Morgenandacht, 09.09.2022

Martin Korden, Bonn

Queen Elisabeth

Als gestern Abend gegen halb acht auf meinem Handy die Eilmeldung aufblinkte, dass Königin Elisabeth die Zweite gestorben ist, da war das einer dieser Momente, an denen man kurz innehält, weil man spürt, dieser Moment stellt eine Zäsur dar. Mit der Queen wird von nun an eine beständige Konstante, die gefühlt immer da war, fehlen.

Auch wenn nur sehr wenige Menschen Elisabeth der Zweiten in ihrem Leben begegnet sind, die allermeisten sie natürlich persönlich gar nicht kannten und gerade auch hierzulande ja niemand so wie die Briten von „unserer Königin“ sprechen kann, so wurde sie doch gerade auch bei uns wie eine verlässliche Größe wahrgenommen, die gut tat.

Gerade in einer Zeit der enormen Umbrüche, in der der Begriff von der Zeitenwende so oft gebraucht wird, wird das im Moment der Todesnachricht dieser Frau so deutlich.

Elisabeth die Zweite verkörperte für mich vor allem Ruhe und Zuversicht und damit Hoffnung. Ihre spürbare Besonnenheit, gerade angesichts vieler bedrückender Ereignisse auch in ihrem direkten Umfeld, ließ sie auf mich wie ein Fels wirken. Eine starke Persönlichkeit, die alleine durch ihre Präsenz die Fähigkeit hatte, zu beruhigen.

Was waren die Quellen, aus der Elisabeth die Zweite schöpfte, woher nahm sie ihre Kraft?

Der christliche Glaube gehörte sicher dazu. In einer Weihnachtsansprache bezeichnete sie den Glauben an Jesus Christus einmal als den Anker in ihrem Leben. Sie finde Trost in den Worten Jesu. Seine Lehre und das Wissen um ihre persönliche Rechenschaftspflicht vor Gott stellten für sie den Rahmen dar, in dem sie versuche, ihr Leben zu führen.

Rechenschaftspflicht und Pflichterfüllung – das sind Worte, die heutzutage eher zurückschrecken lassen. Noch dazu in einem religiösen Zusammenhang gesprochen wirkt es eher wie eine unnötige Last, von der es sich eher zu befreien gilt.

Doch gerade im Glauben an Gott bekommt das Wort von der Pflichterfüllung auch eine andere Dimension: Dann geht es um Hingabe – dann geht es um den ganzen Einsatz der eigenen Person und Fähigkeiten zum Wohl der anderen. Wer sein Leben unter dieser Prämisse führt, der spricht von Berufung und Dienen, so werden Herrscher und Hochgestellte nicht zu Unterdrückern des Volkes, sondern im Gegenteil zum Segen. 

Elisabeth die Zweite hat sich mit dieser Haltung über 70 Jahre lang scheinbar unermüdlich als Königin in den Dienst ihrer Nation gestellt.

Im Christentum gibt es ein bekanntes Gebet, das dem Heiligen Franziskus von Assisi zugeschrieben wird:

„Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens.“

Der zweite Teil des Gebetes erbittet die Kraft zur Hingabe, wie Elisabeth die Zweite sie für mich verkörpert hat. Gerade aufgrund ihres Glaubens finde ich es sehr gut möglich, dass sie diese Zeilen kannte und selbst betete, weil sie so gut zu ihr passten.

Darin heißt es:

„Herr, lass mich trachten,

nicht dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.“ 


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Dieser Beitrag wurde am 09.09.2022 gesendet.


Über den Autor Martin Korden

Martin Korden, geboren 1980 in Adenau, ist Beauftragter der Bischofskonferenz für Deutschlandradio. Eine erste Hörfunkausbildung erhielt er im Rahmen seines Wehrdienstes beim Truppenbetreuungssender „Radio Andernach“. Anschließend studierte er in Trier und Brixen Katholische Theologie. Es folgte das journalistische Volontariat bei der Katholischen Fernseharbeit und eine langjährige Tätigkeit für DOMRADIO.DE in Köln. Kontakt: m.korden@dbkradio.de

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