Wort zum Tage, 13.09.2022

Wolfgang Drießen, Saarbrücken

Music for change

„Es muss doch irgendeinen Weg hier raus geben",

sagt der Narr zum Dieb.

„Es gibt so viel Durcheinander und ich kann keine Hilfe finden.

Das sind die ersten Zeilen von „All along the watchtower“, einem Song von Bob Dylan aus dem Jahr 1967. Da war Amerika gerade im Chaos des Vietnamkrieges versunken und Bob Dylan musste die körperlichen und seelischen Folgen eines Motorradunfalls verarbeiten.

Dementsprechend düster sind die Texte, die er in dieser Zeit schreibt. Und „All along the watchtower“ ist einer davon.

Da treffen sich zwei Außenseiter der Gesellschaft, der Narr und der Dieb und reden über den Weltuntergang. Und Bob Dylan spart im Text nicht mit düsteren Anspielungen.

Man merkt, er hat auch in der Bibel gelesen, den Propheten Jesaja und die Offenbarung des Johannes. Am Ende des Songs reiten zwei geheimnisvolle Männer auf uns zu und der Wind beginnt zu heulen. Sind das apokalyptische Reiter, die das Ende ankündigen?

Zarte Gemüter können da schon Gänsehaut bekommen. Und ich finde es ehrlich gesagt schon ein wenig unheimlich, wie aktuell die Zeilen seines Liedes heute, 55 Jahre nach ihrer Entstehung, immer noch oder schon wieder sind.

„Geschäftemacher trinken meinen Wein, Totengräber pflügen meinen Grund. Und niemand weiß, was wirklich wichtig ist, in dem weiten Erdenrund.“

So geht der Text weiter. Und der Dieb meint nur:

„Wir zwei sind durch damit. Lass uns aufhören mit dem ganzen Geschwätz. Es ist schon spät.“

Ist das Resignation? Wundern würde mich das nicht. Denn ehrlich gesagt, es würde schon passen. Ich selbst war noch nie so ratlos wie heute, wenn ich den Zustand der Welt betrachte.

Aber resignieren, die Schultern hängen lassen? Nicht wirklich! Eine Sache, die mir immer wieder dabei hilft, die Arme hoch zu reißen und den Kopf nicht hängen zu lassen, ist die Musik.

Auch die von „All along the watchtower“. Aber nicht in der sparsamen, düsteren Version von Bob Dylan. Jimi Hendrix hat den Song gecovert und weltberühmt gemacht. Bis heute.

Gerade jetzt habe ich eine tolle Liveaufnahme von der Tedeschi/Trucks Band gehört. Und deren Publikum ist der lebendige Beweis dafür, dass Musik eine Himmelsmacht sein kann, die hilft, zu leben.

Von Jimi Hendrix stammt übrigens der Satz:

„Wenn auf dieser Welt irgendwas verändert werden muss, dann kann das nur mit Hilfe der Musik möglich sein.“

Da ist wirklich was dran, gerade in düsteren Zeiten. 


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Dieser Beitrag wurde am 13.09.2022 gesendet.


Über den Autor Wolfgang Drießen

Wolfgang Drießen ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er beim SWF in Baden-Baden sowie im „Theologenkurs" (1984) im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Seit 1986 arbeitet Drießen in der Rundfunkarbeit des Bistums Trier in Saarbrücken, seit 1997 ist er der Rundfunkbeauftragte beim SR. In seinen Sendungen versucht er, Mut zum Leben zu geben und Gott als den zu suchen, in dessen Hand man sich fallen lassen kann, wenn es nötig ist.

Kontakt
(0681) 9068 241
rundfunkarbeit.sr@bistum-trier.de
  

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