Wort zum Tage, 02.12.2015

von Beate Hirt aus Frankfurt am Main

Sklaverei und Weihnachtsgeschenke

Was haben meine Weihnachtseinkäufe jetzt im Dezember mit Sklaverei zu tun? Ich fürchte: eine Menge. Und zwar nicht, weil ich mich selbst im Vorweihnachtsstress manchmal wie eine Sklavin fühle, die sich abrackern muss, um alle Geschenke zusammen zu bekommen. Sondern: Weil diese Geschenke oft unter Bedingungen hergestellt werden, die wirklich nahe an der Sklaverei sind. Um Rohstoffe für unsere Handys aus der Erde zu holen, müssen zum Beispiel Kinder in Bergwerken schuften.

Heute ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Sklaverei. Für mich ist das Anlass, darüber nachzudenken: Wo bin ich denn in moderne Sklaverei verstrickt. Und was kann ich dagegen tun. Die Zahlen, die vor einiger Zeit „Terre des Hommes“ veröffentlicht hat, die haben mich wirklich betroffen gemacht: Mehr als 12 Millionen Menschen müssen weltweit noch immer als Sklaven betrachtet werden. Und etwa die Hälfte von ihnen, also rund sechs Millionen, sind Kinder und Jugendliche. Sie schuften in Bergwerken, aber zum Beispiel auch auf Plantagen, auf denen Kakao oder Kaffee angebaut wird, auch für den Export, auch für uns. Und selbst bei der Herstellung von Kinderspielzeug müssen manchmal Kinder in anderen Ländern wie Sklaven schuften.

Papst Franziskus hat es so ausgedrückt: „Niemand kann so tun, als fühle er sich nicht heraus­gefordert angesichts der neuen Formen der Sklaverei.“ Und der Papst weist auch darauf hin, wozu solche Sklaverei unter anderem führt, er schreibt: „Vor diesen schlimmen Verbre­chen fliehen die Flüchtlinge unserer Zeit.“ (Botschaft zum Tag des Migranten und Flüchtlings am 17. Januar 2015)  Letztlich ist es eben auch diese Sklaverei in Afrika und anderswo, die dazu führt, dass Menschen verzweifelt in Boote steigen und nach Europa fliehen, auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben.  

Was also kann ich tun? Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen: Ich will gerade bei meinen Weihnachtseinkäufen darauf achten, wo und wie sie hergestellt wurden. Bei Schokolade und Kaffee ist das ja noch relativ einfach: Da gibt es mittlerweile sogar im Supermarkt vieles mit dem Fair-trade-Siegel. Bei anderen Sachen ist das natürlich schwieriger. Bei Kleidung zum Beispiel gibt’s noch kein einheitliches Siegel. Aber es existieren immerhin doch einige Labels,  die klar und deutlich sagen: Wir produzieren so fair wie möglich. Bei den Handys gibt es mittlerweile das so genannte Fairphone. Und beim Kinderspielzeug: Da bin ich auf die Aktion „Fair spielt“ gestoßen: Die setzt sich dafür ein, dass in der Spielzeugindustrie die Menschenrechte beachtet werden, und gibt Listen raus mit Herstellern, die sich dran halten.

Ich weiß: Solche fair produzierten Sachen sind oft ein bisschen teuer. Und mancher sagt: Das kann ich mir nicht leisten, ich hab ja selbst kaum genug, um all meinen Lieben die Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Aber ich denke: Gerade an Weihnachten will ich doch keine Freude machen mit Dingen, für die andere Menschen wie Sklaven ausgebeutet wurden. Und ich kann es ja meinen Freunden und meiner Familie an Weihnachten auch erklären: Das ist jetzt vielleicht ein kleines, aber sehr feines Geschenk: Dafür musste kein Mensch wie ein Sklave arbeiten.


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Dieser Beitrag wurde am 02.12.2015 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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