Feiertag, 16.08.2015

von Joachim Opahle aus Berlin

"Fröhlich sein, Gutes tun..." Don Bosco zum Geburtstag

Autor:
„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen…!“ - das war sein Motto. Ein Motto voller Heiterkeit, Hilfsbereitschaft und Optimismus. Ein sympathischer und gewinnender Typ muss dieser rastlose Seelsorger aus dem norditalienischen Turin gewesen sein. Humorvoll, leidenschaftlich und von unerschütterlichem Gottvertrauen. 

Die Rede ist von Giovanni Bosco, genannt Don Bosco, dem Gründer des Salesianer Ordens. Heute, am 16.August, wäre sein 200. Geburtstag gewesen. Weltweit sind seine Ordensbrüder und Schwestern im Einsatz: immer geht es ihnen darum, benachteiligten Jugendlichen zu helfen, im Leben Fuß zu fassen. Aus den unscheinbaren Anfängen in Norditalien um die Mitte des 19.Jahrhunderts ist im wahrsten Sinn des Wortes etwas Großes erwachsen.

Musik : Three little birds, Bob Marley

Don Bosco wird im August 1815 als drittes Kind einer Bauernfamilie in der Nähe von Turin geboren. Früh schon fühlt er sich zum Erzieher und Seelsorger berufen. In seinem Geburtsort Castelnuovo erzählen sie gerne die Geschichte von dem Traum, der den neunjährigen Giovanni sehr beeinflusst haben muss. „Nicht mit Schlägen, sondern mit Güte werden sie zu deinen Freunden“, so sagt es ihm eine Stimme, nachdem der Junge eine Rauferei mit Jugendlichen aus dem Nachbarort überstanden hat. Kurz nach seiner Priesterweihe im Alter von 26 Jahren beginnt er, junge Leute um sich zu scharen. Es sind arbeits- und perspektivlose Tagelöhner vor den Toren der aufstrebenden Industriemetropole Turin. Valdocco – Tal der Getöteten, so heißt der Stadtteil Turins bis heute wegen eines damaligen Gefängnisses in der Nähe. Hier kann Don Bosco einen Schuppen erwerben, eine Art Baracke im Hinterhof, die zum ersten Anlaufpunkt für „seine“ Jugendlichen wird. Hier erfahren viele von ihnen zum ersten Mal Anerkennung und Nestwärme. Valdocco, der Ort mit dem schaurigen Namen, ist zu einem Ort der Hoffnung geworden.

Musik:  Three little birds, Bob Marley

Die Anfänge in Valdocco sind alles andere als leicht. Auf der Suche nach einer Bleibe für seine Jugendlichen muss Don Bosco mit vielen Schwierigkeiten kämpfen. Armut und Elend der verarmten Landbevölkerung sind groß: sie drängen in die Städte und fristen dort ein Leben unter erbärmlichen Umständen. Don Bosco lässt das nicht kalt; ständig sucht er nach Möglichkeiten, Farbe in ihren grauen Alltag zu bringen. Vermutlich ist es seinem unerschütterlichen Optimismus zu verdanken, dass Don Bosco seine Pläne umsetzen konnte, sagt einer seiner heutigen Ordensbrüder, Salesianerpater Albert Krottenthaler aus Berlin:

Pater  Krottenthaler:
Ich weiß, dass das im Grund vorstädtischer Bereich war, also auch mit vielen sozialen Spannungen, die es dort gab, wo Don Bosco mutig reingegangen ist, um ein festes Haus zu gründen. Er hat ja lang gesucht, in einem sogenannten Wanderoratorium, ist vielfach rausgeflogen und konnte dort so eine Art Schuppen erwerben und hat hier begonnen, sein Werk aufzubauen.

Autor:
Die kirchlichen Oberen sehen es nicht alle gern, wenn einer der ihren das Leben der Ärmsten so kompromisslos zu teilen versucht. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang Don Boscos feuriges und eigensinniges Temperament hervorgehoben, das es ihm schwer macht, Widerstände zu ertragen. Und umgekehrt seiner Umgebung nicht immer leicht, seinen Plänen zu folgen.

Pater Krottenthaler:
Er ist ja mit einem riesen Vertrauen reingegangen in die Sache und war auch kirchlich sehr angefragt in der Zeit. Da gibts auch so ne Szene, wo er abgeholt werden sollte, um ins Irrenhaus gebracht zu werden, weil das einfach verwegen, zu verwegen schien. Und er anfangs auch Mühe hatte, Helfer zu aquirieren, die ihn hier in diesem Projekt unterstützt haben. Andererseits war er sehr pragmatisch veranlagt, hatte eine gute Bodenständigkeit, einfach eine gefestigte menschliche Grundvoraussetzung und einfach einen starken Glauben.

Musik: Three little birds, Bob Marley

Autor:
Das Wirken Don Boscos zieht Kreise wie ein ins Wasser geworfener Stein. Alsbald finden sich Gleichgesinnte. 25 Jahre nach den ersten Aktionen in Valdocco gelingt die Gründung einer neuen Ordensgemeinschaft – gegen teilweise massiven Widerstand aus kirchlichen Kreisen. Sie nennt sich „Gesellschaft des Heiligen Franz von Sales“. Vorbild ist jener Heilige aus dem 16.Jahrhundert, der in der französischen Nachbarschaft als Bischof und Diplomat segensreich wirkte. Daneben kommt es zur Gründung eines weiblichen Ordenszweiges. Die ersten Missionare werden ausgesandt. Als Don Bosco 1888 in Turin stirbt, hat sich sein Werk bereits weltweit ausgebreitet. Heute sind die Salesianer auf allen Kontinenten vertreten. In den Slums indischer Großstädte holen sie Jugendliche von der Straße, in der afrikanischen Krisenregion Südsudan unterhalten sie Krankenstationen und Schulen für Mädchen, in den brasilianischen Metropolen haben sie Berufsbildungszentren und sind Anlaufstellen für Flüchtlinge.

Das Rezept ist mehr oder weniger überall dasselbe: Der sozialen Entwurzelung etwas entgegensetzen. Aus der tiefen Überzeugung heraus, dass jeder Mensch wertvoll ist. Doch wie gelingt es Don Bosco, diese menschenzugewandte Sicht auch so umzusetzen, dass den Betroffenen wirklich geholfen ist? Eine Antwort darauf versucht Pater Franz-Ullrich Otto, als Provinzialvikar ist er so etwas wie der Sprecher aller deutschen Salesianer:

Pater Otto:
Er war überzeugt von jedem Jugendlichen, er glaubte an jeden Jugendlichen. Sein Glaube war nicht so theoretisch abgehoben. Er war überzeugt, in jedem steckt was drin, warum, weil jeder ein Geschöpf Gottes ist und deswegen liebenswert ist. Und wir müssen diese Liebe weitergeben an jeden, und dürfen nicht irgendwelche Kriterien aufstellen, warum wir die erst zurückhalten, sondern eigentlich darauf zugehen, den Jugendlichen begegnen, ihnen sagen: jawohl, du bist hier richtig! Schön, dass du da bist!

Autor:
Den anderen voraussetzungslos annehmen, vor allem wenn er in Schwierigkeiten ist, diese Grundhaltung hat zu allen Jahrhunderten im Christentum Anhänger gefunden. Für Papst Franziskus gehört sie zu den Grundlagen der Kirche, an die man nicht genug erinnern kann. „An die Ränder gehen“ sagt der Papst, dorthin wo die Armen, die Benachteiligten, die Vergessenen leben. Es ist eine ständige Herausforderung, und deshalb ist die Mission des Don Bosco auch heute noch von großer Aktualität, sagt Pater Franz-Ullrich Otto:

Pater Otto:
An die Ränder gehen... das hat Don Bosco ja damals versucht, gegen alle Kritik, die ja auch von kirchlicher Seite kam, von seinem Bischof, und er hat sich da nicht beirren lassen. Er hat damals schon ganz klar gesagt: Jawohl, dort bin ich richtig als Priester, nicht nur irgendwo in der Kirche, sondern dort muss ich hin... Und er ging an den Stadtrand, wo die Jugendlichen rumlungerten, dort ging er auf sie zu, hatte Interesse an ihnen, hat gesagt: Habt ihr Hunger? Habt ihr was zum Anziehen? Habt ihr Arbeit? Was wisst ihr, was kennt ihr? usw. Und hat sich mit ihnen unterhalten und beschäftigt. Und weil er Interesse hatte, haben die plötzlich auch an ihm Interesse gehabt. Und deswegen war der Zulauf auch zu erklären, und das ist genau der Weg, den unser heutiger Papst natürlich sehr favorisiert und sagt: jawohl, das ist christliche Überzeugung, die müssen wir deutlich machen; wir müssen den Glauben mehr leben, als dass wir ihn nur in Worte fassen.

Musik: Three little birds, Bob Marley

Autor:
Kinder und Jugendliche stehen bis heute im Mittelpunkt der Seelsorge im Turiner Stadtteil Valdocco. An der Stelle der alten Baracke steht mittlerweile eine große Kirche. Gleich daneben befindet sich eine Berufsschule und eine Schule für den mittleren Schulabschluss. Nur wenige Meter entfernt, im zweiten Stock des angrenzenden Gebäudes, sind die früheren Wohnräume Don Boscos, die zu einem kleinen Museum hergerichtet sind. Hier kann man den Schreibtisch sehen, an dem er religiöse Schriften verfasste und Briefe schrieb. Hier entstand vielleicht auch jene Regel, die Don Bosco als Erziehungsratgeber für seine Mitbrüder schrieb, und in der er – für die damalige Zeit sensationell – ausdrücklich die Prügelstrafe ablehnte: Erziehung, so heißt es da…..

Sprecher:
„….besteht darin, dass man die Vorschriften bekannt macht und dann die Jugendlichen so überwacht, dass das achtsame Auge der Assistenten immer auf ihnen ruht. Wie gütige Väter sollen diese mit ihnen sprechen, (…) gute Ratschläge erteilen und sie liebevoll zurechtweisen. (…) Deshalb schließt es jede gewaltsame Züchtigung aus und sucht auch leichtere Strafen fernzuhalten“
(Quelle: Don Bosco. Magazin, 1/2015, Hrg. Don Bosco Medien GmbH, München, , S. 35, www.donbosco-magazin.de)

Musik: Three little birds, Bob Marley

Autor:
In mehr als 130 Ländern auf fünf Kontinenten leben und arbeiten heute die Salesianer Don Boscos. Insgesamt rund 28.000 männliche und weibliches Ordensleute; hinzu kommen weitere 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Werk des Ordensgründers in seinem Geiste fortführen. In Deutschland sind die Salesianer an 45 Standorten vertreten. Einer dieser Orte liegt in Berlin-Marzahn, einem Ortsteil im Osten der Hauptstadt, der nicht gerade als Nobelviertel gilt. Hier eröffnete der Salesianerorden nach der Wende ein geräumiges Zentrum für Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen Probleme haben. Zumeist geht es darum, Krisen im Elternhaus aufzufangen und eine Ausbildung abzuschließen. Claudius Kießig ist als Pädagogischer Mitarbeiter von Anfang an dabei. Er erläutert, warum die Salesianer ausgerechnet hier ihren Berliner Stützpunkt eingerichtet haben:

Claudius Kießig:
Es gibt in Marzahn 254 000 Einwohner und damit eine hohe Quote an jungen Menschen, an jungen Familien und nach der Wende natürlich an Arbeitslosen. Und die jungen Menschen, die hier von uns betreut werden, sind solche, die einen schlechten Start hatten und die nicht wissen, "wie ein Tag geht" und damit nicht in einen Beruf finden können. Viele haben keinen Schulabschluss, ca. 65 bis 70 Prozent knapp, die also die Grunderfordernisse nicht erfüllen, in eine Ausbildung zu kommen. 

Autor:
Respekt vor den Jugendlichen, das gehört zum Grundsatz der pädagogischen Arbeit im Don Bosco Zentrum in Marzahn. Scheitern wird nicht als Makel angesehen:

Claudius Kießig:
Jeder hat das Recht auf eine zweite Chance...Wir müssen die Menschen so nehmen wie sie sind, wir müssen was tun., dass die nicht auf der Straße landen, dass die nicht ne schlechte Zukunft haben, sondern mit ihnen gemeinsam an Perspektiven arbeiten, mit ihnen gemeinsam dafür zu sorgen, dass sie auf eigenen Beinen stehen können. Und genau das machen wir hier.

Autor:
Die Mitarbeiter im Don Bosco Zentrum verstehen sich als Wegbegleiter der Jugendlichen. Sie suchen sich ihre Klientel nicht aus, sondern nehmen jeden auf, der in der Sackgasse steckt. Wohnräume und zusätzliche Zimmer zur Notübernachtung stehen bereit. Immer wieder schickt auch das Sozialamt Jugendliche zu Don Bosco, in der Regel besonders Benachteiligte aus schwierigen familiären Verhältnissen. „Aktivierungsmaßnahme“ heißt so etwas im Fachjargon. Die Jugendlichen, die häufig ohne Perspektiven in den Alltag hinein leben, sollen mit sinnvollen Dingen beschäftigt werden, die ihnen Anregungen für einen beruflichen Einstieg vermitteln:

Claudius Kießig:
Wir waren lange Zeit ein großes Jugendgästehaus, die ganze obere Etage waren Jugendgästezimmer, wir haben noch einen Erwachsenengästebereich mit 14 Zimmern und wir haben inzwischen ein Jugendhilfeprojekt, für junge Menschen, die vom Jugendamt als "Systemsprenger" bezeichnet werden, weil sie letztlich alle Systeme der Jugendpflege schon durchlaufen haben. Da sind acht junge Menschen, die bei uns wohnen, zwischen dreizehn und siebzehn Jahre alt, mal als Beispiel: einer ist 15 geworden und wir sind seine neunte Einrichtung....danach kommt Straße...oder Knast...oder...Und das ist ein gutes Angebot, wo wir merken, das tut den Jugendlichen gut, solche verlässliche Partner für uns zu haben; nicht Partner zu sein, die einen großen Regelkatalog aufstellen und sagen: einmal die Regel missachtet und du fliegst raus! Sowas gibts bei uns nicht. Bei uns gibst immer die zweite Chance, und wenns um Regeln geht, gehen wir ins Gespräch mit den Jugendlichen und handeln im Zweifelsfall auch neu aus.

Musik: Bobby Mc Ferrin, Don’t worry – be happy

Autor:
300 Jugendliche stehen derzeit im Kontakt mit dem Berliner Don Bosco Zentrum. Manche kommen von sich aus, haben etwa mit dem Beratungsbus Kontakt aufgenommen, der im Bezirk regelmäßig unterwegs ist. Die Gespräche drehen sich fast immer um das Gleiche: Was hast du vor mit deinem Leben? Was hast du für Fähigkeiten und Talente? Wie können wir dir helfen? Dann sucht man gemeinsam nach Perspektiven: Wie gehts weiter?

Und was es in keinem Sozialamt gibt: das Don Bosco Zentrum  steht im Prinzip 24 Stunden am Tag zu Verfügung. Es ist sichergestellt, dass auch zu nächtlicher Stunde immer jemand ansprechbar ist, falls es Not tut. Claudius Kießig erläutert, wie so ein Tagesablauf im Don Bosco Zentrum aussieht:

Claudius Kießig:
Es fängt damit an, dass wir ein gemeinsames Frühstück anbieten, montags bis freitags um 8 Uhr, am Wochenende um 10, für alle die da sind, die nicht wissen, wohin mit sich, denen das Geld am Ende des Monats knapp wird, und die sagen: ich kann mit kein Frühstück, kein Abendbrot mehr leisten, die können hier immer auch einen Platz zum Essen finden. Für die regulären Jugendlichen in der Aktivierung ist es so, dass die sich in sieben Arbeitsbereichen ausprobieren können. Wir haben einen Bereich Maler, einen Bereich Haustechnik, Hauswirtschaft, Büro und Verkauf, Küche, Friseur – Kosmetik und Metallverarbeitung. Und alle diese Projekte sind Möglichkeiten, sich auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln: wie geht das mit dem Material Holz, wie geht das mit dem Metall, wie geht das in der Küche? Was kann man da machen? Was wird da gebraucht? Könnte ich mir vorstellen, da vielleicht ne Ausbildung zu machen. Darum gehts letztendlich...die Perspektive ist immer: schaffe ich, in welcher Art auch immer, meine Ausbildung. Und dann den Weg, mich darauf vorzubereiten, vielleicht auch mit nem Schweißgerät zu arbeiten und das als Bonus für mich zu haben, wenn ich mich als Metaller bewerbe.

Autor:
Schule, Freizeit, Ausbildung, persönliche Lebensplanung, Krisenintervention – das sind die entscheidenden Stichworte in der Arbeit mit Jugendlichen im Marzahner Don Bosco Zentrum. Fast in Vergessenheit gerät dabei, dass es sich bei den Salesianern um einen katholischen Orden handelt, dass das Haus einen kirchlichen Träger hat. Gottesdienste finden hier nur selten statt, was nicht heißt, dass christliche Werte keine Rolle spielen. Auf welche Weise Religion Wertschätzung findet, erläutert Claudius Kießig:

Claudius Kießig:
Sie spielt da ne Rolle, wenn wir sagen: aus welchem Antrieb und aus welcher Motivation machen wir das? Natürlich muss man auch sagen: wir haben jetzt ca. 30 Prozent christliche Mitarbeiter, der  Rest ist tatsächlich konfessionsungebunden; wir haben aber ganz intensiv Leitlinien erarbeitet, wo wir sagen, das ist das, was uns als christliche Werte miteinander verbindet: Eine Dienstgemeinschaft zu sein, die mit Wertschätzung, Vertrauen, mit Wohlwollen auf die jungen Menschen zugeht und ihnen damit Chancen eröffnet und Chancen gibt, die sie sonst nicht haben.

Autor:
Daneben gibt es auch Angebote zur Besinnung und zum Nachdenken über Gott und die Welt:

Claudius Kießig:
Es gibt einmal im Monat eine sogenannte Haltestelle, wo wir einen kurzen Impuls in den Tag geben in einen doch in der Regel stressigen Alltag eine Ruhezeit von 20 Minuten zu finden, sich über verschiedene Themen auszutauschen, ob über einen Segen, oder über das Thema Zeit oder über die Osterzeit, was bedeutet das in besonderer Weise. Aber das ist ein Angebot, das von den Jugendlichen eher selten genutzt wird, weil nach wie vor ca. 99 Prozent der Jugendlichen, die wir hier begleiten und betreuen, keinen Bezug zur Kirche haben, außer zu uns als kirchliche Einrichtung.

Autor:
Der spezifische Geist des Marzahner Don Bosco-Zentrums dürfte auch den Ordensleuten zu verdanken sein, die im Hause wohnen. Neben den männlichen Angehörigen der Salesianer sind zwei Nonnen vom Orden der Heiligenstädter Schulschwestern im Haus. Sie teilen Leben und Alltag ihrer Schutzbefohlenen und stehen auch für schwierige Gespräche zur Verfügung. Und auch wenn es mal Ärger gibt und zwei Streithähne aneinander geraten, werfen die Mitarbeiter nicht sofort die Flinte ins Korn.

Claudius Kießig:
Wenn man sich die jungen Menschen ansieht und weiß, was so hinter ihnen steht an Erfahrungen, an Geschichten, an Missbrauchserfahrungen, an Drogenerfahrungen, an Familiengeschichten, die man sich nicht vorstellen kann in unserm reichen Deutschland, die wir aber immer wieder doch auch erleben, da ist es erstaunlich, wie wenig passiert. Natürlich gibts Momente, wo es laut wird, wo junge Menschen sich in die Haare kriegen, wo man auch vermittelnd und schlichtend dazwischen gehen muss, wo man gucken, wenn ich das alleine nicht schaffen kann, such ich mir nen zweiten Kollegen .... Der Vorteil dieses Hauses ist, dass die Ordensmenschen im Haus wohnen, also die Schwestern und die Salesianer wohnen mit im Haus, und wir haben immer jemand in der Rückhand, als Rückhalt, der uns da noch stabilisieren kann.

Musik: Bobby Mc Ferrin, Don’t worry – be happy

Autor:
Erzieher sollen glaubwürdig sein, wünschte sich Don Bosco, der Gründer der Salesianischen Ordensgemeinschaft. Das heißt, sie sollen pädagogische oder theologische Fachleute sein und selbst über hinreichende Lebenserfahrung verfügen, um in der Welt der jungen hilfebedürftigen Menschen zurecht zu kommen. Zum Idealkonzept gehört neben dem Jugendzentrum eine Pfarrgemeinde, in der Gottesdienst und religiöse Themen angeboten werden, eine Schule, die auf das Leben vorbereitet und ein Spielhof oder ein Fußballplatz, der zum Treffen und zu sportlicher Freizeitgestaltung einlädt.

Gemeindepfarrer Pater Albert Krottenthaler freut sich über vereinzelte Gottesdienstbesucher aus dem benachbarten Don Bosco Zentrum. Und er versucht, die Katholiken der Marzahner Gemeinde mit der Sorge für die Schutzbefohlenen in Verbindung zu bringen. Zwischen diesen oft sehr verschiedenen Welten Brücken zu schlagen, ist nicht immer leicht. Aber auch hier hilft der unverdrossene Optimismus Don Boscos weiter: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen…“. Denn Feste zu feiern, hilft dem Alltag seine graue Färbung zu nehmen, sagt Pater Albert Krottenthaler:

Pater Krottenthaler:
Es hat was gewinnendes, das merken Sie selber, wenn Sie eine Gruppe vor sich haben und es gelingt Ihnen, sie aufzuheitern, und mal was fröhliches einzuwerfen und die Gesichter werden offen, dann sind die Menschen einfach viel ansprechbarer und dann kann ich sie mitnehmen. Wenn das in der Predigt gelingt, ich wünscht ich könnte das besser, ist sofort auch mehr Offenheit da und andere Voraussetzungen, auch meine Botschaft rüberzubringen.

Autor:
Die pädagogischen und seelsorgerlichen Impulse des Turiner Pfarrers Don Bosco werden noch lange lebendig bleiben. Davon ist der Provinzsprecher, Pater Franz-Ulrich Otto überzeugt, denn Güte und Respekt vor Anderen, Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen, Leben in Gemeinschaft und Fürsorge an Leib und Seele werden jeder Gesellschaft als Herausforderung bleiben.

Pater Otto:
Wir haben immer weniger Mitbrüder in Deutschland und Westeuropa, aber das bedeutet nicht, dass die Idee Don Boscos nicht attraktiv ist für Menschen, die sich engagieren wollen. Wir sind hier in Berlin fast 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und die sind hochengagiert und damit kann man wirklich die Ideen Don Boscos umsetzen.

Musik: Bobby Mc Ferrin, Don’t worry – be happy                  


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Dieser Beitrag wurde am 16.08.2015 gesendet.


Über den Autor Joachim Opahle

Joachim Opahle, geboren 1956, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er studierte in Freiburg im Breisgau, in Wien, Tübingen und Bamberg Katholische Theologie und Kommunikationswissenschaften. Seit 1993 ist er im Erzbistum Berlin tätig als Leiter der kirchlichen Hörfunk- und Fernseharbeit.

Kontakt
rundfunk@erzbistumberlin.de
www.erzbistumberlin.de

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