Morgenandacht, 30.03.2016

von Pastoralreferent Dietmar Rebmann aus München

Die Suche nach Gott – Immer geliebt

Wenn man das Internet durchforstet, dann findet man da die wildesten Weltuntergangsphantasien. Zu allen Zeiten hat es solche angstvollen Phantasien gegeben. Nur die Art der Szenarien und die Weltbilder dahinter haben sich geändert. Das Wort „Welt-untergang“ ist ja heutzutage unsinnig. Denn wohin sollte die Welt „hinunter“ gehen? In den Zeiten, als man sich die Erde als Scheibe vorgestellt hat, da hätte die Welt in die Fluten der sogenannten Unterwelt hinabsinken können. Vom Bild her ist die Idee eines Weltuntergangs also nicht mehr zeitgemäß. Von unserem Erleben her aber durchaus. Denn die Angst vor dem Ertrinken, die kennen wir aus dem Bilderarchiv unserer Seele. Irgendwo tief in uns scheint die Angst zu stecken, dass wir in etwas versinken könnten, aus dem wir nicht mehr auftauchen, so wie man in einem See oder in einem Sumpf versinken kann. Man kann aber auch im Alkohol oder in der Trauer ertrinken. Oder in zu viel Arbeit und Stress. Und wenn sich in diesen Tagen die Meldungen über den vermeintlichen Untergang des Abendlandes häufen, weil eine Flüchtlingswelle durch das Land flutet, dann steckt wohl auch hier vielen die irreale Angst in den Knochen, dass alles, was Generationen nach dem Krieg erarbeitet haben, schlagartig weggespült werden könnte. Die Erfahrungen früherer Generationen wirken da sicher noch in uns nach. Und die Menschen, die heutzutage mit niedrigen Löhnen auskommen müssen oder schon lange ihren Arbeitsplatz verloren haben, wissen, wie man dann untergehen kann und in einer „Hartz4Depression“ ertrinkt. Ganz offensichtlich steht hinter den Untergangsphantasien die reale Angst, dass wir unbeeinflussbaren Faktoren ausgeliefert sind. Wir sind sehr verletzlich.

Selbst wenn alles glatt läuft im Beruf und in der Familie, es kann jederzeit anders werden und es bleibt nichts für ewig. Das Wörtchen „immer“ dürften wir eigentlich gar nicht benutzen. Denn nichts ist für immer. Dass ich mich mit dieser Tatsache nicht abfinden kann, führt vielleicht zu den krampfhaften Bemühungen, die das Leben oft erschweren. Wenn ich alles festhalten will, wenn ich alles auf Dauer anlegen will, dann kann ich es vielleicht einfach nicht ertragen, dass alles vorläufig ist.

Aus einer spirituellen Weltsicht kann man das Streben nach Vollkommenheit und ewiger Dauer auch als Suche nach Gott deuten. Vielleicht ist unsere Suche nach einer besseren Welt Ausdruck unserer Gottesebenbildlichkeit. Eine Suche, die bei Gott ihren Ursprung hat und die uns erst bei Gott wieder zur Ruhe kommen lässt. So wie es Augustinus geschrieben hat: 

"Gott, du hast mich auf dich hin geschaffen. Und darum ist mein Herz unruhig, bis es Ruhe findet in dir."

Dann steckt hinter den vielen Suchbewegungen meines Lebens eigentlich die Suche nach Gott.  Wenn ich nach Unsterblichkeit suche, versuche ich durch Leistung mein Leben dem Tod zu entreißen. Ich bin dann fixiert auf den Erfolg, den ich vorzuweisen habe. Doch eigentlich ist das die Suche nach Gott, der mein Leben erhält über den Tod hinaus, der mich nicht vergisst.

Wir Menschen suchen nach Sicherheit. Wir wollen Strukturen schaffen, die unserem Leben Dauer und Bestand geben. Um das zu erreichen, müssen wir Macht ausüben, denn nur so können wir die Welt bewegen und sie zugleich zusammenhalten. Doch eigentlich ist das unsere Suche nach Gott, der unserem Leben eine endgültige Stabilität gibt und der die Kräfte des Lebens nicht auseinander fallen lässt. Es ist die Suche nach Gott, der uns eine Hoffnung für morgen gibt, eine Perspektive für die Zukunft.

Und wir Menschen suchen nach Liebe. In der Erfahrung, geliebt zu werden, spüre ich, dass ich ein Recht habe zu leben. Doch eigentlich ist auch das meine Suche nach Gott, dem Schöpfer und Grund meines Lebens. Es ist die unaussprechliche Ahnung, dass wir uns seiner Liebe verdanken, die uns hilft, uns gegenseitig zu schätzen und zu lieben. Nur wenn ich Gott als Hintergrund und Untergrund des Lebens sehe, kann ich das Wörtchen „Immer“ gebrauchen. Hier – in der Ewigkeit Gottes - hat es seine Berechtigung.


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Dieser Beitrag wurde am 30.03.2016 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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