Wort zum Tage, 12.02.2016

von Pfarrer Christoph Seidl aus Regensburg

Darwintag

„Früher war alles anders!“ Wer von den Älteren unter uns hätte diesen Satz noch nicht von sich gegeben? Schmunzeln muss ich immer, wenn ich ihn so ähnlich von Jugendlichen höre: Früher haben wir das aber ganz anders gemacht – gemeint ist vielleicht die Zeit vor ein oder zwei Jahren – unter dem bisherigen Lehrer vielleicht. Früher war alles anders. Einverstanden! Aber früher war nicht unbedingt alles besser. Menschen entwickeln sich – und mit ihnen auch ihre Erfahrungen, Wünsche, Ideen.

Heute ist Welt-Darwin-Tag. Er erinnert an den Naturwissenschaftler Charles Darwin, der am 12. Februar 1809 geboren wurde. Er hat vielen Menschen Angst gemacht, weil er Veränderung und Entwicklung von menschlichem Leben genau angeschaut und erforscht hat. Er hat auch führenden Persönlichkeiten der Kirche Angst gemacht, weil sicher und klar Gewähntes plötzlich in Frage gestellt wurde. Von einer der großen „Kränkungen“ der Menschheit hat man gesprochen und sich auch noch lustig gemacht über seine Erkenntnisse: Es sei nicht denkbar, dass der Mensch nun plötzlich vom Affen abstammen solle.

Neben den Ängstlichen gab es glücklicherweise auch Mutige: einen Theologen zum Beispiel, den Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955). Ihm ist es gelungen, die Erkenntnisse der Evolutionslehre nüchtern und sachlich anzuschauen und sie mit dem christlichen Glauben zu verbinden. Beide Wissenschaftler mögen in Einzelheiten zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen sein. Aber insgesamt beeindruckt mich, dass es immer wieder möglich war, zwischen Naturwissenschaft und christlichem Glauben nicht unüberbrückbare Gegensätze zu sehen, sondern das Gemeinsame herauszufinden. Heute, am Darwintag, denke ich: Das ist kein Tag der Gegnerschaft zwischen Wissenschaft und vermeintlich ewigen Wahrheiten. Ich kann als gläubiger Christ gut und ohne Angst ja sagen zu dem, was die Wissenschaft entdeckt. Immerhin bin ich auch im persönlichen Leben immer wieder gefordert, mit neuen Lebenssituationen und Herausforderungen umzugehen und mich nicht im Zimmer meiner bisherigen Anschauungen einzusperren.

Mich beruhigt es, in den Veränderungen meines Lebens darauf zu vertrauen, dass Gott mich im Blick hat. Egal was kommt, egal, wie und wohin sich mein Leben entwickelt, ER hat seinen liebevollen Blick auf mich gerichtet.

So nehme ich den schönen Satz des uralten Aaronsegens mit in diesen Tag: „Der Herr segne dich und behüte dich, er lasse sein Angesicht über dir leuchten und schenke dir Frieden.“ (Num 6,24f)


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Dieser Beitrag wurde am 12.02.2016 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Christoph Seidl

Pfarrer Christoph Seidl wurde 1967 geboren. Er stammt aus Regensburg und ist seit 1992 Priester im Bistum Regensburg. Nach der Kaplanszeit in Straubing arbeitete er in der Priesterausbildung mit und war Studentenpfarrer in Regensburg. Pfarrer Seidl ist als Seelsorger für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen im Bistum Regensburg tätig und als Gemeindeseelsorger in Regensburg - Harting. Kontakt
seidl@seelsorge-pflege.de

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