damit, von Gott Antworten zu bekommen. Und es wird sicher auch keine Antwort sofort vom Himmel fallen. Selbst in den alten Zeiten der Heiligen Schriften hat sich Gott zunächst einer indirekten Sprache bedient.

Ein markantes Beispiel dieser göttlichen Pädagogik finden wir in der Bibel, im Buch Numeri. Der König der Moabiter will für seinen Kampf gegen Israel den Seher Bileam engagieren, aber der ist nicht billig. Als Bileam mit seiner Kundschaft einig ist, tritt Gott auf den Plan. Er will die Israeliten schützen und rät Bileam von seinem Auftrag ab. Der ist davon natürlich nicht begeistert, denn das viele Geld lockt ihn und er macht sich auf seiner Eselin auf den Weg. Gott lässt ihn ziehen und wechselt in eine andere Sprache. Ein Engel stellt sich Bileam mit gezücktem Schwert in den Weg, aber Bileam sieht ihn nicht, die Eselin aber sieht den Engel und biegt vom Weg ab ins Feld. Bileam prügelt auf das Tier ein, aber die Eselin ist hier die Kluge, denn bei den Nomaden waren die Esel die klugen Tiere, die man der Karawane quasi als Pfadfinder vorausschickte. Wenn dieses Leittier nun vom Weg abkommt, dann sagt es dem Bileam: du bist auf dem falschen Weg, hier kommst du nicht weiter.

Nun ist das scheinbar so, dass wir Menschen blind sind, wir sehen nicht, wenn wir uns verlaufen. Wie bei Bileam zählt auch heute vor allem der Profit.    Und es geht noch weiter: Da tritt der Engel Gottes auf den engen Weg zwischen den Weinbergen, der zu beiden Seiten Mauern hat. Und die Eselin sieht den Engel Gottes wieder. Sie drängt sich an die Wand und drückt den Fuß Bileams an die Mauer; und er schlägt sie noch einmal.  Die Eselin spürt, dass es eng wird, Bileam zieht sich erste Verletzungen zu. Aber er versteht immer noch nichts.

 

Auch wir Wohlstandsmenschen heute werden immer kränker, seelische Leiden nehmen zu, wir spüren, wie ausgebrannt wir oft sind, aber wir verstehen es nicht als Warnung, wir sehen den Engel nicht.

Bei Bileam geht der Engel Gottes schließlich noch weiter und stellt sich an eine besonders enge Stelle. Und als die Eselin den Engel sieht, legt sie sich nieder unter Bileam; und Bileam wird wieder wütend und schlägt die Eselin mit dem Stock. Ja, selbst wenn alles zusammenbricht, gibt es kein Einsehen. Wie viele Menschen zerbrechen auch heute unter den Anforderungen der Leistungsgesellschaft. Die kapitalistischen Auswüchse im Weltwirtschaftssystem haben uns immer wieder nah an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Aber die Gier nach dem Profit bleibt und wird den nächsten Zusammenbruch befördern.  Bei Bileam beginnt nun die Eselin mit Bileam zu sprechen. Das heißt: In der Eselin meldet sich nun das Lebendige selbst zu Wort, die Natur spricht: Mensch, wie kannst du so dumm sein, das Leben, das dich trägt, zu zerstören! Man kann in der am Boden liegenden Eselin ein Bild für die geschundene Natur auch unserer Tage sehen. Und, so sagt die Erzählung, der Mensch in seiner Blindheit und Taubheit hört nicht auf die Natur, selbst wenn sie noch so deutlich warnt. Und jetzt am Ende spricht Gott selbst zu Bileam und sagt: „Wenn du so weitergegangen wärst, wäre das dein Tod gewesen“. Und wie Bileam muss ich mich entscheiden: Will ich dem Leben dienen und zum Segen werden oder will ich zum Fluch werden und meine eigene Zerstörung in Kauf nehmen?

Wenn Gott hier so klar und kompromisslos auftritt, dann ist das auch eine klare Botschaft: Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Segen oder Fluch, Leben oder Tod. Gott lässt uns Menschen frei entscheiden, aber er zeigt uns auch, was uns ins Leben führt und was in den Untergang. Wir haben also eine Wahl und die Erfahrungen der gesamten Menschheitsgeschichte.


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Dieser Beitrag wurde am 31.03.2016 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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