Wort zum Tage, 04.08.2022

Dietmar Kretz, Würzburg

Freizeitstress

Heute Nachmittag geht es zum Schulfest. Morgen nach dem Betriebsausflug werden wir noch länger beim Absacker zusammensitzen, am Wochenende gehen wir wandern und dann ist noch die Geburtstagsfeier von einer lieben Freundin.

Alles für sich wunderschöne Dinge, aber insgesamt ganz schön stressig. Der „Freizeitstress“ nimmt ganz schön zu. Bei der Arbeit gehen wir ohnehin schon an die Grenzen, müssen hohe Flexibilität zeigen – und nun wird es auch in der Freizeit immer stressiger.

Ich habe den Eindruck, dass sich das in der aktuellen Corona-Entspannungsphase noch gesteigert hat. Gerade nach den langen Lockdowns sehnen sich die Menschen nach Aktivitäten. Wer weiß denn, wie lange es noch geht - bevor die nächste Welle über uns hereinbricht?

Ich spüre, mein Körper reagiert auch auf den Freizeitstress zunehmend mit Unruhe, Magenschmerzen und Schlaflosigkeit. Psychologen warnen davor, dass auch der Freizeitstress zu einem Burnout führen kann oder einen erheblichen Teil dazu beiträgt.

Eigentlich wollen wir uns ja entspannen in der Freizeit, der freien Zeit. Doch warum kippt diese eigentlich positive Zeit ins Negative? Was macht den Druck darin aus?

Ich glaube, ein Grund liegt darin, dass wir heute sehr viel davon mitbekommen, was andere erleben. Nicht nur in den sozialen Medien sehen wir zahlreiche Bilder, was andere so alles tun. Und dabei entsteht der Drang, ja nichts verpassen zu wollen.

Es gebe sogar regelrecht eine Angst, dass andere mehr Spaß haben könnten als man selbst, sagen die Psychologen. Und dabei geht etwas Wesentliches verloren: Der Genuss der Freizeit.

Nach dem sogenannten Freizeitmonitor trifft das alles auf eine Bevölkerungsgruppe nicht zu: Auf die Rentner. Doch das liegt nicht daran, dass Rentner aus dem Berufsleben raus sind. Es liegt an einer Haltung, die auf die Lebenserfahrung setzt:

„Ich muss nicht immer und überall dabei sein.“

Vielleicht kann ich gerade dieses „es ist genug“ von den Rentnern lernen.

Und auch von Gott kennt die Bibel dieses „es ist genug“. In der Schöpfungsgeschichte endet jeder Tag mit der Aussage: Gott sah, dass es gut war. Und am siebten Tag, setzt er nicht noch eins drauf, sondern Gott ruhte. Manchmal ist eben weniger mehr.


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Dieser Beitrag wurde am 04.08.2022 gesendet.


Über den Autor Dr. Dietmar Kretz

Dr. Dietmar Kretz, Jahrgang 1971, ist Studienleiter an der Domschule in Würzburg mit den Schwerpunkten Glauben und Kirche. Zuvor hat er Theologie und Mathematik studiert. Nach der theologischen Promotion war er in der  Gemeindepastoral tätig bis er in die Erwachsenenbildung gewechselt ist.

Kontakt: Am Bruderhof 1, 97070 Würzburg dietmar.kretz@domschule-wuerzburg.de

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