Wort zum Tage, 12.09.2022

Wolfgang Drießen, Saarbrücken

Edith Stein

„Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott. Ob es ihm klar ist oder nicht.“

Eine Erkenntnis der Hl. Edith Stein. In meiner Nachbarschaft trägt die Kapelle der Hochschulgemeinde in Saarbrücken ihren Namen. Und ein paar Kilometer weiter ist Edith Stein in einer altehrwürdigen Kirche auf einem modernen Kirchenfenster abgebildet. Darauf sieht man sie als katholische Ordensfrau.

Der Weg dahin ist eine interessante Geschichte. Geboren wird sie nämlich 1891 in eine jüdische Familie. Deshalb ist auf dem Fenster auch ein siebenarmiger Leuchter zu sehen.

„Die kluge Edith“ nennt man sie schon als Kind. Später macht sie Abitur und studiert Philosophie. Denn Edith Stein ist eine Frau auf der Suche. Sie sucht die Wahrheit, was immer das auch sein mag. Sie wird eine anerkannte Wissenschaftlerin.

Eines Tages passiert etwas Ungewöhnliches. Edith Stein findet ihre Wahrheit. In einem Buch der Hl. Teresa von Avila. Diese Wahrheit ist für sie so endgültig, dass sie sich taufen lässt und katholisch wird.

Das Kreuz wird für sie ab jetzt das Symbol schlechthin sein. Als sie in ein Kloster eintritt, wählt sie deshalb auch als Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce – Teresia, die vom Kreuz Gesegnete.

Da hat sie nicht ahnen können, dass sie in ihrem Leben danach einen echten Kreuzweg gehen sollte. Als die Nazis an die Macht kommen verliert sie als Jüdin ihren Lehrauftrag. Später muss sie in ein Kloster in die Niederlande fliehen. Aber auch dort sind die Juden ab 1940 nicht mehr sicher.

Zwei Jahre später wird sie zusammen mit vielen anderen verhaftet. Sie wird am 9. August 1942, vor 80 Jahren, in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. 1998 wird sie von der katholischen Kirche heiliggesprochen.

„Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott. Ob es ihm klar ist oder nicht.

Ich glaube, jeder von uns sucht ja im Leben das, was sie oder ihn glücklich macht. Etwas, über das ich sagen kann: Dafür macht es Sinn zu leben und vielleicht sogar zu sterben. Edith Stein hatte sie gefunden. Deshalb kann sie bis heute ein Vorbild sein für Menschen, die auf der Suche sind.

Und jetzt verrate ich Ihnen noch was: Menschen, die wirklich gefunden haben, was sie im Leben gesucht haben, die kann man manchmal erkennen, wenn man genau hinschaut. Die leuchten nämlich von innen.

So wie die Hl. Edith Stein auf dem Kirchenfenster. Gerade als ich darunter stehe, scheint durch sie die Sonne.


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Dieser Beitrag wurde am 12.09.2022 gesendet.


Über den Autor Wolfgang Drießen

Wolfgang Drießen ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er beim SWF in Baden-Baden sowie im „Theologenkurs" (1984) im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Seit 1986 arbeitet Drießen in der Rundfunkarbeit des Bistums Trier in Saarbrücken, seit 1997 ist er der Rundfunkbeauftragte beim SR. In seinen Sendungen versucht er, Mut zum Leben zu geben und Gott als den zu suchen, in dessen Hand man sich fallen lassen kann, wenn es nötig ist.

Kontakt
(0681) 9068 241
rundfunkarbeit.sr@bistum-trier.de
  

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