Gottesdienst am 13. Sonntag im Jahreskreis

aus der Pfarrkirche Herz Jesu in Bad Kissingen

Predigt von Pfarrer Gerd Greier

Liebe Schwestern und Brüder!

„Nachfolger gesucht!“

Ob über Internet, Anzeigen in Zeitungen, auf Plakaten: Immer wieder werden Nachfolger gesucht: fürs Unternehmen, für den Laden oder ein Gasthaus; Nachfolger für einen Vorstand eines Vereins...

“Nachfolger gesucht!“ Darum ging es auch in der heutigen Lesung: einen für den großen Propheten Elija. Gott, der Herr, hat ihn gesucht:

„Salbe Elischa zum Propheten an deiner Stelle!“

Eindrucksvoll wird es uns geschildert: Im Vorbeigehen wirft Elija seinen Mantel über Elischa - und Elischa versteht sofort die tiefe Symbolik des Mantels, lässt alles stehen und liegen, verabschiedet sich mit einem Essen von seiner Familie und seinen Leuten - folgte Elija und trat in seinen Dienst: Nachfolger erfolgreich gefunden.

Im Evangelium läuft es noch viel besser: von zweien haben wir gehört, die selber Jesus von sich aus ansprechen und ihm nachfolgen wollen: besser kann es doch gar nicht laufen; ein anderer wird von Jesus angesprochen:

„Folge mir nach!“

Und Jesus?

Wir hören von ihm mehr Abwerbendes, ja fast abschreckend; echt erschreckend: so unmenschlich, unchristlich:

„Der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“

Ihm nachfolgen heißt also: kein Zuhause mehr haben, kein Dach über dem Kopf, keine Sicherheiten, heimatlos sein. 

„Lass die Toten ihre Toten begraben!“

So ein Satz zu jemanden, wo gerade der Vater gestorben ist. Geht's noch? Und das von Jesus!

„Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“

Nicht einmal mehr Abschiednehmen können, also einfach weg ohne Tschüss, Ade, „auf Wiederseh'n“ zu sagen? Elischa durfte sich wenigstens noch richtig von seiner Familie und von den Seinen verabschieden. 

Was ist da bitte in Jesus gefahren?

Der Anfang der Erzählung des heutigen Evangeliums zeigt uns klar und deutlich: Jesus will uns Menschen nichts Böses!

Er weist seine Jünger Jakobus und Johannes zurecht, die voller Enttäuschung und Wut am liebsten Feuer vom Himmel fallen lassen wollten über das Dorf der Samariter, weil sie Jesus nicht aufnehmen und ihm keine Unterkunft geben wollten.

„Und sie gingen in ein anderes Dorf.“

Jesus geht einfach seinen Weg weiter; nichts hält ihn auf, nichts bringt ihn davon weg: keine äußeren widrigen Umstände und auch keine innerlichen Gefühle wie Enttäuschung, Resignation und schon gar nicht Wut.

Das „Reich Gottes“ treibt Jesus an; es ist nahe, nicht erst irgendwann in der Ewigkeit; der Himmel soll im hier und jetzt und heute über alle aufgehen und auf alle übergehen.

Die folgenden Begegnungen mit Menschen, die uns nicht mit Namen überliefert werden, können wir vielleicht so für uns verstehen:

„Der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“

Jesus geht es da nicht darum, dass wir kein Zuhause mehr haben, keinen Ort zum Ausruhen oder sich zurückziehen. Er selbst lebte ja von Menschen, die ihm in ihrem Haus Gastfreundschaft gewährten, zum Ausruhen; oder auch nicht - wie heute.

Ich denke, Jesus will deutlich machen: Lass dich auf Neues ein; dazu gehört auch Sicherheiten, Gewohnheiten und Eingefahrenes aufzugeben. Entdecke Gott und Gottes Spuren auf dem Weg, um dich herum, in der Welt. Gott kann man nicht zu domestizieren, auch nicht Gottes Reich und auch nicht unser Leben.

Mit dem Satz „lass die Toten ihre Toten begraben“ geht es weniger um die würdige Verabschiedung und Beerdigung eines Verstorbenen. Und Trauer, die dazugehört, darf auch sein. Auch Jesus weinte um seinen toten Freund Lazarus. „Tote bestatten“ und „Trauernde trösten“ gehört doch zu den christlichen Werken der Barmherzigkeit.

Ich denke, Jesus will uns wachsam machen für: Wo sind da Menschen, die einem toten Konzept hinterhertrauern; die wieder was beleben wollen, was vergangen und vorbei ist; etwas, was vielleicht gar nicht dem Leben gedient hat. Mach' da nicht mit!

Schaue dich um, was gerade los ist um dich herum und in der Welt; was braucht es jetzt und was nicht, was hilft und dient dem Leben, dem Frieden, der Gerechtigkeit.

Baue selber ganz lebendig-hoffnungsvoll mit aufgeweckten Lebendigen am Reich Gottes.

„Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“

In diesem klaren Bildwort Jesu hat er sicher nichts dagegen, sich gut von den Seinen zu verabschieden, wenn ein neuer Aufbruch angesagt ist.

In diesem Bild ist ja logisch, dass ich nur gut pflügen kann, wenn ich geistesgegenwärtig, konzentriert den nächsten Schritt vor Augen habe. Wenn ich nur zurückschaue, wird das nichts.

Ich denke Jesus will uns damit sagen: Bleibe nicht in der Vergangenheit hängen; trauere nicht der angeblich „guten alten Zeit“ hinterher; bleibe nicht durch Enttäuschungen in Resignation stecken, auch nicht Wut.

Sei im hier und jetzt und tue geistesgegenwärtig was in deiner Hand liegt - im Blick auf was Großes und Großartiges: auch in diesem Bild: einen Acker pflügen, die Erde auf und umbrechen, dass da was Neues gesät und wachsen kann. 

„Nachfolger gesucht!“

Jesus hat sie nicht nur damals gesucht, sondern auch heute. Er wirft seinen Mantel auf uns. Ihm Nachfolgen heißt auf das Leben zu setzen. Das meint doch auch Gottes Reich: das Leben bricht an, es soll über alle aufgehen: das Leben in Fülle.

Und Gott traut mir diesen Aufbruch zu. Jeden Tag. Und wir dürfen auf ihn an unserer Seite vertrauen. Er geht mit.

Ich sage es mal so, mit den Worten von Frère Roger, dem Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé:

„Lebe, was du vom Evangelium begriffen hast, und sei es noch so wenig. Aber lebe es!“


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Dieser Beitrag wurde am 26.06.2022 gesendet.





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