Morgenandacht, 04.06.2022

Martin Korden, Bonn

Pfingsten: Wenn es brennt …

Morgen ist Pfingsten. Es dürfte wohl das christliche Fest sein, bei dem die Wenigsten sagen können, was da gefeiert wird. Und selbst die, die wissen, dass es dabei um den Heiligen Geist geht, sind damit nicht automatisch schon schlauer.

Der Heilige Geist – im christlichen Glaubensbekenntnis ist er die dritte göttliche Person. Gott ist demnach Vater, Sohn Jesus Christus und eben jener Heiliger Geist. An Pfingsten sollen die Jünger Jesu diesen Geist empfangen haben.

Es war der Fünfzigste Tag nach Ostern, nach dem rätselhaften Ereignis der Auferstehung Jesu. Die Jünger hatten sich, so berichtet es die Bibel, ratlos und ängstlich zurückgezogen. Die Geisterfahrung an Pfingsten muss sie dann im verschlossenen Saal förmlich überrannt und herausgetrieben haben: Sie empfingen eine plötzliche Klarheit, eine neue Kraft, einen göttlichen Beistand.

Ich erinnere mich an ein Bilderbuch aus meiner Kindheit, in dem Pfingsten dargestellt war. Da schwebte über jedem Kopf der Jünger eine Flamme. Für mich war Pfingsten darum von klein auf das Fest mit dem Feuer über dem Kopf.

Heute würde ich sagen, das trifft es. Denn egal, wie man sich das Ereignis auch vorstellen mag, eines kann man heute sicher sagen. Es war der Geburtstag der Kirche.

Vom Pfingsterlebnis an brachen die Jünger auf in alle damals bekannte Welt und gründeten christliche Gemeinden. Sie müssen etwas erfahren haben, dass ihnen nicht nur Feuer unter dem Hintern machte sondern für das sie selbst auch Feuer und Flamme waren und womit es ihnen gelang, den Funken überspringen zu lassen.

Ihre Botschaft war dabei noch kein ausgefeiltes Glaubensbekenntnis, erst recht keine Sammlung von Ge- oder Verboten sondern allein die Überzeugung:
Wir haben jemanden vom Tod auferstehen sehen.

Jesus von Nazareth: Dieser Jesus muss von Gott gesandt sein, durch ihn wissen wir, dass die Welt und das Leben darin unter den Vorzeichen eines gütigen Gottes stehen muss. Eines Gottes, dem der Mensch nicht egal ist, der ihm eine Zukunft über das irdische Leben hinaus eröffnet, und der sich in eben diesem Jesus zu erkennen gegeben hat.

„Wir haben gefunden,“

lautete darum die einfache Antwort der Jünger, auf den Grund ihres Aufbruchs. Das musste gesagt werden, die Bekanntschaft mit diesem Jesus vermittelt werden – und zwar aller Welt.

Und die frühen Christen hatten Erfolg, schon wenige Jahrzehnte später gab es eine nachweisbar große christliche Gemeinde in Rom, die das römische Reich durcheinander brachte mit ihrem -wie es damals hieß- „Neuen Weg“.

In dir muss brennen, was du in anderen entfachen willst. Dieses altbekannte Sprichwort passt gut zu Pfingsten. Darum ist das Bild von den Flammen auf den Köpfen so stimmig.

Entscheidend war, dass die Jünger ihrer pfingstlichen Gotteserfahrung trauten. Ihr Aufbruch war dann so etwas wie der Belastungstest: Wird sich mein Glaube als wahr erweisen, kann er mein Leben tragen? Erst durch das Gehen im Glauben kann man das beantworten, hinter dem Trauen verbirgt sich das Schauen. 

Was sagt also Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes?

Es sagt: Schenke dem Bedeutung, wofür du brennst. Womöglich verbirgt sich dahinter die Gotteserfahrung, das Locken des Geistes Gottes, der dich herausführen will.

Für die Kirche bedeutet es heute mehr denn je, dass ihre Repräsentanten und ihre Gläubigen aus der eigenen Gotteserfahrung leben müssen, so, dass es für andere verlockend erscheint, selbst Gott begegnen zu wollen. Wer im Zusammenhang mit Kirche nicht wenigstens im Ansatz eine Gotteserfahrung macht, wird kaum noch dazugehören wollen.

Darum kann die Kirche noch so viele Strukturveränderungen angehen, wenn jemand nicht vom Feuer des Geistes Gottes gepackt wird, ihm das Herz nicht aufgeht oder er oder sie nicht ins Staunen gerät, ist es umsonst.

Wenn aber der Funke überspringt, dann ist er nicht mehr so leicht zu löschen.


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Dieser Beitrag wurde am 04.06.2022 gesendet.


Über den Autor Martin Korden

Martin Korden, geboren 1980 in Adenau, ist Beauftragter der Bischofskonferenz für Deutschlandradio. Eine erste Hörfunkausbildung erhielt er im Rahmen seines Wehrdienstes beim Truppenbetreuungssender „Radio Andernach“. Anschließend studierte er in Trier und Brixen Katholische Theologie. Es folgte das journalistische Volontariat bei der Katholischen Fernseharbeit und eine langjährige Tätigkeit für DOMRADIO.DE in Köln. Kontakt: m.korden@dbkradio.de

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