Morgenandacht, 07.05.2022

Christopher Hoffmann, Neuwied

Zuversicht

„Bleiben Sie zuversichtlich“,

so verabschiedet sich Mr. Tagesthemen Ingo Zamperoni nun schon seit zwei Jahren am Ende jeder Nachrichtensendung. Zwei Jahre, in denen sich in den Themen des Tages Katastrophe an Katastrophe reiht. Und es wirklich schwerfällt, die Zuversicht zu behalten.

So geht es jedenfalls mir und vielen in meinem Bekanntenkreis. Wir sind am Limit. Pandemie, Flutkatastrophe, Afghanistan, Krieg und Hunger in Ostafrika, Syrien, dem Jemen – und jetzt Krieg in der Ukraine. Was soll mich da zuversichtlich stimmen? Kann man da nicht eher resignieren?

Aber es gibt sie, die Menschen, die zuversichtlich bleiben und mich zuversichtlich stimmen: Das sind für mich zum einen diejenigen, die in den zwei Jahren der Pandemie auf so viel verzichtet haben und es immer noch tun, um andere zu schützen. Und die auch weiterhin vorsichtig bleiben, freiwillig Maske tragen, um die, die zur Risikogruppe zählen, nicht zu gefährden.

Angetrieben von der Zuversicht, es wird wieder besser werden. Oder die vielen Helfer im Ahrtal, die noch immer vor Ort mitanpacken und den Menschen, die alles verloren haben, zuhören. Sie wissen, es lohnt sich – gemeinsam bauen wir das Tal wieder auf. Oder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die gerade trotz der schwierigen Situation in Afghanistan, im Jemen, in Syrien oder Ostafrika bleiben, um den Menschen mit dem Nötigsten beizustehen.

Und all jene, die für die Menschen in diesen Krisengebieten spenden. Oder die Menschen, die hier ihre Tür und ihr Herz für Menschen auf der Flucht öffnen. Menschen, die ihre Hände zum Gebet falten. Für Frieden. Jeden Tag neu. Sie alle eint, dass sie zuversichtlich bleiben und den Glauben an eine bessere, friedliche Welt noch nicht verloren haben. 

Ich muss dabei an ein Lied denken, das ich mit vielen tausend Jugendlichen aus der ganzen Welt bei meinem Besuch in dem französischen Kloster Taizé gesungen habe. Das ist jetzt elf Jahre her, aber ich habe das Lied in diesen Tagen immer wieder im Ohr. Der Refrain lautet:

„Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht – Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht‘ mich nicht. Auf dich vertrau ich und fürcht‘ mich nicht.“

Ich hab das damals in der Klosterkirche von Taizé während einer internationalen gemeinsamen Woche dort gesungen und gebetet - auch mit jungen Menschen aus der Ukraine und aus Russland. Und gespürt: Die Botschaft Jesu von der Nächsten- und sogar der Feindesliebe, sie gibt Menschen aus der ganzen Welt Hoffnung und Zuversicht. Auch mir.

Die Zuversicht, dass eine andere Welt möglich werden kann – auch wenn Unrecht und Elend aktuell die Oberhand zu gewinnen scheinen. Ist das Weltflucht? Vertröstung? Nein! Das ist meine Kraftquelle, um überhaupt weiter hinschauen zu können auf die Themen dieser Welt, auf die Themen des Tages. Und das zu verändern, was ich verändern kann.

Gerade weil die Tagesthemen voller Katastrophen sind, gefällt mir Ingo Zamperonis Satz so gut. Nicht um irgendetwas zu verharmlosen oder zu beschönigen. Sondern um nicht abzustumpfen. Um aus der Hoffnung, dass auch wieder bessere Zeiten möglich sind, zu leben und zu wirken. Also: Bleiben Sie zuversichtlich!


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Dieser Beitrag wurde am 07.05.2022 gesendet.


Über den Autor Christopher Hoffmann

Christopher Hoffmann, geboren 1985 im Hunsrück, ist Pastoralreferent und Rundfunkbeauftragter bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR.  Nach dem Studium der Theologie in Trier und Freiburg und der Seelsorgeausbildung im Rheinland ist er aktuell in der Pastoral für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Raum Neuwied aktiv. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er am ifp in München. In seiner Freizeit liebt er Musik und singt seit vielen Jahren in verschiedenen Bands und Chören. Kontakt: christopher.hoffmann@bistum-trier.de

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