Der Geist ist unmittelbar

Jedes Jahr ist das für mich erneut überraschend, wie schnell doch Pfingsten vorbei ist. Pfingstsonntag, Pfingstmontag – die schöne rote Farbe in der Liturgie – und dann am Dienstag ist schon wieder die Zeit im Jahreskreis, wo die Kirche ihr grünes Arbeitskleid angelegt hat. Ein bisschen mehr den Geist feiern, das fände ich nicht schlecht. Schon wegen der vielen Lieder, die man so selten singt.

Doch das ist wohl nicht die Sache des Geistes, sich feiern zu lassen. Er will wirken. Nicht erst morgen oder übermorgen, nicht erst nach einer Festwoche, sondern sofort. Deswegen muss die Kirche auch gleich zur Sache gehen und die Unmittelbarkeit des Geistes wahrnehmen. Sehr schön wird das an der Person des Petrus deutlich. Recht schnell hat er sein Tief überwunden. Der Tod Jesu war für ihn eine Katastrophe auf der ganzen Linie. Nicht nur sein persönliches Versagen war belastend. Seine ganze Vorstellung von dem verheißenen Messias wurde enttäuscht. Ein Messias, so war seine Vorstellung, der kommt mit Macht und Herrlichkeit. Der strahlt Autorität aus und Energie und hat Erfolg. Da ist kein Platz für Leiden und schon gar nicht für einen Tod am Kreuz. Die Ankündigung Jesu, „er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen“ (Mt 16,21), diese Ankündigung konnte Petrus nicht akzeptieren.

Der Evangelist Matthäus berichtet davon: „Da nahm Petrus Jesus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ (Mt 16, 22-23) Hier schon hat die Verleugnung des Petrus angefangen. Nach Ostern wendet sich der auferstandene Herr mit ganzer Liebe dem Petrus zu. Die dreifache Frage: „Petrus liebst du mich?“, die dreifache Antwort. „Ja, Herr, du weißt dass ich dich liebe.“ und der dreifache Auftrag: „Weide meine Schafe.“(vgl. Joh 21, 15 ff) – begründen noch einmal dieses neue und intensive Verhältnis zwischen Jesus und Petrus. Drei Mal Liebe und drei Mal Vertrauen. Einmal ist vielleicht nur daher gesagt. Aber an drei Mal kann man nicht mehr zweifeln. Aus dem Fischer ist ein Volksprediger geworden. Es ist nach den Berichten der Apostelgeschichte vor allen Dingen Petrus, der der Bote und der Verteidiger der Auferstehung ist. Die Herrlichkeit Jesu hat für ihn eine neue Bedeutung bekommen. Vollmundig tritt er für den Glauben ein: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was Recht ist.“ (Apg 19, 34f)

Es ist eine sehr offene Einladung zum Glauben. „Gott fürchten und tun was Recht ist“ – da liegt die Schwelle nicht sehr hoch. Und als ob der Heilige Geist Petrus beim Wort nimmt, geschieht dies: „Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen.“ (Apg 19, 44-46) Das Wirken des Geistes ist unmittelbar. Die Leute hören das Wort und ihre innere Zustimmung und Bereitschaft öffnet dem Geist den Raum der Herzen. Da wird nicht erst unterrichtet und geprüft. Wer vom Geist ergriffen ist, wer vom Geist geleitet Gott lobt und tut, was recht ist, der gehört dazu. Diese unmittelbare Geistesgegenwart hat Petrus wohl gespürt. Er ordnet an, die Leute zu taufen.

Die unmittelbare Gegenwart des Geistes ist für die Kirche heute eine Herausforderung. Zögerlichkeit und Abwarten ist die Sache dieses Geistes nicht.


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Dieser Beitrag wurde am 08.07.2014 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Lutz Nehk

Lutz Nehk (Jahrgang 1957) ist Pfarrer an der Katholischen Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg. Seit 2014 ist er zudem „Beauftragter des Erzbistums Berlin für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit“ und ist Mitarbeiter an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee. Kontakt
lutznehk@t-online.de

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