Zweiter Sonntag nach Weihnachten, 03.01.2016

aus der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Herxheim


Predigt von Pfarrer Arno Vogt

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

liebe Schwestern und Brüder,

endlich sind sie wieder vorbei – die Feiertage! Heilig Abend, erster und zweiter Weihnachtfeiertag; Silvester und Neujahr!

Endlich vorbei, die vielen Vorbereitungen, das Rennen, um die richtigen Geschenke, die Besorgungen für ein gutes Festessen, der Trubel mit den Verwandten.

Endlich vorbei – vielleicht auch die Angst vor den Feiertagen – gerade dann allein zu sein.

O.K ! Weihnachten ist abgehakt - für viele. Die ersten Christbäume wurden schon am zweiten Weihnachtsfeiertag abgeräumt – sie standen ja schon seit den ersten Adventstagen; die Krippe ist wieder eingepackt – Jesuskind, Ochs und Esel - im Kasten verstaut  – bis nächstes Jahr.

Nach dem liturgischen Kalender befinden wir uns noch bis zum Fest Taufe des Herrn, das wir am nächsten Sonntag feiern, in der Weihnachtszeit. Aber das Neue Jahr hat uns eingeholt.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

erlauben Sie mir an diesem ersten Sonntag im neuen Jahr deshalb  die Frage:

Was bleibt von Weihnachten, was wollen wir  mitnehmen ins Neue Jahr 2016? Welchen Auftrag hat uns das Kind im Stall von Bethlehem ans Herz gelegt?

Das Johannesevangelium, - das wir auch am 1. Weihnachtstag gehört haben -, spricht von Gottes Wort, das von Anfang an war. Gemeint ist Jesus. Durch ihn hat Gott der Vater, der Schöpfer, am Anfang gesprochen – es werde – und es ward. So hat Gott in seiner unendlichen Liebe - durch Jesus – alles geschaffen.   Der Evangelist fasst das Weihnachtsgeheimnis wunderbar zusammen wenn er sagt: „Und das Wort ist Fleisch geworden – und hat unter uns gewohnt!“ Gott wurde in Jesus Christus Mensch.

So wie er in Betlehem damals keine Bleibe fand, so haben wir Menschen ihn bis heute nicht recht aufgenommen. Fragen Sie sich einmal, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wer und was alles Ihr Herz bewohnt und besetzt hält.  „Er kam in sein Eigentum – aber die Seinen nahmen ihn nicht auf!“

Und hier, liebe Schwestern und Brüder, entdecke ich unsere dreifache Aufgabe für das neue Jahr 2016:

Als erstes ist uns aufgeben, Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes, aufzunehmen in unser Herz; es darin zu tragen, zu wiegen wie ein Kind, es zu spüren, mit ihm mehr und mehr eins zu werden; wie eine Mutter, die ein Kind unter dem Herzen trägt. Christus ähnlich werden – sagen die christlichen Mystiker dazu.

Als zweites sind  wir eingeladen,  das Wort, das Gott ist, auszusprechen, es weiter zu sagen. Wir alle, Sie und ich  dürfen Gott unsere Stimme schenken, damit er durch uns sein Wort sagen kann – heute – in diesem Neuen Jahr.  Wir sollen von der Güte  Gottes erzählen unter den Menschen. Denn was sagt  Gott anderes in der Geburt des Kindes, als dass er alle Menschen liebt. In jedem neu geborenen Kind  lacht uns die Hoffnung an, die Gott  schenkt. Aus den Augen der Kinder strahlt uns die Liebe Gottes an.

Und drittens sind wir eingeladen, das Wort lebendig werden zu lassen. An unserem Umgang miteinander soll man ablesen können „wes Geistes Kind wir sind“. Gerade das von Papst Franziskus ausgerufene „Jahr der Barmherzigkeit“ kann uns daran erinnern und neue Impulse dazu geben. Barmherzig miteinander umgehen – auch Fremden offen begegnen, dem anderen einen wertschätzenden Blick und ein Lächeln schenken, Helfen wo es nötig ist, da sein, eine Hand halten.

Jede und jeder von uns kann da, wo er lebt die „barmherzige Liebe unsres Gottes“ verkünden. Im Umgang miteinander, im Einstehen und beten füreinander. Gerade jenen, die durch Alter oder Krankheit nur noch schwer am Leben teilnehmen können sage ich: Denken sie an die wunderbare Kraft des Gebetes! Es ist ein großer Schatz!

Das Wort Gottes in unserem Herzen aufnehmen, es aussprechen und es leben, das ist uns aufgegeben im neuen Jahr.

Liebe Schwestern und Brüder,

auch wenn also einige sagen: - endlich sind sie wieder vorbei – die Feiertage – fertig werden wir mit Weihnachten nie!

Ich würde meine Weihnachtskrippe am liebsten das ganze Jahr in meiner Wohnung stehen lassen; denn das Kind in der Krippe erinnert mich an meinen Auftrag, dem lebendigen Wort Gottes ein Gesicht in dieser Welt zu geben. Und es lässt mich die unendliche Barmherzigkeit erkennen, die Gott uns schenkt. Diese Barmherzigkeit sagt mir – auch ich bin erlöst, auch mich nimmt Jesus an sein Herz.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes Neues Jahr. Amen.  


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Dieser Beitrag wurde am 03.01.2016 gesendet.





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