Wort zum Tage, 21.07.2022

Vikar Jürgen Wolff, Magdeburg

Gottesbeweis

Kinder sind die besten Theologen! Das wurde mir kürzlich in meinen Religionsunterricht der vierten Klasse wieder sonnenklar! Auf meine Frage hin, wie wir etwas über Gott herausfinden können, meldete sich ein Schüler und legte mir und der versammelten Klasse folgendes dar:

„Gott zu beweisen ist einfach!“,

so der Kleine. Er würde es wie die DREI FRAGEZEICHEN machen.

Und in das zustimmend-beeindruckte Geraune der Klasse hinein höre ich mich fragen: „Du würdest ihm also auflauern, dann fotografieren und ihn so dingfest machen?“

„Nein!!!“, kommt es prompt zurück. „Das ist doch unprofessionell! So arbeiten die DREI FRAGEZEICHEN nicht.“ Und der Junge legt nach:

„Natürlich wäre es am einfachsten, man könnte Gott fotografieren. Aber Gott ist unsichtbar, den kann man nicht fotografieren. Aber es gibt zwei Möglichkeiten, etwas über Gott herauszufinden: Man kann Zeugen befragen! Menschen, die schon Erfahrungen mit Gott gemacht haben und an ihn glauben.“

„Schwierig“, höre ich mich nachdenklich sagen …

„Nein!“, kommt es völlig überzeugt zurück. „Von denen steht ja viel in der Bibel, jedenfalls sagen Sie das immer! Und das sind doch viele Zeugenaussagen …“

Und beschämt lenke ich ab: „Und die zweite Möglichkeit?“

„Die ist das, was die DREI FRAGEZEICHEN immer bei einem neuen Fall machen! Sie denken nach!“

„Aha? Und worüber?“, frage ich gespannt. „Also“, höre ich den Junior-Detektiv sagen:

„Man kann über Gott nachdenken und so etwas über IHN herausfinden! Denn wenn es Gott gibt, gibt es ihn nur einmal! Und wenn Gott das Größte ist, was man denken kann, dann kann es das doch nur EINMAL geben; sonst wäre es ja nicht das Größte.“

„Verstehe“, unterbreche ich reflexartig. „Und das reicht?“ „Nein“, kommt es zurück.

„Wenn es keine Beweise gibt, dann muss man nach Indizien suchen, nach Hinweisen auf GOTT! Und wenn man viele Indizien findet, dann machen die zusammen es doch sehr wahrscheinlich, dass es GOTT gibt.“

„OK“, frage ich beeindruckt. „Und wie sieht so ein Indizienbeweis aus?“ „Etwa so“, führt der Junge aus:

„Die Welt ist schön! Sie hat Regeln! Jedes Jahr kommt der Frühling; alle Menschen sind erst Kinder, dann sind sie alt; ein Apfelbaum hat immer Äpfel, nie Birnen! Und so gilt: Irgendjemand muss die Welt ja so schön gemacht und die Regeln aufgestellt haben! Und DAS ist Gott!“

„Das sind aber keine echten Beweise für Gott?“, gebe ich retour.

„Natürlich nicht! Es sind Indizien! Aber wenn ich darüber gründlich nachdenke, dann spricht doch vieles dafür, dass es Gott gibt!“,

sprach’s und sonnte sich in der allgemeinen Bewunderung seiner Klasse.
Und in meiner auch!


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Dieser Beitrag wurde am 21.07.2022 gesendet.


Über den Autor Vikar Jürgen Wolff

Vikar Dr. Juergen A. Wolff wurde 1971 in Birkesdorf/Düren geboren. Nach seiner Ausbildung in Deutschland und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in England hat er über zwanzig Jahre im In- und Ausland in der Finanzbranche gearbeitet; davon die meiste Zeit in China. Im Rahmen seiner Promotion in England entschied er sich Theologie zu studieren und seiner Berufung zu folgen, Priester zu werden. Nach dem Abschluss des Theologiestudiums in Erfurt begann er 2018 seine pastorale Ausbildung im Bistum Magdeburg, wo er nach seiner Priesterweihe 2020 als Vikar an der Kathedrale wirkt.
Permanent Horizonte zu erweitern, ist sein Bestreben; Energie und neue Anstöße findet Vikar Wolff durch die Literatur und in der klassischen Musik – besonders in den Werken Händels.

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