Feiertag, 21.08.2022

von Christopher Hoffmann, Neuwied

Migrant im Hintergrund – Mensch im Focus. Wie der Schauspieler Eugene Boateng für einen neuen Blick auf Afrika sorgt

"Borga": So nennen die Menschen in Ghana ihre Landsleute, die im Ausland leben. Ein "Borga" ist in der Vorstellung sehr wohlhabend – auch wenn das mit der Realität nicht immer übereinstimmt. Im gleichnamigen Film spielt Eugene Boateng einen "Borga". In der Realität ist er in Deutschland geboren und ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, den Menschen im Fokus zu haben – und nicht bloß seine Herkunft.

 

 

© Across Nations Filmverleih

„Ich würde sagen: Zu den Menschen sprechen ist meine Berufung. Dass ich zu den Menschen sprechen kann, aber auch für die Menschen sprechen kann, weil diese Ungerechtigkeit, die existiert ja immer noch. Dadurch nutze ich jetzt natürlich auch meine Kunst, sie zu inspirieren, damit sie hoffentlich noch weitere Möglichkeiten kreieren für uns alle.“

Die Berufung von Eugene Boateng. 2021 wurde der Deutsche mit ghanaischen Wurzeln für seine Hauptrolle im Film „Borga“ mit Preisen überschüttet. Er spielt darin den Afrikaner Kojo, der auf einer Elektroschrottdeponie in Accra, der Hauptstadt Ghanas aufwächst.

Dort fehlen ihm als junger Erwachsener Perspektiven und er träumt davon ein „Borga“ zu werden, also jemand, der es nach Europa schafft und dort durchstartet. Denn „Borga“ bedeutet nichts anderes als „reicher Onkel aus dem Ausland.“ Kojo bricht auf nach Deutschland und strandet nach einer gefährlichen Reise in Mannheim.

Doch das erhoffte Paradies findet er hier nicht – um seiner Familie finanziell dennoch helfen zu können, geht er auch kriminelle und lebensgefährliche Deals ein und schmuggelt Drogen zwischen Ghana und Deutschland.

Im Film „Borga“ stellt Eugene Boateng neben dem Drogenkurier und Migrant Kojo aber vor allem auch den Familienmensch Kojo, den Liebhaber Kojo, den Überlebenskämpfer Kojo überzeugend dar.

Die Saarbrücker Zeitung nannte Borga eine „Filmperle“, die „in der Debatte um westafrikanische Migration nach Europa überfällig“ sei. Und die taz findet der Film sei „ein Triumph für die Wahrnehmung nichtweißer Menschen.“

Acht Kinder, Zwei-Zimmerwohnung

Durch den Film „Borga“ bin auch ich auf Eugene aufmerksam geworden. Wir sind beide 1985 geboren, aber er ist ganz anders aufgewachsen als ich.

Seine Eltern kamen aus Ghana nach Deutschland, er ist im Rheinland geboren und dann in der Düsseldorfer Kiefernstraße groß geworden.  Einer Straße, wo Armut alltäglich ist. Mit sieben Geschwistern in einer Zwei-Zimmerwohnung – aber Eugene blickt vor allem dankbar auf diese Zeit:  

„Wir hatten kein eigenes Zimmer, meine Geschwister und ich haben in der Küche geschlafen, aber dadurch, dass du so wenig hast, schätzt du so viel. Je mehr man hat, umso größer ist die Gefahr von allem abgelenkt zu werden.

Wir hatten in der Kiefernstraße auch so einen Jugendtreff, Bewohnertreff hieß es, wir hatten so die ganzen Fahrten, sind dann für ein Wochenende in die Eifel gefahren. Und ich kann die Zeit mit Menschen schätzen und ich kann die Zeit mit meiner Familie schätzen und ich bin froh, wenn einfach jemand da ist, und ich glaube das hab ich viel von meiner Kindheit und aus meiner Zeit in der Kiefernstraße.“

Hip-Hop statt Medizinstudium

So bunt und berüchtigt die Düsseldorfer Kiefernstraße auch ist – bei Eugene Boateng zu Hause geht es diszipliniert zu. Sein Vater legt großen Wert auf gute Noten, will, dass sein Sohn Medizin studiert. Der hat aber ganz eigene Pläne: Nach seinem Abitur entdeckt er Hip-Hop für sich und beginnt mindestens 4 Stunden am Tag zu tanzen:

„Ich hab so einen Ghettoblaster genommen, bin damit nach oben in den Speicher, hab eine Schranktür gefunden auf dem Sperrmüll mit einem Spiegel dran. Ich hab dann trainiert, trainiert, trainiert, trainiert, trainiert! Um das Gefühl zu haben: Ich bin auf einem Punkt, wo ich mich zeigen kann.“

Und als er sich auf Tanzwettbewerben, so genannten Battles, zeigt, da gewinnt er. Immer wieder. Er wird erfolgreicher Tänzer. Eugene ist so talentiert, dass er sogar mit dem Weltstar Beyonce auf Tour geht und bei den Konzerten der Königin des R´n´B in der Vorgruppe auftreten darf. Es pusht ihn bis heute, wenn er irgendwo Beyonces „Halo“ hört:

„Das Krasse ist, jedes Mal, wenn sie diesen Song gespielt hat, bin ich durchgedreht, das war einfach mein Song, ich glaub das war einfach dieses (macht Rhythmen aus Song nach), das hat mich so angetrieben, weißte? Ich liebe das!“

Tanz – das bedeutet für Eugene Freiheit. Denn als Afrodeutscher erlebt er bis heute auch Alltagsrassismus. Dass Menschen mit Migrationshintergrund benachteiligt werden bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche, auf dem Schulhof, im Supermarkt. All das kennt er.

Wer bin ich?

Und deshalb ist es ihm enorm wichtig, dass er Rollen findet und Geschichten erzählt, die seine schwarze Community „upliften“, wie er es nennt – also etwas Ermutigendes, Erhebendes haben. Die den gängigen Klischees widersprechen und etwas in den Köpfen der Menschen bewegen. Denn als Kind hat er immer jemanden gesucht, mit dem er sich identifizieren konnte.

Im Fernsehen gab es aber nur negative Rollen, die von Schwarzen gespielt wurden: Und die waren dann auch noch eindimensional und stumpf erzählt, ohne die Geschichte hinter diesen Menschen zu beleuchten.

Schwarze Menschen in offiziellen Funktionen, akademischen Berufen oder Heldengestalten? Fehlanzeige! Deshalb ist es für ihn und seine Community ein besonderer Ritterschlag, aktuell einen Fernseh-Kommissar zu spielen. Eugene Boateng steht als Kriminalkommissar Antoine Haller für den ARD-Flensburg-Krimi vor der Kamera.

„Und ich merk so an den Reaktionen: Was? Eugene, du spielst einen Kommissar? What? Wir haben einen schwarzen Kommissar? Oh mein Gott. Und ich denk so: Krass! Aber ich wusste nicht, wie wichtig und wie groß das war und dass die Menschen auf mich zukommen und sagten: Ey, wir haben jetzt nen schwarzen Kommissar und ich dachte: oh wow! das ist sehr bedeutsam.“

Doch seinen bisher größten Erfolg feierte er eben mit dem Film „Borga“ als Hauptdarsteller und als Mit-Produzent – ein Film, der mir unter die Haut geht, weil er die Sehnsüchte und Träume jener Menschen zeigt, die aus Afrika hierher kommen.

Der Film macht in starken Bildern deutlich, unter welchem enormen finanziellen und familiären Druck Menschen aus Afrika oft stehen, die in Europa ihr Glück suchen. Sie müssen selbst erst einmal in der neuen Umgebung ankommen aber meist auch die Familie in ihrem Heimatland miternähren.

Eine riesige Verantwortung und ein Spagat. Diesen Spagat nicht von außen darzustellen, sondern die Träume, Enttäuschungen, Rückschläge und Hoffnungen jener Menschen ins Zentrum zu rücken, das ist Eugenes Vision von „Borga“. Auch, weil er diese Perspektive aus der eigenen Familienbiografie kennt:

„Zum einen ist es so für mich gefühlt die Geschichte meines Vaters, weil mein Vater auch hierhergekommen ist um seine Familie, sein eigenes Leben hier aufzubauen, zur selben Zeit seine Familie in Ghana zu unterstützen. Und: ‚Was sagst du zu Hause und was sagst du nicht‘, weil du den Druck hast: Bring Geld nach Hause und und und. Aber auch den Druck in Deutschland hast, hier Fuß zu fassen. Dadurch, dass der Film aus der ghanaischen Perspektive erzählt wurde, erzählen wir nicht die Geschichte von einem Flüchtling, sondern wir erzählen die Geschichte von einem Menschen.“

Wie entsteht Augenhöhe?

Große Teile von Borga wurden in der ghanaischen Amtssprache Twi gedreht und mit Untertiteln versehen – für Eugene Boateng ein Beispiel und Schlüssel, wie mehr Authentizität auf der Leinwand entsteht. Und wie sich auch ghanaische Zuschauer besser mit dem Inhalt des Films identifizieren können.

Mit Regisseur York-Fabian Raabe und Produzent Alexander Wadouh hat Eugene Boateng daher immer wieder gemeinsam genau darüber nachgedacht – wie kommen Menschen verschiedener Kulturen und Kontinente zusammen? Wie kann das universell Menschliche ausgedrückt werden. Wie entsteht Augenhöhe?

Denn er hat beim Dreh in Ghanas Hauptstadt Accra, genauer auf der Elektroschrottdeponie im Stadtteil Agbobloshie, eine spannende Beobachtung gemacht: Die Zustände, unter denen Menschen dort leben sind unhaltbar – die hochgiftigen Dämpfe aus den Bauteilen des Elektroschrotts, der dort illegal aus Europa eingeführt wird, gefährden Menschenleben.

Hier landen Fernseher, Kabel und alte Handys aus Europa, Gifte wie Arsen oder Quecksilber verseuchen den Boden. Die Protagonisten Kojo und seine Freunde werden vor dieser Kulisse aber nicht zu Objekten einer unabänderbar ungerechten Welt degradiert, sondern als Subjekte mit ihren individuellen Emotionen, mit ihren Talenten und Ressourcen gezeigt.

So entstehen gemeinsame universelle, menschliche Themen: Liebe, Angst, Identität, Heimat, Familie. Und so entsteht auch Nähe, die die Zuschauerinnen und Zuschauer zulassen können, wenn sie möchten:

„In meiner Vorbereitung hab ich Zeit dort verbracht und bin halt dort rein und hab die Jungs kennengelernt und hab mich da hingesetzt und mich einfach mit denen unterhalten und so und für mich war das dann nicht mehr ‚Ohhh, ein schlimmer Ort, und wie schlimm ist das und und und‘, sondern für mich war das einfach ein Ort, wo Menschen leben, die jeden Tag aufstehen, die sagen: Das will ich in meinem Leben erreichen, das will ich tun und das hab ich vor – d.h. Menschen, die aufstehen mit Sehnsüchten und Träumen , die alles tun für ihren Erfolg.

Und das Witzige ist so: Ich kenn das von Düsseldorf - Kiefernstraße dann in der Schule zu sein, während in der Schule die Kinder sagen: ‚Was, du wohnst auf der Kiefernstraße – oh mein Gott?!‘ Und dann bin ich in Ghana und dann sagt man: ‚Oh Gott, die Leute wohnen in Agbobloshie!‘ Und ich so: ‚Wow, Und das ist genau dasselbe!‘ […] Man sollte nicht auf mich runtergucken, weil ich in Agbobloshie lebe, sondern ich bin genauso Teil der Kultur wie ihr alle hier, die in Accra leben – und das ist jetzt meine Story und die erzähle ich euch.“

Mensch als Mensch im Fokus

Diese Augenhöhe im gemeinsamen Erzählen von Biografien zwischen Europäern und Afrikanern, die ist Eugene Boateng so wichtig, auch, weil er beide Kulturen, die ghanaische und die deutsche, in sich trägt. Er verbindet beide Länder und so auch beide Kontinente in seiner Person horizontal miteinander.

Aber ganz elementar ist für ihn auch eine vertikale Verbindung, wenn es für ihn um Mitmenschlichkeit geht: Die Vertikale zwischen Himmel und Erde. Denn Eugenes Menschenbild ist von seinem tiefen Glauben an Gott geprägt:

„Und dadurch, dass wir alle von Gott geschaffen sind nach dem Abbild Gottes bist du mein Nächster, also warum sollte ich dich als mehr oder weniger sehn, du bist ein Mensch so wie ich, und jetzt begegnen wir uns auf Augenhöhe und jetzt ist die Frage: Was bringst du zum Tisch und was bring ich an den Tisch? That´s it!“

Auch der Film Borga will dafür die Augen öffnen. Denn in Borga steht der Migrant im Hintergrund, der Mensch aber im Focus. Er erzählt von Liebe, von Träumen, von Sehnsucht. Vom Wert der Familie und wie hart es ist von ihr getrennt zu sein.

Und spannenderweise erzählt mir Eugene in einem Gespräch nach seiner Rückkehr von der Premieren- und Promoreise nach Ghana, dass der Film nicht nur die Kinobesucher in Deutschland, sondern auch in Ghana empathischer, achtsamer gemacht habe.

Zum Beispiel für den Druck, der auf den Familienmitgliedern lastet, weil der Film zeigt, wie schwer der Weg in Europa sein kann. Das war das Ziel. Neu und genauer hinsehen und so hier, wie da für bisher ungewohnte Blickwinkel sorgen. Und das hat Eugene Boateng mit „Borga“ nicht zum ersten Mal versucht.

Kurzfilm „Boat People“

In dem Kurzfilm „Boat People" aus dem Jahr 2015 spielte der damals 31-jährige den Familienvater Moussa aus Somalia. Moussa, flieht nach Europa, um eine Arbeit zu finden, damit er das Überleben seiner beiden Töchter Amalia und Sophia sichern kann.

Das Boot der Schlepper, mit dem er das Mittelmeer überquert, wird schiffbrüchig. Im Wasser treibend am Ende des Films nennt er mit jedem Schwimmzug, mit jedem Atemzug die Namen seiner in der Heimat zurückgebliebenen Töchter: Amalia, Sophia.

So endet das Werk von Regisseur Paul Meschuh – und es bleibt bei mir als Zuschauer nach 28 Minuten Film nicht nur der arme, schwarze, geflüchtete Moussa – sondern ich identifiziere mich mit dem Familienvater Moussa.

Für Eugene Boateng war dieser Kurzfilm 2015 auch eine Möglichkeit, der allgemeinen Nachrichtenlage, in der meist von „Flüchtlingswellen“, „Flüchtlingskrise“, Flüchtlingschaos“ die Rede war, eine individuelle Erzählung eines einzelnen Menschen entgegenzusetzen.

Das bedrückende Ende des Kurzfilms findet Eugene bis heute wichtig, da für viele Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer tödlich endet - allein im Jahr 2016, ein Jahr nachdem „Boat People“ erscheint, sterben über 5.000 Menschen im Mittelmeer – 5.000 Väter, Mütter, Kinder – 5.000 ganz persönliche Lebensgeschichten, die niemals unter dem zynischen Begriff einer Flüchtlingswelle subsumiert werden dürften.

Die Seenotrettung unterstützen und nicht kriminalisieren, Fluchtursachen und himmelschreiende Ungerechtigkeiten wie die in Abogbloshie nicht hinnehmen, sondern ändern, Lieferketten fair gestalten, damit sich die Lebensverhältnisse in Afrika verbessern und dafür sorgen, dass Menschen gar nicht mehr den gefährlichen Weg über das Mittelmeer riskieren müssen – das alles treibt auch Eugene Boateng um, darauf will er in seinen Filmen hinweisen.

Und dabei inmitten der großen Masse derjenigen, die aus Not, Konflikten und Armut aufbrechen müssen, immer den einzelnen Menschen sehen, immer das Abbild Gottes.

„Lerne, zu vergeben“

Der christliche Glaube ist für Eugene Boateng Grund und Antrieb für sein Engagement. Sein Leben mit seinen Talenten versteht er als Dienstleistung für andere. Mich fasziniert der starke Glaube von Eugene. Und ich frage ihn, wie er seine Spiritualität ganz praktisch im Alltag lebt, aus welchen Quellen er schöpft:

„Ich hab in meiner Morgenroutine auch die Bibel lesen eingebaut und dann lese ich das und denke WOW, und dann werde ich an Dinge erinnert und ich finde das wirklich, wirklich großartig. Und für mich ist zurzeit… die intensivsten Passagen sind: ‚Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und Gott sprach: Es werde Licht und es ward Licht.‘ Und wenn ich dann begreife: Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild. Und Jesus sagte: ‚Wenn dein Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn, kannst du Berge versetzen.‘ Wie viel Kraft hat ein Wort? Darüber sind wir uns selbst manchmal gar nicht bewusst, wenn wir Wörter einfach rausschmeißen, wenn wir doch begreifen, dass wir nach dem Abbild Gottes geschaffen wurden, und somit göttliche Wesen sind und somit ebenso die Macht haben mit Wörtern Dinge zu kreieren.“

Achtsam miteinander sein, in Worten und Taten, und sich immer wieder vergeben – das ist ein großes Thema von Eugene: In unserem Gespräch merke ich, wie eindringlich er wird, wenn es darum geht, immer wieder zu verzeihen:

„Jeder Augenblick zählt. Wenn du und ich ein Problem haben, sollten wir das einfach klären, weil keine Ahnung was morgen ist. Lass uns die Zeit nehmen heute, um darüber zu sprechen, denn es wäre schön, wenn ich morgen aufstehe und jemand anders vielleicht nicht, dass wir ein reines Herz haben und wissen: wir hatten einen schönen Abschied. Und ich hab auch in den letzten Jahren mitbekommen, wie weitere Familienmitglieder von uns gegangen sind und dann waren welche zerstritten. Und ich hab in den Augen der Person gesehen, wie sehr dieser Mensch gerade leidet, dass er nicht sagen konnten: ‚Es tut mir leid‘. Egal was passiert: Lern zu vergeben – am Ende des Tages lerne ich aber auch: wenn ich vergebe, heile ich mich selbst dadurch.“

Ich erlebe Eugene Boateng als jemand, der eine Lebensfreude und Kraft ausstrahlt, die ich selten in Gesprächen gespürt habe. Er sagt mir, dass er diese Kraft aus seinem Glauben zieht – ein Glaube, der ihn auch durch schwere Stunden getragen hat: Als er zwölf Jahre alt war, starb seine Mutter.

Das hat ihm gezeigt, wie kostbar das Leben hier auf der Erde ist. Sein Credo: „Jeder Augenblick zählt“ hat ganz wesentlich auch mit dieser Erfahrung zu tun. Und auch in der Trauer ist für ihn der christliche Glaube ein Anker. Ich frage Eugene, ob er an Auferstehung glaubt:

„Ich glaube 100% an ein Leben nach dem Tod. Ich weiß nicht genau, wie es funktioniert, wie das läuft. Das weiß ich nicht, ich glaube halt nur daran, oder ich spüre und nehme wahr, dass meine Mom mit mir ist.“

Eugene ist ein tiefgründiger Typ und zugleich immer lässig und lebensfroh. In der Begegnung mit dem Tänzer und Schauspieler spüre ich: Für ihn ist der christliche Glaube kein einengendes Korsett, sondern eine Plattform, auf der er frei leben, ja sogar tanzen kann.

Und auf der er nicht schauspielern muss, sondern alle seine Gefühle, auch seine Verletzlichkeit zeigen darf. Weil sie zum Menschsein dazugehört. Vor Gott so sein zu dürfen, wie man ist – das macht ihm Mut und so will er auch jenen Mut machen, die in unserer globalisierten und ungerechten Welt besonders verletzlich sind. Beschenkt von einem Gott, der die Liebe ist, will er diese Liebe weitergeben:

Ich glaube, das Ding ist, dass Gott einfach 24/7 am Start ist, er kennt jede Seite von mir. Nicht nur, dass ich meine verletzliche Seite zeigen darf, sondern ich glaube, dass Gott mich immer wieder daran erinnert, verletzlich zu sein. Und das ist so mein ständiges Wachstum, darauf zu vertrauen, dass ich begleitet werde und dass ich in guten Händen bin.“

Die redaktionelle Verantwortung für die Sendung hat. Martin Korden.

Musik:

Alex Aiono – Loved People

Beyoncé – Halo

Black History Project - Something Inside So Strong

Black History Project – Spirituals Medley

JP Cooper - Mommas prayers

Whitney Houston – I Love The Lord


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Dieser Beitrag wurde am 21.08.2022 gesendet.


Über den Autor Christopher Hoffmann

Christopher Hoffmann, geboren 1985 im Hunsrück, ist Pastoralreferent und Rundfunkbeauftragter bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR.  Nach dem Studium der Theologie in Trier und Freiburg und der Seelsorgeausbildung im Rheinland ist er aktuell in der Pastoral für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Raum Neuwied aktiv. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er am ifp in München. In seiner Freizeit liebt er Musik und singt seit vielen Jahren in verschiedenen Bands und Chören. Kontakt: christopher.hoffmann@bistum-trier.de

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