Feiertag, 10.04.2022

von Gunnar Lammert-Türk, Berlin

Vom verfilmten Passionsspiel zum religiösen Actionfilm: Die Passion Christi im Kino

Die Leidensgeschichte Jesu ist nicht nur religiös von Bedeutung, sondern hat auch Stoff für große Kinofilme. Die Passion wurde zahlreich verfilmt oder auf Bühnen aufgeführt – und erreicht so eine große Zuschauerschaft.

© Alicia Quan / Unsplash

„Groß ist dieser Film in vielfacher Weise. Das eine ist, es ist einer der ersten Filme, die wirklich abendfüllend sind überhaupt. … Das zweite ist, er ist technisch, vor allem filmbühnentechnisch unfassbar aufwendig gewesen.

Gedreht in den Staakener Studios, die da völlig neu waren und weltweit einmalig die Möglichkeit geboten haben, tatsächlich sowohl architektonisch als auch von den Beteiligten alles in Masse und Größe zu inszenieren. In diese Studios passte so viel rein: so viel Wüste, so viel Stadt und so viele Menschen, wie vorher überhaupt nichts, was es gab.“

Die Literaturwissenschaftlerin und Medienspezialistin Andrea Polaschegg spricht von „I.N.R.I.“, einem Stummfilm des deutschen Drehbuchautors und Regisseurs Robert Wiene. Produziert wurde er 1923 im damals größten Filmstudio der Welt in den ehemaligen Staakener Zeppelin-Werken im Westen Berlins. 

Hinsichtlich seiner Massenszenen und aufwendigen Kulissenbauten war der Film spektakulär und bot die großen Filmstars seiner Zeit. Basierend auf dem gleichnamigen Roman des Österreichers Peter Rosenegger war die Darstellung des Lebens Jesu, die mit seiner Kreuzigung endet, ursprünglich in eine Rahmenhandlung eingebaut: Darin wartet ein kommunistischer politischer Attentäter im Gefängnis auf seine Hinrichtung. Im Roman ...

„… erscheint ihm seine Mutter. Und diese mütterliche Erscheinung erzählt ihm dann die Passionsgeschichte Jesu. Und als sie fertig ist mit dem Erzählen, verschwindet sie. Und er ist geläutert. Also diese Passionserzählung läutert ihn von seiner politischen Mordlust hin dazu, eigentlich sich selbst für die Sache zu opfern. Das ist die Kehre, die er vollzieht. Und dann sinkt er - sehr interessant - er sinkt tot zu Boden, bevor er hingerichtet wird.“

Robert Wiene nahm so Stellung zur politischen Gewalt in den von wirtschaftlicher und sozialer Verwerfung geprägten 1920er Jahren. Nach bescheidenen Vorläufern der Passions- und Leben Jesu-Verfilmung war sein Stummfilm ein ästhetischer und filmtechnischer Meilenstein.

„Das Gewand“

Seit es das Medium Film gibt, sind seine Innovationen eng verbunden mit der Verarbeitung der Passion Jesu und der übrigen Stationen seines Lebens und Wirkens. So auch die Erfindung des Breitbildformates, des Cinemascope. Einer der ersten mit diesem neuen Verfahren gedrehten Filme war 1953 „The Robe“, zu deutsch „Das Gewand“.

In dessen Zentrum steht ein römischer Soldat, der Jesu Gewand beim Würfelspiel unterm Kreuz gewonnen hat. Das ist typisch für die in den 1950er und 1960er Jahren gezeigten sogenannten „Sandalenfilme“. Darin findet eine Verschiebung statt …

„… von dem Fokus auf Jesus von Nazareth selbst und sein direktes Umfeld zu Nebenfiguren…, nicht nur zu Nebenfiguren, sondern zu Nebennebenfiguren. Und das sind meistens Römer. Sind eigentlich immer Römer. … Und das Ganze wird gematcht mit dem großen Thema Christenverfolgung, frühe Christenverfolgung. Die Passion ist wichtig nach wie vor. Sie ist ein ganz wichtiges dramaturgisches Moment, aber sie rückt natürlich gemessen an der Römer-Christen-Geschichte absolut in den Hintergrund.“

„Das erste Evangelium – Matthäus“

1964 erschien mit Pier Paolo Pasolinis „Das erste Evangelium – Matthäus“ ein völlig anders gelagerter Jesus-Film. An die Stelle der Nebenfiguren im Umfeld der Passion und der Zeit der frühen Christenverfolgung trat die Darstellung Jesu in strenger Bindung an das Matthäusevangelium. An die Stelle opulenter Farbenpracht Schwarz-Weiß.

Vorrangig wurde mit Laien gedreht in und um die süditalienische Stadt Matera mit ihren Höhlensiedlungen. Die raue Schönheit der Murgia-Hochebene und die Darsteller mit ihren vorindustriell anmutenden gegerbten Gesichtern riefen auf bislang nicht gesehene Weise Jesus und seine Zeit wach. Das Strenge und Fremde Jesu kam so zur Geltung. Was Pasolini daran faszinierte, beschrieb er so:

„Nichts scheint mir gegensätzlicher zur modernen Welt als jene Christusfigur: sanft im Herzen, aber nie im Denken.“

Die Theologin Inge Kirsner meint dazu:

„Sanft im Herzen, aber nie im Denken, dieses unglaublich Radikale, das kommt wirklich stark raus, und egal, in welcher Szene: Wie er schaut, wie er spricht. Und ich mag auch, der muss überhaupt nicht schreien. Wenn er diese Worte sagt, kriegen sie diese Wucht wieder, die sie auch mal hatten und die auch wieder haben können. Manchmal muss er nur laufen.

Wenn er vom Hügel läuft, und da läuft ihm eine Figur entgegen, ein Mensch, der sein Bein nachzieht und nicht mehr laufen kann – das gibt auch eine ganz starke Szene, wo jemand auf ihn zugeht mit diesem Stock und er geht da einfach nur mit seinen Jüngern und er schaut diesen Mann an. Ich glaub, er berührt ihn auch in der Szene, aber da hat man das Gefühl, die Berührung verstärkt nur diesen Blick, die Art, wie er Menschen anschaut.“

Oberammergauer Passionsspiele

Die ersten, 1897 erschienenen, Filme über Jesus waren wenige Minuten lange Bilderbögen seiner Passion. Für ein paar Jahre blieben Jesus-Filme auf die Passion beschränkt.

Der Grund ist einfach: Der Stoff war den Menschen vertraut, durch die bildende Kunst, durch Bibelillustrationen, durch ihre aktive oder überkommene christliche Prägung. Hinzukommt, dass die Oberammergauer Passionsspiele ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ungemein an Popularität gewannen.

Das wirkte sich auf das junge Medium Film aus, wie die Literaturwissenschaftlerin Andrea Polaschegg erklärt: 

„Eine Freiluftbühne mit Massen im Publikum, mit Massen auf der Bühne, Laiendarsteller, acht Stunden Vorführung, Breitbandhistorie in ihrer Gänze aufführen – das war eine Offenbarung. … Vor allen Dingen auch für die Dramatiker und Dramentheoretiker dieser Zeit. Und die fangen dann an, in den 1850er Jahren Ammergau zu popularisieren.

Und dann geht die Sache relativ schnell tatsächlich steil, erstmal national und dann strömt die Welt, also die europäische Welt zuerst. Dann kommen Ende des 19. Jahrhunderts die Amerikaner, und zwar kommen maßgeblich Industrielle und eben Leute aus dem Filmgeschäft.“

Und die nutzten die gestiegene Popularität der Passion Christi für ihre ersten Produktionen. Auch, um dem neuen Medium einen Anschein von Seriosität zu geben. Denn zuhause war der Film wie seine Vorläufer – die Schaubuden, Panoptiken und Panoramen – zunächst auf den Jahrmärkten. Und dort eher für die Vorführung von Kuriosa und frivole Unterhaltung bekannt.

Das war einer der Gründe – neben der Skepsis gegenüber technischen Neuerungen und dem Zweifel, ob das neue Medium Jesus gerecht werden kann – für die anfängliche Ablehnung von Jesusfilmen von Seiten der Kirchen. Bald aber wurden auch die Chancen gesehen.

Kirche und Kinematograph

Um 1907 setzte in Deutschland die sogenannte Kinoreformbewegung ein, um das Kino moralisch und ästhetisch zu verbessern. Daran beteiligten sich auch Kirchenvertreter. So Pfarrer Walther Conradt mit seiner Streitschrift „Kirche und Kinematograph“. Die Theologin und Filmspezialistin Julia Helmke bemerkt dazu:                 

„Der gute Pfarrer Walther Conradt, der von der Re-Christianisierung des Kinematographen gesprochen hat, hat ja schon auch darauf hingewiesen, dass es gut ist, eben Filme zu fördern, die ein christliches Menschenbild vermitteln und hat sogar angeregt, auch selber solche Filme zu produzieren. …

Neben dem eben, dass er kritisch auch gesagt hat, dass man Filme, die sozusagen nicht dem christlichen Menschenbild entsprechen, gerade auf der moralischen Ebene, dann natürlich auch zu zensieren und zu verdammen habe.“

„Jesus Christ Superstar“

Maria Magdalena aus der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice ist hier zu hören. Irritiert darüber, dass sie sich zu Jesus hingezogen fühlt, den sie kaum versteht, singt sie:

„Ich weiß nicht, wie ich ihn lieben soll.“

1973 wurde die Rockoper verfilmt. Gezeigt wird, wie eine Hippie-Kommune in den Ruinen der Wüste Negev in Israel die Passion Jesu spielt. Wie der Titel nahelegt, geht es dabei um die Frage,  …  

„ … wieviel Starkult ist eigentlich an diesem Jesus von Nazareth, wieviel Botschaft ist da, und kann man das eigentlich voneinander trennen? Es geht hier im Medium des Passionsfilms um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Showbusiness zum einen und mit … dem Starkult rund um Jesus von Nazareth. Und wenn man sich ein bisschen anguckt den Jesuskult sowohl in den evangelikalen Kirchen in den USA als auch natürlich in der Hippiebewegung, stellt man fest, hier gibt es sogar auch ein selbstironisches Moment, was in diesem Film zum Tragen kommt.“

Neben Maria Magdalena ist Judas die eigentliche Hauptfigur von „Jesus Christ Superstar“. Er sieht Jesus als Opfer des Starkults, den die Jünger um ihn machen. Um die daraus entstehende Gefahr abzuwenden, verrät er Jesus, dem er eigentlich innig verbunden war.

Verzweifelt und ratlos wie Maria Magdalena nimmt er die Melodie und Zeilen ihres Liedes auf. Und singt, bevor er sich das Leben nimmt: Ich weiß nicht, wie ich ihn lieben soll.

Die letzte Versuchung Christi“

Die biblische Figur Maria Magdalena, die in „Jesus Christ Superstar“ nicht recht wusste, was ihr Angezogensein von Jesus bedeuten mochte, erhält in Martin Scorseses Film „Die letzte Versuchung Christi“ eine noch prominentere, aber zugleich ungewöhnliche Rolle. 

Nicht zuletzt deshalb galt der Film aus dem Jahr 1988 in kirchlichen Kreisen als hochumstritten, wurde als geradezu skandalös empfunden. Denn er erzählt, Jesus habe eine intime Beziehung mit Maria Magdalena gehabt. So wird es in den ersten Szenen angedeutet, die ansonsten eher traditionelle Stationen aus dem Leben Jesu zeigen.

Jesus geht in Scorseses Film den bekannten Weg von der Taufe im Jordan, über den Einzug in Jerusalem bis zur Kreuzigung. Dann aber vollzieht der am gleichnamigen Roman von Nikos Kazantzakis orientierte Film eine überraschende Wendung.                                                                                               

„Das ist etwas völlig Neues in der Geschichte des Jesusfilms, dass nämlich nach … vergleichsweise üblicher Handlungsführung, die mit der Kreuzigung endet, dann eine Engelsfigur auftritt, die Jesus vom Kreuz abnimmt, bevor er gestorben ist und wegführt, wegführt auf einen Hügel. Und ihm entgegen kommt Maria Magdalena als seine Braut. Und dann beginnt sozusagen … ein menschliches Leben Jesu. Er verbindet sich mit Maria Magdalena auch sexuell. …

Sie erwartet ein Kind, wird von Gott getötet. Dann geht er zu Maria von Bethanien, gründet mit ihr eine Familie. Und auf seinem Sterbebett als alter Mann kommen dann die Jünger. Und vor allen Dingen Judas ist dann derjenige, der ihn aufruft, die Passion zu durchlaufen und die Heilsgeschichte nicht abzubrechen.“

Der Film kehrt darauf zur Kreuzigung zurück, und das alternative Leben von Jesus, der dem Tod entgangen war, erweist sich als Hirngespinst, als, wie es der Filmtitel nennt, Versuchung.

Scorsese gestaltet hier wie der Autor der Romanvorlage Nikos Kazantzakis den Widerstreit zwischen Körper und Geist, zwischen den auf Leben und Überleben gerichteten Trieben und den auf Überschreitung dieser Bindungen gerichteten Kräften des Geistes und des Glaubens.

Oder anders gesagt: Passio und passion, das Durchleben des Leids und die Leidenschaft können sich im Fall der Passion Jesu verirrend nahe sein, ja nahezu ineinander übergehen.

So jedenfalls zeigt es die dafür entscheidende Szene des Films, als Jesus, vom Kreuz genommen, von Maria Magdalena gepflegt wird:

„Man sieht Maria Magdalena mit Jesus auf dem Schoß. Und dann beginnt Magdalena die Wunden Jesu von den Füßen bis zum Kopf peu à peu zu salben und zu ölen. Und damit greift Scorsese … auf eine katholische Andachtspraxis der Salbe zurück, also…  der gläubigen Beweinung der einzelnen Wunden Jesu. … Und was er dann macht, ohne das zu brechen, ist, dass er nach dieser Salbung die Szene, nicht umschlagen lässt, sondern überführt … in den leidenschaftlichen Beischlaf.“

„Das neue Evangelium“

Wiederum einen ungewöhnlichen Umgang mit Jesus und seiner Leidensgeschichte wählt Milo Raus Film „Das neue Evangelium“ aus dem Jahr 2020. Er vereint drei Ebenen: Die Inszenierung eines Passionsspiels, das Casting für diese Inszenierung und eine tatsächlich geschehene politische Aktion.

Ihr Anführer ist zugleich der Jesusdarsteller des Passionsspiels: Yves Sagnet. Die Theologin Inge Kirsner erklärt:

„Dieser Yves Sagnet ist ein Mann gewesen, der … auch selbst gearbeitet hat auf den Feldern in Italien, auf den Tomatenplantagenfeldern, aber dann praktisch angefangen hat, gegen diese menschenunwürdigen … Bedingungen anzugehen und Leute zu sammeln, also mit denen auch wirklich einen Protest zu organisieren. Und diese ganze Geschichte ist drin, also … das ist schon ein reenact: es wird gezeigt, wie er die Leute da motiviert hat, mit ihm auf die Straße zu gehen, eine ‚Revolte der Würde‘ zu schaffen, Revolte de la dignidad, ‚Revolte der Würde‘.“

„Revolte der Würde“

Die ist – so lässt sich schließen – eine Aktualisierung des Wirkens Jesu. Der ist wie der Kameruner Yves Sagnet und die meisten derer, die ihm in seiner „Revolte der Würde“ folgen, im Film schwarz. Jesus, so scheint Milo Rau sagen zu wollen, würde sich heute für diese Menschen und ihre Not einsetzen.

Deshalb spielt der politische Aktivist Yves Sagnet den Jesus im Passionsspiel. Wie dem die Apostel folgen, so folgen dem Aktivisten seine Mitstreiter im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen auf den Tomatenfeldern im Süden Italiens.

Nach der Kreuzigung im Passionsspiel der Flüchtlinge verabschiedet sich der Jesusdarsteller und politische Aktivist von den übrigen. Er stirbt nicht wie Jesus. Der aber hätte auch für Yves Sagnets Kampf für die Würde der modernen Arbeitssklaven - das sagt der Film – sein Leben gegeben.  

„The Passion of the Christ“

Milo Rau hat seinen Film in Matera gedreht, dem Film-Jerusalem, das Pasolini für seinen Maßstäbe setzenden Jesusfilm gewählt hatte. Hier drehte auch Mel Gibson „The Passion of the Christ“.

Alle politischen Aktualisierungen, alle Ausdeutungen von Judas und Maria Magdalena, alle imaginierten möglichen Abweichungen von der biblischen Überlieferung sind hier bewusst vermieden worden. Gibson wollte sich ganz auf die biblisch überlieferte Passionserzählung konzentrieren. Sein Film war ebenso erfolgreich wie er verstörte.

Vor allem wegen seiner exzessiven Darstellung der Jesus zugefügten Gewalt. Wie Literaturwissenschaftler Hans-Jürgen Scheuer erläutert, steht dahinter eine alte Andachtspraxis:   

„Nämlich die Idee, dass der Gläubige die Imitatio Christi so weit treiben soll, dass er sie selbst verkörpert. Und dafür gibt es dann auch eigenes Schrifttum: Das sind die Passionstraktate. Einer der ältesten stammt von Heinrich von Sankt Gallen, aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Und wenn mal in so einen Passionstraktat hineinschaut, hat man den Eindruck, gewissermaßen das Drehbuch von Mel Gibson vor sich zu haben. Alles, was da an Scheußlichkeiten und Grausamkeiten, an entfesselter Wut und Gewalt uns im Film vorgeführt wird, wird schon da im 13. Jahrhundert ausbuchstabiert bis ins kleinste Detail mit Blick darauf, dass jemand, der und die das liest, im Innersten erschüttert werden soll.“

Das ist Mel Gibsons erklärte Absicht. Er müsse, sagte er, die ganze von Jesus erlittene Gewalt zeigen, um so die Größe seines Opfers begreiflich zu machen. Und so verweilt die Kamera wie die Leser der Passionstraktate bei den Schilderungen der Martern und den dadurch zugefügten Wunden.

Allein die Geißelung Jesu durch römische Soldaten dauert qualvolle fünfzehn Minuten. Als er ans Kreuz genagelt wird, ist einer seiner Arme zu kurz, um die Hand auf das Bohrloch für den Nagel zu ziehen. Deshalb wird er mit einem Seil gewaltsam gestreckt und dabei ausgekugelt.

„Das ist schrecklich, aber eben insofern auch interessant, als der Titel des Passionstraktats von Heinrich von Sankt Gallen genau diese Szene anspricht, er wird auch zitiert mit diesem ersten Vers extendit manus: Das heißt nicht, dass er die Arme ausstreckt, um jemanden zu umarmen, sondern es ist genau dieser Akt des Streckens und Entrenkens des Körpers. Und insofern ist das auch ein gutes Beispiel dafür, wie stark Mel Gibson hier auf Bilder zurückgreift, die eine lange lange Tradition und Geschichte haben.“

Die Geschichte des Jesusfilms begann mit der Darstellung der Passion. Sie blieb sein tragendes Element seit den Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts, wie immer auch die Handlung gestaltet und Leben und Wirken Jesu gedeutet wurden. Beispielhaft für das Spektrum diesbezüglicher filmischer Interpretation ist hier eine kleine Auswahl vorgestellt worden.

Dass diese Deutungen neben Andacht und Nachdenklichkeit auch Irritation und Verstörung auslösen können, liegt im Wesen der Passion. Sie bleibt ebenso eine Herausforderung wie eine Gabe an die Menschheit. Und wird als universelle Erzählung auch weiterhin Stoff für Filme sein.

Die redaktionelle Verantwortung für die Sendung hat Martin Korden.

Musik:

Arvo Pärt: Symphonie, Nummer 3, 1

Alfred Newman: The Robe Soundtrack Suite: Prelude

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion: Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen!

Aus: Jesus Christ Superstar: I don’t know how to love him

Aus: Jesus Christ Superstar: Judas’ Death

Peter Gabriel: Passion: With this love

Soundtrack The Passion Of The Christ – Peter denies Jesus

Ben Hur-Soundtrack: Prozession to Calvary


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Dieser Beitrag wurde am 10.04.2022 gesendet.


Über den Autor Gunnar Lammert-Türk

Gunnar Lammert-Türk (Jahrgang 1959) ist freischaffender Journalist und Autor. Er wurde in Leipzig geboren und studierte Germanistik und Evangelische Theologie in Berlin. Nach dem Studium organisierte er Projekte einer Arbeitsfördergesellschaft, die aussortierte Technik für Hilfsprojekte in Osteuropa und der Dritten Welt regenerierte. Es folgte die Leitung einer Beratungsstelle für Russlanddeutsche. Darauf war er Autor und Redakteur in der Medienfirma Greenlight. Seit 2003 ist er als freier Journalist und Autor tätig. Von 2004 bis 2007 führte er mit einem Musiker und einem Zauberer Musiktheatershows für Kinder auf. Er verfasst Rundfunkbeiträge, schreibt Texte für Audioführer und Kinderlieder. Veröffentlichungen im Boje Verlag, Schneider Verlag, Xenos Verlag und im Deutschen Theater Verlag. Kontaktg.lammert.tuerk@gmail.com

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