Wort zum Tage, 09.05.2022

Pfarrer Klemens Geiger, Wolfertschwenden

Sei einmalig

Acht weiße Schäfchen, jedes mit abstehenden Ohren, einem rundlichen Bauch und kleinen Augen stehen da in Reih‘ und Glied und alle schauen in die gleiche Richtung.

Aber neben diesen weißen Schäfchen gibt es auf dieser Bildkarte noch ein weiteres. Das neunte Schäfchen hat ein schwarzes Fell, es sieht beinahe so aus, als wolle es einem zuwinken und es hält den Kopf ganz schräg.

Dieses dunkle Schäfchen tanzt eindeutig aus der Reihe. In großen schwarzen Buchstaben steht auf der Karte: Be Unique! Sei einmalig.

Ein lieber Gruß von einem Freund, den er mir schon vor Monaten zugeschickt hatte. Ich fand dieses Bild so lieb, dass ich es mir auf den Kalender, der über meinem Laptop im Büro hängt, gepinnt habe.

Wenn ich auf die Karte schaue, dann freue ich mich daran. Ich weiß, was hinten auf der Karte steht. Mein Freund hat mit in seinem Kartengruß geschrieben: Bleib so, wie du bist, alle anderen gibt es schon.

Das tut einfach gut. Es ist doch ein schöner Gedanke, dass ich sein darf, wie ich bin. Ich bin einmalig, so wie jeder andere auch einmalig ist und sein darf. Jeder ist ein Unikat – etwas ganz Besonderes.

Ich muss mich schon immer wieder daran erinnern, denn ich schaue manchmal allzu gern auf andere Menschen und vergleiche mich mit ihnen. Da gibt es jene, von denen ich glaube, dass sie in etlichen Dingen geschickter sind als ich. Andere haben ein dickeres Fell, um das ich sie oft beneide, weil sie sich nicht so schnell aus der Bahn werfen lassen, wenn sie kritisiert werden.

Wieder andere geben sich so selbstsicher. Sie betreten einen Raum und strahlen aus: Hallo, hier bin ich – während ich eher dazu neige, erst einmal vorsichtig zu sein und zu schauen, wer da so ist. Ich brauche immer etwas Zeit, um mich in eine mir unbekannte Gesellschaft einzufinden.

Aber ich habe auch meine Stärken. Ich bin kreativ, habe Humor und ein gutes Gespür für Menschen. Be unique – sei einmalig. Sei einfach du selbst, so wie Gott dich geschaffen hat.

So steht es schon im Buch der Bibel, in den Psalmen. Da heißt es zum Beispiel:

„Du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke Dir, Gott, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke. Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen. Deine Augen sahen, wie ich entstand.“

Der Gedanke, dass ich Gottes Geschöpf bin, er mich gewollt hat, so wie ich bin, das tut mir gut. Das ist ein Geschenk und wohl auch eine Aufgabe. Nämlich: Be unique – sei einmalig – sei so, wie Gott dich gewollt hat.


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Dieser Beitrag wurde am 09.05.2022 gesendet.


Über den Autor Klemens Geiger

Klemens Geiger, wurde 1961 in Simmerberg im Westallgäu geboren. Nach mehreren Jahren in denen er als Industriekaufmann tätig war, entschloss er sich für das Studium der katholischen Theologie im Spätberufenenseminar St. Lambert in Lantershofen. Nach seiner Priesterweihe in Augsburg  war er als Kaplan in Landsberg und Augsburg tätig. Seit 2000 leitet er die Pfarreiengemeinschaft Bad Grönenbach im Unterallgäu. Die zusätzliche Ausbildung in geistlicher Begleitung und integrativer Gestaltpädagogik nach Höfer sieht er als Bereicherung für sein Wirken. Wenn die Zeit es zulässt schreibt er gerne Meditationstexte. Zur Entspannung geht er in die Natur oder arbeitet im Wald. Dort ist er seit seiner bestanden Jägerausbildung schon auch mal mit Büchse, aber meist auch mit Kamera anzutreffen.

Kontakt
klemens.geiger@katholische-kirchen-groenenbach.de

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