Wort zum Tage, 07.10.2015

von Joachim Opahle aus Berlin

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen

„Katholisch sind Sie?“ fragt mich der Herr gegenüber, „Oh je, dann müssen Sie ja alles machen, was der Papst sagt!“ Na ja, antworte ich ihm, ich halte es  mit dem Apostel Paulus. Der hat ja bekanntlich gesagt: „Prüfet alles, und behaltet das Gute!“

Das ist keine schlechte Regel. Sie lädt dazu ein, sich mit dem Anspruch der Religion auseinanderzusetzen. Und sie berücksichtigt zugleich, dass der Mensch ein Gewissen hat, das ihn in die Lage versetzt, eigenständig zu entscheiden, was für ihn persönlich angemessen ist.

Denn eines ist klar: Christsein bedeutet nicht, blind Geboten zu folgen. Christsein bedeutet vielmehr, sich im Denken und vor allem im Handeln am Evangelium zu orientieren. Dabei gibt es selten eine letzte Sicherheit, in der ich behaupten könnte, so oder so zu denken oder zu handeln ist jetzt das einzig richtige. Und natürlich ist das Neue Testament kein Gesetzbuch mit klaren Anweisungen. Sondern es ist eine Sammlung von Erzählungen, Gleichnissen und Bildreden, die alle für sich genommen von Bedeutung sind. Aber trotzdem müssen sie jeweils in unsere Zeit hinein übersetzt werden. Das Leben als Christ wird, so gesehen, überhaupt nicht einfacher, wenn man sich zur Nachfolge Christi bekennt.

Auch meine Beziehung zu Gott ist kein Besitzstand, den man sich einmal erwirbt wie ein Ausstellungsstück. Religiöses Bewusstsein wandelt sich im Laufe eines Lebens. Als Kind dachte ich anders über Gott, als als Jugendlicher. Und im Alter werde ich vielleicht wieder ganz andere Überzeugungen haben als die, die mir jetzt plausibel sind. Aber dass Religion und religiöses Denken insgesamt wichtig sind, daran halte ich fest. Denn ich habe erfahren, dass Religion mein Leben reicher und schöner macht, so ähnlich wie Musik oder Kunst mein Leben bereichern.

Und dann gibt es noch einen anderen Spruch aus der Bibel, der mir im Laufe des Lebens immer wichtiger wurde: Er lautet: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“. Denn entscheidend ist nicht nur, was einer denkt und glaubt, sondern, wie einer handelt, zum Beispiel wie barmherzig jemand ist, oder wie freigebig, oder wie freundlich….Die Bibel ist hier ungewöhnlich klar und fast schon streng: Über die wahren Jünger sagt Jesus: „Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr“ wird in das Himmelreich eingehen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters tut.“


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Dieser Beitrag wurde am 07.10.2015 gesendet.


Über den Autor Joachim Opahle

Joachim Opahle, geboren 1956, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er studierte in Freiburg im Breisgau, in Wien, Tübingen und Bamberg Katholische Theologie und Kommunikationswissenschaften. Seit 1993 ist er im Erzbistum Berlin tätig als Leiter der kirchlichen Hörfunk- und Fernseharbeit.

Kontakt
rundfunk@erzbistumberlin.de
www.erzbistumberlin.de

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