Wort zum Tage, 05.12.2015

von Beate Hirt aus Frankfurt am Main

Nikolaus und die Überraschungsgeschenke

Vermutlich werden einige Leute heute Abend ihre Stiefel vor die Wohnung stellen. Oder größere Strümpfe an die Türklinke oder in den Kamin hängen. Nicht nur Kinder. Morgen ist der Tag des heiligen Nikolaus. Und an dem Tag kann es passieren, dass Stiefel sich über Nacht mit Süßigkeiten füllen. Bei uns im Büro tauchen manchmal auch am 6. Dezember – oder am Montag danach - wie aus dem Nichts Schokoladen-Nikoläuse auf den Schreibtischen auf. Und in manchem Jahr fanden sich bei uns im Haus auch schon in den Briefkästen kleine Schokoladengrüße. Es sind besondere kleine Geschenke, bei denen man eben nicht genau weiß, von wem sie eigentlich kommen.

Der heilige Nikolaus damals ist übrigens wirklich für genau solch eine Art von Schenken bekannt geworden. Die Legende erzählt: Ein verarmter Mann hatte nicht genügend Mitgift, um seine drei Töchter zu verheiraten, und er hatte vor, sie deswegen notgedrungen zu Prostituierten zu machen. Nikolaus, der noch nicht Bischof war und ein größeres Vermögen von seinen Eltern geerbt hatte, erfuhr von der Not der Familie. In drei aufeinander folgenden Nächten hat er einen großen Goldklumpen durch das Fenster der drei jungen Frauen geworfen. Vielleicht, so sagt man, war es auch der Kamin. Jedenfalls konnten die drei Frauen dadurch vor ihrem Schicksal bewahrt werden. Die Familie hatte wieder genug Geld für ihre Zukunft. Durch die Überraschungsgeschenke des heiligen Nikolaus.

Geschenke, die einfach so kommen, unerwartet: Die freuen einen besonders. Nicht nur am 6. Dezember. Mir hat es vor einigen Wochen richtig gut getan, als eine Bekannte mir in ganz besonders stressigen Tagen leckere Schokolade zugesteckt hat: Da hat jemand meine Not wahrgenommen – und sie ein bisschen gelindert. Und wie wunderbar ist es, wenn manchmal unverhofft ein Päckchen im Briefkasten steckt, zwischen all der Werbung und den Rechnungen. Weil jemand einfach zwischendurch an mich gedacht hat und mir einen Gruß schickt.

Jetzt im Dezember bin ich ja oft auch ganz schön genervt vom Schenken – weil mir für Weihnachten keine Ideen kommen und der Geschenkekauf zum Stress wird. Aber natürlich sind Geschenke auch etwas Wunderbares: Sie zeigen einem anderen Menschen: Du bist mir wichtig, ich hab an dich gedacht, ich will dich mit etwas Besonderem überraschen. Und es ist großartig, wenn am 24. Dezember dann wirklich die Augen leuchten. Aber eigentlich finde ich diese kleinen, überraschenden Geschenke am 6. Dezember mindestens genau so schön - oder Überraschungsgeschenke im Rest des Jahres.

 

Kleine Geschenke: Die erhalten die Freundschaft, sagt man. Und sie können auch Brücken schlagen zwischen Fremden. Ich denke am Nikolaustag diesmal besonders auch an die vielen Geschenke, die zurzeit die Flüchtlinge bekommen, die bei uns ankommen. Für sie gibt es nicht nur Schokolade in die Stiefel, sie bekommen auch die Stiefel selbst oder warme Kleidung für den Winter, Kinderspielzeug, Fahrräder. Überraschende Geschenke von Menschen, die sie gar nicht kennen und die trotzdem ihre Not sehen und lindern wollen. Ich glaube: Dem heiligen Nikolaus würde das gefallen.


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Dieser Beitrag wurde am 05.12.2015 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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