Wort zum Tage, 06.08.2022

Dietmar Kretz, Würzburg

Verklärung

An unserem Probewochenende mit unserem Bläser-Ensemble in Oberfranken wandern wir am Nachmittag zur Erholung auf den Staffelberg. Dieser sogenannte „Berg der Franken“ verdankt seine mystische Faszination unter anderem dem riesigen Hochplateau auf seinem Gipfel.

Das zog schon die alten Kelten an. Nach dem mühseligen Aufstieg stehen wir nun auch dort oben, werden vom heftigen Wind umblasen und genießen diese ewigweite Aussicht rundherum. Auf einmal rissen einige zeitgleich die Hände hoch, als ob sie die Welt umarmen wollten. Pure Schönheit ergreift uns.

Wir wollen gar nicht mehr gehen. Gerade in der Natur gibt es solche und ähnliche Erfahrung immer wieder: in den Bergen, im Wald, im duftenden Garten oder beim weiten Blick über das Meer. Gerade solche Erlebnisse wollen wir festhalten. Wir machen Bilder, um auch später noch etwas davon zu haben.

In der Bibel gibt es eine Geschichte, in der Jesus mit seinen engsten Jüngern auf einen Berg geht. Dort -so heißt es- wird er vor ihren Augen verwandelt: es wurde hell auf seinem Gesicht und seine Kleider wurden strahlend weiß.

Die Jünger werden davon ergriffen, weil sie auf einmal etwas klar sehen. Sie erkennen besser, wer dieser Jesus ist. In der Kirche bekam diese Geschichte ein eigenes Fest. Heute am 6. August wird an diese sogenannte „Verklärung des Herrn“ erinnert.

Die Jünger wollten diesen Durchblick auch gerne festhalten. Sie schlagen vor, auf dem Berg sogar drei Hütten zu bauen. Doch es geht wieder hinunter vom Berg. Denn Jesus befindet sich auf dem Weg nach Jerusalem, der an das Kreuz führt.

Zu unserem Leben gehört auch beides: Gipfelerlebnisse mit Perspektivenwechsel und einer klaren Sicht und die gewöhnlichen Wege im Alltag, von denen so manche auch mit Dunkelheit und Schmerz verbunden sind.

Solche Momente und Erfahrung von Schönheit wie auf dem Berg können aber eine Art innere Überzeugung stärken, dass bei allem Kummer und Leid am Ende doch das Gute und Schöne das letzte Wort haben wird.

Das sind dann Momente der Verklärung, in denen diese Wahrheit durchscheint. Und selbst wenn dieser Moment wieder vergeht, lässt man sich die dabei gewonnene Erkenntnis nicht mehr nehmen, weil sie so stark erfahren wurde.

Momente der Verklärung wie auf dem Berg – wir zehren von Ihnen, weil sie so viel Kraft schenken.


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Dieser Beitrag wurde am 06.08.2022 gesendet.


Über den Autor Dr. Dietmar Kretz

Dr. Dietmar Kretz, Jahrgang 1971, ist Studienleiter an der Domschule in Würzburg mit den Schwerpunkten Glauben und Kirche. Zuvor hat er Theologie und Mathematik studiert. Nach der theologischen Promotion war er in der  Gemeindepastoral tätig bis er in die Erwachsenenbildung gewechselt ist.

Kontakt: Am Bruderhof 1, 97070 Würzburg dietmar.kretz@domschule-wuerzburg.de

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