Morgenandacht, 20.02.2016

von Beate Hirt aus Frankfurt

Autofasten und Klimaschutz

Es gehört für mich zu den Paradoxien unserer heutigen Gesellschaft: So viele Menschen klagen über den Lärm und die Abgase der Autos. Sie sind genervt von all dem vielen Straßenverkehr. Und trotzdem setzen sie sich ganz selbstverständlich immer wieder selbst rein ins Auto. Oder: Menschen haben Angst vor dem Fliegen oder dem Terror. Dabei sterben auf deutschen Straßen jeden Monat 280 Menschen. Und trotzdem traut man sich, ins Auto zu steigen. Oder eine dritte Paradoxie: Natürlich ist jeder dafür, den Klimawandel zu stoppen. Auch Kirchenleute sprechen von einem neuen Lebensstil, der dafür nötig ist. Und trotzdem fahren sie vor allem Auto, manchmal nicht gerade die Sprit Sparendsten.

Ich muss sagen: Ich fahre ungern Auto und auch ziemlich selten. Ich setze mich lieber in den Zug oder aufs Fahrrad. Ein Grund dafür ist tatsächlich: Ich fühl mich sicherer im Zug. Die Wahrscheinlichkeit, gesund am Ziel anzukommen, ist in den öffentlichen Verkehrsmitteln einfach größer. Aber ich genieße auch die Zeit, die ich gewinne. Wenn ich eine Stunde im Zug sitze, kann ich die Zeitung lesen, Mails beantworten oder einfach dösen. Natürlich: Auch meine Züge kommen manchmal zu spät. Das ist aber nichts gegen die stressige Zeit, die ich schon in Staus verbracht habe. Die kürzeren Wege, zum Einkaufen oder ins Kino: Die lege ich am liebsten mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurück. In der Stadt geht das meistens sowieso schneller als mit dem Auto. Außerdem tue ich noch was für meine Gesundheit. Bewegung und frische Luft tun mir gut, auch oder gerade jetzt im Winter.

Es gibt für mich viele Gründe, weniger Auto zu fahren, aber mein Hauptgrund ist tatsächlich: der Klimaschutz. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass die Erde sich nicht weiter aufwärmt. Aber das geht eben nicht ohne Auswirkungen auf meinen Alltag heute. Ich muss mich zum Beispiel so fortbewegen, dass möglichst wenig CO 2 in die Luft gepustet wird.

Und der Klimaschutz: Für mich hat er natürlich auch mit meinem Glauben zu tun. Ich will diese Erde bewahren, weil ich glaube: Gott hat sie uns anvertraut. Er hat sie geschaffen, damit wir friedlich und froh auf ihr leben können, noch eine sehr lange Zeit. Und ich kenne etliche Menschen, die wegen ihres Glaubens Klimaschützer und Bahnfahrer sind. Natürlich können nicht alle komplett aufs Auto verzichten. Aber sie probieren es mit Weniger, sie testen Alternativen.

In den nächsten vier Wochen machen das besonders viele Menschen. Denn an diesem Wochenende startet das so genannte „Autofasten“. Das ist eine Aktion der Kirchen in Deutschland und Luxemburg. Man kann sich im Netz dazu anmelden, unter www.autofasten.de. Es gibt auch extra Fasten-Tickets von Verkehrsverbünden und man kann Preise gewinnen. Letztes Jahr haben fast 2000 Menschen teilgenommen – und irgendwie hoffe ich darauf, dass es 2016 noch ein paar mehr werden. Immerhin hat der Klimagipfel in Paris im Dezember viele Menschen sensibilisiert für das Thema. Und dann ist da auch noch Papst Franziskus mit seinem Engagement für den Klimaschutz. Letztes Jahr im Mai hat er die Enzyklika „Laudato si“ veröffentlicht. Und dieses hochoffizielle päpstliche Schreiben listet ganz konkrete „Verhaltensweisen“ auf, die – Zitat -  „einen unmittelbaren und bedeutenden Einfluss auf den Umweltschutz haben“. Dazu gehört zum Beispiel auch: „ „öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder ein Fahrzeug mit mehreren Personen teilen“ (Laudato si Nr. 211).

Viele haben Zweifel, ob das etwas bringt: Wenn nur ein paar Leute etwas ändern, weniger Auto fahren. Papst Franziskus schreibt dazu in „Laudato si“  einige, wie ich finde, ziemlich ermutigende Sätze: „Man soll nicht meinen, dass diese Bemühungen die Welt nicht verändern. Diese Handlungen verbreiten Gutes in der Gesellschaft, das über das Feststellbare hinaus immer Früchte trägt... Außerdem gibt uns ein solches Verhalten das Gefühl der eigenen Würde zurück, führt uns zu einer größeren Lebenstiefe und schenkt uns die Erfahrung, dass das Leben in dieser Welt lebenswert ist.“ (Laudato si Nr. 212)


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Dieser Beitrag wurde am 20.02.2016 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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