Gottesdienst an Fronleichnam

aus der Kapelle der Schwestern vom armen Kinde Jesus, Aachen

Predigt von Generalvikar Andreas Frick

Unterbrochen durch GL 497,1+2+7: Gottheit tief verborgen
T: Thomas von Aquin „Adoro te devote“ 1263/64, M: Frankreich 17./18. Jh.

Priester

Liebe Hörerinnen und Hörer hier in der Kapelle und wo immer Sie jetzt zugeschaltet sind, liebe Schwestern und Brüder!

Aachen gehörte über Jahrhunderte hinweg zum Bistum Lüttich. Und von Lüttich aus hat im 13. Jahrhundert eine Tradition begonnen, die wir in der jährlichen Fronleichnamstradition bis heute fortsetzen – und das weltweit! Die Feier der Gegenwart Jesu in der bleibenden Gestalt des Brotes.

Als das Fest entstand, ging es darum, das Geschenk der Gegenwart Jesu, wie es beim Abendmahl von Jesus eingesetzt wurde, mehr ins Bewusstsein zu bringen: Jesus ist da und er bleibt da. Und seine Gegenwart will nur deutlich machen: Lieben heißt sich verschenken, wie Brot, das man verteilt, um andere zu ernähren. Denn der Mensch lebt von Brot und Liebe und auch von jedem guten Wort.

Wie an vielen Orten wird heute auch im Aachener Stadtzentrum, wenige Meter von dieser Kapelle entfernt, auf einem öffentlichen Platz, neben einem Altenheim und direkt neben zwei Schwesternkonventen, Gottesdienst gefeiert. Und wenigstens durch ein paar Straßenzüge ziehen Beterinnen und Beter, Messdienerinnen und Messdiener, Studierende, Mitglieder verschiedener muttersprachlicher Gemeinden, auch unter Beteiligung von Ordensschwestern und dem Domkapitel, anschließend betend und singend, um im Dom den Schlusssegen zu empfangen.

Die Domorgel wird laut und feierlich beim Einzug in den Dom erklingen. Und inmitten dieser Demonstration des Glaubens: die Monstranz mit dem allerheiligsten Sakrament des Altares.

Viele Zeitgenossinnen und -genossen hierzulande tun sich schwer mit dem Fronleichnamsfest, mit dem Fest vom Herrenleib. Zuviel Brimborium. Und doch zeigt sich hier etwas, von christlicher Umwertung der Werte: Das Einfache ist gerade das Besondere. So jedenfalls erschließt sich die besondere Verehrung des Leibes Christi, der Eucharistie, einer besonderen Frau, die hier in Aachen gelebt und gewirkt hat: Schwester Clara Fey.

Sie wurde am 5. Mai 2018 hier in Aachen selig gesprochen. Sie kannte, wie viele Christen anderer Generationen, persönlich starke und glückliche Hoffnung, sie kannte große Bedrängnis und heftige Missachtung, sie hat reichlich vorzeigbare Erfolge gehabt und schmerzliche Niederlagen erlitten. Der Halt ihres Lebens allerdings war offensichtlich Christus, an den sie sich immer neu und immer enger gebunden hat. So wurde sie Schwester und Lehrerin, entwickelte sich als wirklich „gute Hirtin“ für Kinder.

Denn im 19. Jahrhundert waren viele Kinder der fortschreitenden Industrialisierung wehrlos ausgesetzt. Kinder und besonders Mädchen brauchten einen besonderen Schutz. Das Tempo und die Bedingungen in der frühen Industrialisierung waren so, dass Kinder leicht „unter die Räder kamen“, dass sie schlecht versorgt waren, ausgebeutet oder missbraucht wurden. Clara Fey brauchte selbst viel Mut und Vergewisserung, um entschlossen für Kinderrechte einzutreten.

Gerade zu ihrer Zeit waren im Kulturkampf handfest-helfende katholische Ordensfrauen in Preußen nicht mehr willkommen und wurden ausgewiesen. Clara Fey erwarb sich durch ihren Einsatz allerdings große Anerkennung. Woher nahm sie Kraft und Mut; so frage ich mich?

Offenbar fand Clara Fey Halt im Gebet. So gehörte zu ihrer christlichen Nachfolge der tägliche Besuch der Heiligen Messe, zu ihrer Frömmigkeit gehörte die tägliche Anbetung Jesu im „Sakrament des Altares“, in seiner Gegenwart in Monstranz und Tabernakel. Davon hat sie den Kindern erzählt, dazu hat sie ihre Freundinnen und Mitschwestern angeleitet. Sie hat es unermüdlich gepflegt, das Gebet und so selbst die Gegenwart Jesu erfahren.

Von ihr kann man sagen, was ein altes Lied über die Verehrung der Eucharistie besingt:

Orgel / Gemeinde

Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir. Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier. Sieh, mit ganzem Herzen schenk ich dir mich hin, weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin.

 

Priester

Clara Fey hat zur Eucharistie einige bemerkenswerte Sätze hinterlassen. Sie schreibt: 

Sr. Petra

„Das Sakrament des Altares ist ein Sakrament des Glaubens, ein Sakrament der Hoffnung, ein Sakrament der Liebe. Als Sakrament des Glaubens schließt es in sich alle Geheimnisse unserer Religion. Als Sakrament der Hoffnung enthält es alle Verheißungen zur Sündenvergebung, alle Gnaden und die ewige Seligkeit. Als Sakrament der Liebe offenbart es den Beweis der höchsten Liebe, ja, es ist der höchste Beweis einer Liebe, die man gar nicht aussprechen kann“.

(Konferenz 13. Juni 1852)

 

Priester

Glaube, Hoffnung und Liebe. Gerade in Bezug auf die Hoffnung lässt sich sagen: Wer Hoffnung sät, wer zu rechten Zeit das richtige Wort hat, voller Wahrheit und Leben, der tut einen Dienst an Leib und Seele, der so lebensnotwendig ist, wie ein Glas frisches und sauberes Wasser und ein Brot, wenn Menschen schwindelig wird vor Hunger und Durst. So betet Clara Fey mit Worten aus dem alttestamentarischen Buch der Weisheit, so meditiert sie über die heilende Kraft der wirklichen Gegenwart von Jesus:

 

Sr. Petra

„... Du gabst Ihnen Brot vom Himmel, das jeden Genuss gewährte und jedem Geschmack entsprach“

(Weisheit 16,20)

„Ja, wahrlich, dieses Brot enthält Wohlgeschmack nach eines jeden Wunsche, es enthält Sättigung für jedes Verlangen. – Bist du mit Sünden beladen: tritt hin zu diesem Brot und empfange das Lamm, das der Welt Sünden trägt, auch die deinen wird es wegnehmen. Fühlst du dich schwach: freue dich deiner Schwachheit, und empfange das Brot, das des Menschen Herz stärkt, damit die Kraft Christi an dir offenbar werde. Beunruhigen dich Stürme, schwere Versuchungen und Anfechtungen: geh und nimm denjenigen auf in das Schiff deiner See, auf dessen Wort Sturm und Wellen sich legen. Bist du traurig und mit vielem Leid beladen: empfange denjenigen, der für dich das schwere Kreuz getragen... und deine Bürde auf sich nimmt. Wünschst du endlich dich zu freuen... so gehe und verkoste dieses Brot, lass den Auferstandenen ein in deine Seele, und dein Geist frohlocke in Gott, deinem Heiland. Du gabst Ihnen Brot vom Himmel... Gepriesen sei die Barmherzigkeit unseres Gottes durch die Ewigkeit der Ewigkeiten“.

(Betrachtungen III, s. 212)

 

Orgel / Gemeinde

Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann. 

 

Priester

Clara Fey war überzeugt: Wir können mit Jesus immer sprechen, nicht nur in einer Kirche, nicht nur im Gottesdienst. Die Erinnerung und Vorstellung an besondere Orte des Gebetes helfen uns gegebenenfalls sehr; sie kann die Sehnsucht wecken und dann sind wir „ganz dabei“. So beschreibt Clara Fey in der Sprache ihrer Zeit und aus ihrer eucharistischen Frömmigkeit:

 

Sr. Petra

„Auf dem Altar, in dem Tabernakel ist unser Herr und Heiland wahrhaft zugegen mit allen Schätzen seines Lebens und Leidens. Alles, was der barmherzige Herr für uns getan und gelitten, von dem Augenblick seiner Menschwerdung an bis zu seinem letzten Atemzug am Kreuze, von der Krippe bis zu seinem blutigen Tod, all sein Gebet, all seine Wunderwerke, all seine Wunden, all sein vergossenes Blut, jeder Schlag seines liebenden Herzens, alles, alles er selbst ist auf dem Altare gegenwärtig für uns, aus reiner Liebe zu uns. Das glauben wir.

Wenn nun dieser Glaube recht lebendig ist, muss dann nicht unser Herz beständig dem Tabernakel zugewendet sein nah den Worten: ‘Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz!‘ Seit der Einsetzung des heiligsten Sakramentes ist der Herr wirklich unter uns zugegen und wird gegenwärtig im Herzen, das ihn empfängt. Wer dies lebendig glaubt, der wird dem Herrn seine Liebe erwidern müssen, der wird beständig nach dem Herrn verlangen, der wird alles andere verachten müssen, was nicht der Herr ist.“

 

Orgel / Gemeinde

Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht, stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht: lass die Schleier fallen einst in deinem Licht, dass ich selig schaue, Herr, dein Angesicht.

 

Priester

Damit ein letzter Gedanke, aus einem der Lieblingsstücke von Clara Fey, aus dem Johannes-Evangelium, aus dessen 15. Kapitel auch das Motto der Ordensgemeinschaft stammt: „Manete in me!“ - „Bleibt in mir!“

 

Sr. Petra

„Wer mein Fleisch isst, sagt der Herr, wird leben durch mich“. Durch die Heilige Kommunion sind wir so eng mit dem Herrn verbunden, dass wir ein Leib werden mit ihm. Wir sind alle Glieder eines Leibes und Christus ist das Haupt. Durch die Heilige Kommunion sind wir ganz eng mit dem Herrn verbunden - so wie die Rebe mit dem Weinstock.

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Der Apostel Johannes sagt uns: wer sagt, dass er in Christus bleibt, muss auch leben, wie er gelebt hat. Er muss lieben, was Christus liebt, hassen, was Christus hasst... Herr, mach mit uns, was du willst. Führe uns, wohin du willst. Lass uns Dir folgen. Wir bitten nur um eine Gnade: Lass uns in dir bleiben. Lass uns nie von dir getrennt werden.“

 

Priester

Liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Schwestern und Brüder, Clara Fey hat in der Verehrung der Eucharistie, dem Leib Christi, ihren Zugang gefunden zu Gott. Und ich würde sagen: Es gibt viele Formen des Gebets und der Anbetung, der Beziehung zu Gott. Sie alle haben ihre Wurzeln und ihr Ziel in Gott. Wichtig dabei ist allerdings immer das „Jetzt“ seiner Liebe.

Denn Gottes Liebe ist immer gegenwärtig. Sie hört niemals auf. Das ist für mich der rote Faden und der Grund zur Hoffnung, die genauso wichtig und stärkend ist, wie das tägliche Brot. Fronleichnam ist das Fest der bleibenden Liebe Gottes unter den Menschen: Eigentlich ein Grund, immer wieder Eucharistie zu feiern.


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Dieser Beitrag wurde am 16.06.2022 gesendet.


Über den Autor Dominik Frey

Dominik Frey, geboren 1968 in Überlingen am Bodensee, ist Pastoralreferent und Rundfunkbeauftragter der Erzdiözese Freiburg beim SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Dublin hat er sechs Jahre in einer Musikschule als Saxofonlehrer gearbeitet. Außerdem war er Dirigent und mit Bandleader. Während der Ausbildung zum Pastoralreferenten wurde er Autor für SWR3 und hat die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Dominik Frey fährt gerne Motorrad, liebt Snowboarden und Geocaching und natürlich seine Frau und seine beiden Jungs. Er lebt in Baden-Baden.

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