Wort zum Tage, 23.11.2022

Claudia Zinggl, Triefenstein

Glücks-Challenge

Zu ihrem Geburtstag hat Lisa von ihrer Freundin ein besonderes Geschenk erhalten: eine sogenannte „30-Tage-Challenge-Box“. Auf der beiliegenden Karte ist zu lesen:

„Damit wünsche ich dir nicht nur Glück, sondern ich fordere dich heraus, auch etwas für dein Glück zu tun. In dieser Box findest du viele gute Tipps dazu.“

Lisa hat sich bedankt, aber dieses Geschenk verursacht ihr eher Unbehagen. „Challenge“ bedeutet Herausforderung – sie mag diesen Ausdruck nicht. So vieles ist mittlerweile eine „Challenge“; darunter finden sich auch allerhand Banalitäten. Sie spürt, welchen Druck diese Karten auf sie ausüben.

Sie weiß es genau: Ihre Freundin wird fragen, wie sie mit den Aufgaben zurechtgekommen ist. Was soll sie dann antworten? - Nun gut, sie wird diese Herausforderung annehmen; zumindest einen Versuch ist es wert. Noch mit spitzen Fingern zieht sie die erste Karte. Die Aufgabe lautet:

„Entscheide dich für das Glücklich-Sein!“

Na ja, diesen Tag vertrauensvoll zu leben und dem Ärger keinen Raum zu geben, das ist schon zu schaffen – für den Anfang ist es zumindest ein kleines Glück. Diszipliniert arbeitet Lisa in den folgenden Wochen Karte für Karte ab. Darauf stehen Aufgaben wie: einen Offline-Tag einlegen, um stattdessen konkret etwas mit anderen zu unternehmen.

Oder: Einen Optimismus-Wortschatz entwickeln, denn wenn man positiv spricht – das prägt ja auch die Wahrnehmung und das Bewusstsein.

Nicht alles davon ist einfach umsetzbar. Besonders stolz ist sie auf ihre Glücks-Pinnwand. Auf eine der Anregungen hin, hat sie diese aufgehängt und darauf schon einige Glückserinnerungen angebracht: eine Kino-Karte, einen Notizzettel mit dem Zuspruch:

„Glücklich steht dir gut“,

ein Foto von der Bergwanderung, bei der sie es wider Erwarten bis zum Gipfel geschafft hat. Manchmal ist sie am Morgen richtig neugierig, was als Nächstes aus der „Glücks-Box“ kommt.

Lisa weiß, dass man in 30 Tagen nicht zu einem völlig glücklichen Menschen werden kann. Wichtig ist es, immer wieder anzufangen und Mut und Ausdauer zu behalten.

Als das Übungsprogramm in Sachen „Glück“ abgelaufen ist, lädt Lisa ihre Freundin ein. Ganz entspannt berichtet sie davon, was sie in den 30 Tagen mit sich selbst erlebt hat.

Kleine Veränderungen lassen sie ihren Alltag mit neuen Augen sehen. Vieles, was sie vorher oft als selbstverständlich genommen hat, das kann sie mittlerweile wertschätzen oder sogar genießen.

Für ihre Freundin hat Lisa nun auch eine Geschenk-Box. Nach dem Auspacken liest diese mit leuchtenden Augen den Titel:

„Schön, dass es dich gibt!“


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Dieser Beitrag wurde am 23.11.2022 gesendet.


Über die Autorin Claudia Zinggl

Kontakt: Würzburgerstr. 3, 97855 Triefenstein

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