Morgenandacht, 05.01.2016

von Pater Norbert Cuypers SVD aus St. Augustin

Herr der Töpfe und Pfannen

Autor
Ich erinnere mich noch gut daran, dass sich meine Mutter immer wieder einmal dem Vater gegenüber für ihre Arbeit rechtfertigen musste, die sie als Hausfrau und Mutter von sechs Kindern zu leisten hatte. Dann konnte es geschehen, dass sie ein Lied von Johanna von Koczian anstimmte, in dem es heißt: „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann; das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein.“ Auch wenn sie gerne ‚nur Hausfrau‘ war: manchmal hätte Mutter sich einfach nur ein wenig mehr Anerkennung von Vater gewünscht für das, was sie tat. Oder ein herzliches ‚Danke‘ von uns Kindern, die alles für selbstverständlich nahmen. Ich bin nicht sicher, ob meine Mutter das folgende Gebet, das der heiligen Teresa von Avila zugeschrieben wird, gekannt hat, aber sicher hätte es ihr gefallen:

Sprecherin
„Herr der Töpfe und Pfannen, ich habe keine Zeit
eine Heilige zu sein und Dir zum Wohlgefallen in der Nacht zu wachen,
auch kann ich nicht meditieren in der Morgendämmerung
und im stürmischen Horizont.
Mache mich zu einer Heiligen,
indem ich Mahlzeiten zubereite und Teller wasche.
Nimm an meine rauhen Hände, weil sie für Dich rauh geworden sind.“

Autor
Meine Mutter, eine gelernte Krankenschwester, gab seinerzeit ihren Beruf auf, weil sie für ihre große Familie da sein wollte. Sie hat es gut getan und sie hat es gern getan, auch, wenn es nicht immer einfach war für sie. In der Reflexion über das Gebet der spanischen Karmelitin denke ich aber auch an die vielen Mütter von heute, die ihre Kinder alleine erziehen müssen, weil der Partner fehlt. Viele ihrer Sehnsüchte und die Wünsche an das Leben bleiben unerfüllt, weil Kindererziehung und Beruf kaum Spielraum lassen für mehr. Das wird in unserer Gesellschaft noch viel zu wenig gewürdigt, wie ich meine. Dann kann gewöhnliche Küchenarbeit zu einer mühseligen Last werden. Teresa bekam das auch zu spüren. Zu Gott betet sie:

Sprecherin
„Kannst Du meinen Spüllappen als einen Geigenbogen gelten lassen,
der himmlische Harmonie hervorbringt auf einer Pfanne?
Sie ist so schwer zu reinigen und ach, so abscheulich!“

Autor
Auch heute, am Beginn eines neuen Tages, werden viele Menschen auf dieser Welt hart arbeiten, um das Überleben ihrer Familie zu sichern. Ich denke an die Frauen, die unter der heißen Sonne Afrikas das Gemüsefeld ihrer Familie bestellen müssen. Ich denke an die Näherinnen von Bangladesch, die für einen Hungerlohn unsere Markenartikel nähen werden und mir fallen die Menschen ein, die sich bei uns im Billiglohnsektor ihren Lebensunterhalt verdienen. Das alles war der spanischen Mystikerin Teresa von Avila natürlich nicht bewusst und doch legte sie als eine hart arbeitende Ordensfrau, die zudem immer wieder mit körperlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen hatte, ihre Erschöpfung nach getaner Arbeit in die Hände Gottes:

Sprecherin
„Herr der Töpfe und Pfannen, bitte darf ich Dir anstatt gewonnener Seelen
die Ermüdung anbieten, die mich ankommt
beim Anblick von Kaffeesatz und angebrannten Gemüsetöpfen?“

Autor
Auch beim Schuhe putzen spricht Teresa mit Gott wie mit einem guten Freund:

Sprecherin
„Obgleich ich Martha-Hände habe, hab' ich doch ein Maria-Gemüt,
und wenn ich die schwarzen Schuhe putze,
versuche ich, Herr, Deine Sandalen zu finden.
Ich denke daran, wie sie auf Erden gewandelt sind, wenn ich den Boden schrubbe.“

Autor
Oft genug habe ich den Eindruck, ich würde zu wenig beten, nicht genügend fromm sein, zu erschöpft für einen erhabenen Gedanken an Gott. Dann hilft mir die Grundhaltung der Teresa von Avila, Gott meine Erschöpfung hinzuhalten und ihm meine tägliche Arbeit als Gebet anzubieten. Und auch, wenn ich in meiner Gemeinschaft nur einmal im Monat Spüldienst habe und nicht täglich den Tisch decken muss, möchte ich mir die Worte Teresas zu Eigen machen, die Gott bittet:

Sprecherin
„Vergib mir, dass ich mich absorge, und hilf mir, dass mein Murren aufhört.
Herr, der Du das Frühstück am See bereitet hast,
vergib der Welt, die da sagt: ‚Was kann denn aus Nazareth Gutes kommen?"

Autor
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag.


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Dieser Beitrag wurde am 05.01.2016 gesendet.


Über den Autor P. Norbert Cuypers SVD

orbert Cuypers, 1964 in Köln geboren, ist Mitglied der interkulturell aufgestellten Ordensgemeinschaft der Steyler Missionare (SVD). Sein Weg führte ihn im Laufe der Jahre unter anderem nach Papua Neuguinea und nach Österreich. Seit 2011 lebt und wirkt er wieder in Deutschland. Das Thema „Spiritualität“ begleitet ihn seit Jahren: sei es als Exerzitienmeister, als Spiritual im Priesterseminar, oder auch als Leiter des deutschsprachigen Noviziats seines Ordens in Berlin. Derzeit lebt er als „Hüter der Stille“ in einer Einsiedelei im Sauerland. Kontakt: cupyi@gmx.de

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