Morgenandacht, 17.02.2016

von Beate Hirt aus Frankfurt

Fastenvorsatz Schlaf

Meistens bedeuten Fastenvorsätze ja: Ich will etwas reduzieren. Süßigkeiten zum Beispiel oder Alkohol. Aber ich habe mir dieses Jahr in der Fastenzeit vorgenommen: Ich will etwas vermehrt zu mir nehmen. Nämlich Schlaf.  Genug Schlaf ist viel wichtiger für die Gesundheit, als man oft so meint, das hab ich in den letzten Monaten immer wieder in der Zeitung gelesen. Eine Studie aus Kalifornien zum Beispiel hat gerade erst wieder belegt: Wer nachts zu wenig schläft, der ist nicht nur am nächsten Tag schlapp – er riskiert auch, sich Erkältungen oder Schlimmeres einzuhandeln. Der Studienleiter aus San Francisco wird mit den Worten zitiert: „Schlafmangel macht tatsächlich anfällig für verschiedene Krankheiten“. Er hat bei seinen Versuchen festgestellt: Je weniger seine Probanden schliefen, desto wahrscheinlicher bekamen sie eine Erkältung. Und er erklärt sogar: „Weder Alter, Stress oder Bildung spielten eine große Rolle, sondern entscheidend war die Dauer des Schlafs.“ (SZ vom 2.9.15) 

Ich hab das in den letzten Jahren auch oft festgestellt: Krank werde ich besonders dann, wenn ich zu wenig Schlaf habe. Dann lassen die Abwehrkräfte nach – und ich bekomme eine schniefende Nase oder auch schon mal ein Rauschen im Ohr. Umgekehrt weiß ich: Wenn ich dann gegensteuere und mich rasch hinlege, dann geht es mir auch bald wieder besser. „Schlaf ist die beste Medizin“, das hat meine Mutter früher schon gesagt.

Trotzdem: Es ist es gar nicht so leicht, regelmäßig genug Schlaf zu tanken. Das muss nicht mal an Schlafstörungen liegen oder an kleinen Kindern, die einen nachts wach halten. Es ist einfach immer so viel los und so viel zu tun, dass der Schlaf oft zu kurz kommt. Und schließlich, ich hab das Gefühl: Man muss man sich auch in unserer Gesellschaft immer noch dafür entschuldigen, wenn man für sieben oder acht Stunden Schlaft eintritt. Manager und Stars erzählen ja gerne mal, dass sie nur fünf Stunden die Nacht brauchen. Gerade so, als sei es ein Zeichen von besonderer Leistungsfähigkeit, wenn man wenige Stunden schläft. Auch, wenn das die Studien widerlegen.

Für mich gibt’s aber nicht nur schlafwissenschaftliche Gründe für genügend Schlaf, sondern durchaus auch religiöse. Zum Beispiel: die Selbstliebe. Ich soll ja nicht nur meinen Nächsten lieben, sondern auch mich selbst, sagt die Bibel. Ich soll gut umgehen mit meiner Seele und meinem Leib. Mein Leib, so sagt die Bibel einmal, ist der „Tempel des Heiligen Geistes“ (1 Korinther 6,19). Etwas sehr Wertvolles also, das ich hegen und pflegen soll. Und deswegen ist es sinnvoll und richtig, diesem Leib genug Ruhe zu gönnen. „Liebe und pflege dich selbst! Ruhe dich genug aus!“, das steckt für mich auch im wichtigsten Gebot der Bibel: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

Und dann gibt es da noch dieses andere berühmte Zitat aus dem Buch der Bücher: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“ (Psalm 127,2) Das will natürlich keine Ausrede dafür liefern, dass die Menschen faul herumliegen. Für mich bedeutet es: Ich soll aktiv und wach sein – aber ich muss auch nicht alles selber richten und machen. Ich darf darauf vertrauen: Die Dinge laufen auch weiter, wenn ich mich hinlege und ausruhe. Ich muss nicht glauben, dass alles nur von mir abhängt. Ich darf die Dinge auch einmal aus der Hand legen. Weil andere Menschen sich kümmern oder: weil Gott sich kümmert. So wie Gott den Sonntag geschaffen hat, damit wir uns einen Tag ausruhen können, so hat er auch die Nacht geschaffen, damit wir uns darin regenerieren können für den nächsten Tag.

Jetzt in der Fastenzeit hab ich mir deshalb also mehr Schlaf vorgenommen. Ich versuche, öfter mal abends früher ins Bett zu gehen. Mir den Spätfilm oder die letzte Stunde am Computer zu sparen und stattdessen einfach schon um zehn in die Federn zu fallen. Und wenn es geht, dann hänge ich morgens auch manchmal eine halbe Stunde Schlaf dran. Ich glaube: Es wird den Tag nicht ruinieren. Und mehr Schlaf: der tut meiner Gesundheit einfach gut, meinem Leib und meiner Seele.


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Dieser Beitrag wurde am 17.02.2016 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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