Gottesdienst am 8. Sonntag im Jahreskreis

aus der katholischen Kirche Mutter vom Guten Rat, Frankfurt-Niederrad

Predigt von Pfarrer Werner Portugall

Liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Geschwister im Glauben!

Eigentlich wäre heute Fastnacht. Aber Lust auf Witze hat wohl seit den Ereignissen der vergangenen Tage keiner. Und überhaupt ist das ja so eine Sache. Was den einen zum Lachen bringt, findet die andere lächerlich.

Fastnachtssitzungen heitern den einen das Leben auf und andere schlagen sie in die Flucht: Ab nach Mallorca! Wer wäre nicht gerne weit weg von dem, was sich im Osten Europas zusammenbraut? Dabei täte es uns so gut zu lachen. Lachen ist gesund. Es ist ein Ausdruck von Lebensfreude und Lebenslust.

Vielleicht werden Sie vorhin beim Hören der Bibeltexte insofern gedacht haben: die passen ja jetzt ganz gut! Wenigstens kommen sie nicht mit peinlichem Frohsinn daher!

Naja, ich persönlich bin der Meinung: Es sind Texte, die Lebenslust in sich haben und die aufatmen lassen, so wie wir in der Ankündigung dieses Gottesdienstes versprachen, dass dazu etwas kommt. Schauen wir sie uns näher an! 

Ich mag an diesen beiden Bibelstellen, dass es beiden darum geht, für Menschen zu werben, die mehr Lebenslust und „Aufatmen lassen“ in die Welt bringen. Das fängt im Kopf und im Herzen jedes Menschen an.

Jesus Sirach, der Ratgeber und Lehrer aus Jerusalem, betreibt in dem Ausschnitt seines Lehrbuchs, den wir hörten, deshalb Persönlichkeitsbildung.

„Die Erprobung eines Menschen geschieht in der Auseinandersetzung mit ihm“,

heißt es da. Am Wortwitz, an der Sprache, zeigt sich, was von einer Person zu halten ist. Jesus Sirach rät mir: Ich soll Menschen regelrecht zum Gespräch herausfordern, um zu erfahren: Was bist du für ein Mensch?

Und so denke ich heute – trotz aller schlechten Tagesnachrichten – eben auch an die zum Teil sehr witzigen Begegnungen in Kneipen nach Fastnachtsumzügen – ob in Mainz oder Frankfurt – die ich in den friedlichen Zeiten meiner Studentenzeit erlebt habe.

Es kann sehr unterhaltsam sein und die Lebenslust steigern, im Stadion, im Theater, bei der Fastnachts-sitzung oder in der Kneipe Menschen kennenzulernen, die man sich vielleicht nicht gleich nachhause einladen würde, die aber trotzdem nicht verkehrt sind.

Schade, dass dies durch die Deformationen der Pandemie und durch Putins Barbarei beschädigt wird. Cyber-Mobbing und Kriegsrhetorik senken die sozialen Temperaturen weltweit und machen Leben kaputt.

Aber lassen Sie uns nicht die Kreativität und den Mut von Menschen vergessen, die sich aus Lust am Leben gegen den Tod um sie herum erheben, um Menschen aufatmen zu lassen, ihnen neue und gute Perspektiven zu geben, dem Frieden zu dienen und im Alltag praktisch zu helfen. 

Jesus schließt im heutigen Evangelium ziemlich genau an Jesus Sirach an. Wo Sirach von den Gedanken der Menschen spricht, redet Jesus vom Herzen.

„Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor.“

Ein herzlicher Mensch ist einer, der strahlt. Dessen Ausstrahlung aufatmen lässt und die Lust am Leben steigert.

„Wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund“,

heißt es am Ende des heutigen Evangeliums. Ein herzlicher Mensch ist einer, der strahlt. Dafür muss man keine Witze erzählen können. Authentizität und Ehrlichkeit, das mögen die Zutaten sein, um die es Jesus bei seiner kleinen Unterweisung in Sachen Persönlichkeitsbildung geht.

Aber mehr als das, meine ich, geht es ihm darum, Menschen zu sagen: Lebenslust fängt in deinem Herzen an. Wenn da Freude ist, wenn da etwas Gutes ist, wenn in dir der Friede wohnt, dann lass es raus. Lass es strahlen. Und du wirst staunen, was das um dich herum bewirken kann.

„Wir brauchen Menschen, die strahlen, wir brauchen sie jetzt“,

hörte ich in einer Veranstaltung mit Navid Kermani den Schauspieler Isaak Dentler sagen. Er war begeistert von Kermanis jüngstem Buch, aus dem er uns vorlas. Wir brauchen Menschen, die strahlen.

Genau das finde ich auch in dem wieder, was uns die Heilige Schrift heute mit auf den Weg durch die kommende Woche gibt. Gott hat uns Jesus als einen strahlenden Menschen geschenkt. Wir Christen sind heute seine Multiplikatoren in dieser Welt.

Was ist los in deinem Herzen? Was strahlt von dir aus? Wenn da Licht ist und Glanz, lass es raus. Tyrannen, die Angst, Leid und Tod über die Menschen bringen? Davon hat die Welt genug.

„Wir brauchen Menschen, die strahlen, wir brauchen sie jetzt.“

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 27.02.2022 gesendet.





Dieser Beitrag wurde am 27.02.2022 gesendet.





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