Gottesdienst am Pfingstmontag

aus der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Furth im Wald

Predigt von Kaplan Johannes Spindler

Liebe Schwestern und Brüder.

Aufgehebelte Fenster, gewaltsam geöffnete Türen, durchwühlte Aktenschränke, Möbel, die aus ihrer Verankerung in der Wand gerissen wurden – als unser Pfarrer vergangenes Jahr am Morgen nach dem Pfingstmontag das Pfarrbüro betrat, bot sich ihm dort ein Bild der Verwüstung.

Wie verschiedene Arztpraxen und Kindergärten im Stadtgebiet wurde auch unser Pfarrhof Opfer einer Einbruchsserie, die rund um das letzte Pfingstfest Furth im Wald heimsuchte. Abgesehen hatten es die Täter in allen Fällen vorrangig auf Bargeld.

Was motiviert Menschen zu solchen Straftaten? Handelt es sich um eine echte finanzielle Notlage? Oder ist es die Aussicht auf das schnelle Geld? Ist es der Kick, der mit einem solchen Vorhaben einhergeht? Ist es die Freude daran, Grenzen zu überschreiten und einem anderen Schaden zuzufügen? Was die Täter vor einem Jahr angetrieben hat, könnten uns nur sie selbst mitteilen.

Allerdings zeigen ihre Handlungen nur zu gut, „wes Geistes Kind“ sie sind. Mutmaßlich wird es kein guter Geist gewesen sein, der in ihnen am Werk war.

Unsere Taten verweisen bei uns Menschen häufig auf die innere Einstellung. Sie zeigen an, was uns prägt und wovon wir uns leiten lassen. Sie offenbaren unseren inneren Antrieb. Dabei ist zu bedenken, dass das Innere eines jeden Menschen durch unterschiedliche Einflüsse geformt wird.

Da gibt es Einflüsse, die uns fördern, die uns im Leben vorwärts kommen lassen. Aber es gibt auch Einflüsse, die unser Leben einschränken und bedrohen, die ihm schaden können.

Etwas verallgemeinernd ausgedrückt: Es gibt sowohl gute als auch böse Einflüsse.

Die Frage, wes Geistes Kind jemand ist, zielt also darauf ab, wovon oder von wem wir uns leiten lassen. Uns Christen wurde in Taufe und Firmung der Heilige Geist zugesagt. Seines – Gottes – Geistes Kinder sind wir seither. Gott als der Inbegriff des Guten und der Güte ist uns als innerer Antrieb gegeben. Paulus kann deshalb den Christen von Rom schreiben:

„Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes.“

(Röm 8,14-17)

Der Heilige Geist will uns motivieren und ermuntern, unser Leben vor dem Hintergrund der Frohbotschaft Jesu, des Evangeliums, zu gestalten. Auf diese Weise leben wir unsere Taufberufung, entfalten wir, was durch Taufe und Firmung in uns grundgelegt wurde.

Dass wir Gottes Geistes Kinder sind, dass wir uns von ihm leiten lassen, kommt in den Wirkungen des Heiligen Geistes in unserem Leben zum Ausdruck. Paulus zählt in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien folgende Wirkungen auf:

„Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit.“

(Gal 5,22-23)

Diese Wirkungen von Gottes Heiligem Geist vergleicht der Völkerapostel mit Früchten. So, wie eine Pflanze eine Frucht hervorbringt, so bringt Gottes Heiliger Geist in uns seine Wirkungen hervor. Unsere Taten und Handlungen zeigen dann nach außen hin an, wes Geistes Kinder wir als Christen sind.

„Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit.“

Liebe Mitchristen, wie sehr sehnen wir uns gerade in der Zeit, in der wir leben, nach all diesen Wirkungen von Gottes Geist? Die Jahre der Corona-Pandemie und der völkerrechtswidrige Angriffskrieg auf die Ukraine führen uns mit größter Härte vor Augen, dass unser Leben und Zusammenleben nicht einfach nur auf netten Worten, Egoismus und wirtschaftlichen Beziehungen beruhen kann.

„Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit“

(Gal 5,22-23)

– diese Früchte des Heiligen Geistes sind der Schlüssel für ein gelungenes und wirklich soziales Zusammenleben von Menschen und Völkern; für ein Zusammenleben, das es jedem erlaubt, sich in Freiheit zu entfalten und sein Leben zu gestalten.

Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund, in dem wir derzeit leben, scheinen diese Früchte des Heiligen Geistes auf den ersten Blick aber größtenteils verdorben zu sein. Wo ist der Friede? Wo sind Langmut und Güte im Umgang der Menschen miteinander? Wo ist die Treue, beispielsweise zu völkerrechtlichen Übereinkünften, geblieben?

Wir könnten angesichts all des Negativen und Bösen in unserer Zeit mutlos werden und verzweifeln. Wer aber mit offenen Augen durch die Welt geht und bereit ist zu einem Perspektivwechsel, der wird sich bewusst: Gottes Heiliger Geist ist auch heute am Werk! Seine Früchte wachsen auch jetzt! Immer wieder stoßen wir – mehr oder weniger offensichtlich – auf Spuren seines Wirkens.

Dies ist vor allem dort der Fall, wo Menschen sich füreinander öffnen und zueinander stehen; wo Menschen sich fremder Not gegenüber nicht teilnahmslos verschließen, sondern ihr offenen Herzens Abhilfe zu schaffen versuchen; wo Menschen sich selbst überwinden, und auf andere zugehen; wo Menschen ihr Leben und auch ihren Glauben miteinander teilen und zu Baumeisterinnen und Baumeistern einer Zivilisation der Liebe werden.

Liebe Mitchristen,

das Pfingstfest, das heute weiterklingt, lässt uns innehalten und uns fragen:

Wes Geistes Kind bin ich? Von wem lasse ich mich antreiben? Wer oder was motiviert mich in meinem Handeln? Und schließlich ist Pfingsten die Einladung an uns Christen, Gottes Geist neu in unser Leben einzulassen. Ihm die Tür unseres Herzens zu öffnen. Unser Denken, Reden und Tun von ihm durchdringen zu lassen. Wer Gottes Geist in sich Raum gibt, der wird erfahren, dass auch in seinem Handeln die Früchte des Geistes wachsen und sichtbar werden.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

in unserem Pfarrbüro sind die Spuren des Einbruchs von vergangenem Jahr längst beseitigt. Dass auch in unserer Welt die bösen Geister zurückgedrängt werden – dazu können wir alle beitragen. Als durch Taufe und Firmung Be-GEIST-erte sind wir fähig, aus unserem Glauben heraus mitzuhelfen, die Welt zum Besseren zu verändern und Gottes Reich mitaufzubauen.

Der Heilige Geist möge uns dazu die Kraft geben, uns motivieren und uns auf diesem Weg begleiten.


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Dieser Beitrag wurde am 06.06.2022 gesendet.





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