Wort zum Tage, 05.08.2022

Dietmar Kretz, Würzburg

Rating

Vor ihnen zittern Banken, Firmen und auch ganze Staaten. Vor den Rating-Agenturen. Denn von ihnen werden sie analysiert und bewertet. Gerade in der momentanen Krisenphase ist da viel Bewegung reingekommen.

Triple A steht für höchste Qualität und kein Kreditausfallrisiko. Bei B sind wir schon in der mittleren Qualität und mit D sind wir am Ende der Fahnenstange: Zahlungsunfähigkeit.

Der Standard wird nicht erfüllt. Ist das begehrte Triple A weg, wird es schwieriger, sich Geld zu leihen. Ein Abwärtsstrudel kann schnell beginnen. Was für ein Druck entsteht da.

Überall begegnen mir solche Bewertungen bzw. werde ich selbst aufgefordert, eine Bewertung abzugeben: Onlineportale für Hotels leben davon. Natürlich schaue ich auch bei der Auswahl für ein Restaurant auf die entsprechende Kennzahl oder die abgegebenen Kommentare.

Neulich wurde ich nach einem Gespräch in einer Telefonhotline dringend gebeten, eine gute Bewertung abzugeben, weil nur die Bestbewertung dem Mitarbeiter und seiner Familie hilft.

In vielen Beziehungen, Gemeinschaften und Gruppen gibt es auch solche versteckten Ratings: Die Triple A Kollegin, der einfach alles gelingt, mit der jeder gerne zusammenarbeitet.

Oder dieser Nachbar mit der D-Bewertung: eigentlich zahlungsunfähig - mit ihm will keiner etwas zu tun haben. Und der Sportfreund mit der B -Bewertung, bei dem ich nicht so genau weiß, wo ich dran bin.

Sicher - solche Ratings und Schubladen machen vielleicht einiges leichter. Es ist ja auch eine Vereinfachung, wenn ich nicht immer alle komplexen Facetten auf dem Schirm haben muss.

Doch es tut mir auch gut, wenn mein Kurs nicht gleich fällt, wenn ich einmal einen Fehler oder etwas Falsches gemacht habe. Klar geht es nicht um einen Freibrief, damit ich mir alles erlauben kann. Aber ich schätze solche großzügigen Menschen, die nicht alles auf die Goldwaage legen. Da wird Druck herausgenommen und es wird ein Stück leichter.

Bei Gott habe ich auch dann noch eine Bonität, wenn ich ganz unten bin oder von anderen vielleicht nur noch als Ramsch eingestuft werde. König David bringt das in einem Dankgebet in der Bibel auf den Punkt, wenn er betet:

„Du gibst mir den Schild deines Heils, und deine Rechte stärkt mich, und deine Huld macht mich groß.“

(Psalm 18,35)


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 05.08.2022 gesendet.


Über den Autor Dr. Dietmar Kretz

Dr. Dietmar Kretz, Jahrgang 1971, ist Studienleiter an der Domschule in Würzburg mit den Schwerpunkten Glauben und Kirche. Zuvor hat er Theologie und Mathematik studiert. Nach der theologischen Promotion war er in der  Gemeindepastoral tätig bis er in die Erwachsenenbildung gewechselt ist.

Kontakt: Am Bruderhof 1, 97070 Würzburg dietmar.kretz@domschule-wuerzburg.de

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche