Wort zum Tage, 08.01.2022

Andreas Brauns, Schellerten

Frieden auf Erden

„Friede auf Erden den Menschen“,

diese Worte gehören zu Weihnachten. In der biblischen Weihnachtsgeschichte künden die Engel genau das mit der Geburt Jesu an. Jahr für Jahr werden sie dann wiederholt und wecken die Sehnsucht nach Frieden.

Doch alle Jahre wieder ist die Enttäuschung groß. Denn der so oft beschworene Frieden hat sich nicht eingestellt. Stattdessen gibt es viel zu oft Unfrieden: Zwischen Völkern und Staaten, zwischen jenen, die an verschiedene Götter glauben, und nicht selten gerade jetzt in Zeiten von Corona auch zwischen den Menschen in Nachbarschaften oder sogar in den Familien.

Dabei fängt der beschworene Friede auf Erden gerade dort an. Schon beim Frühstück. Es nützt nichts, vom Frieden zu träumen und bereits beim Frühstück die Messer zu wetzen. So hat der Frieden keine Chance. Als Morgenmuffel weiß ich, wovon ich rede…

Das Wort der Engel an Weihnachten klingt so verheißungsvoll:

„Friede auf Erden“.

Doch wenn ich dann ins Spiel komme, wird es kompliziert. Ich möchte Frieden, aber natürlich möchte ich dabei mitreden, also sozusagen einen Frieden zu meinen Bedingungen schaffen. Doch ich kann den Frieden nicht schaffen, ich kann nur dazu beitragen. Und das beginnt schon damit, mich zu fragen: Was kann ich heute beitragen?

Ein Kunstprojekt greift das auf - mit Papiertüten, die wir zum Einkaufen nutzen. Auf den weißen Tüten der Aktion „Frieden leben“ ist eine Frage aufgedruckt:

„Was trage ich bei für eine friedliche Welt…?“

Die Antwort kann auf die Tüten gemalt, geklebt oder auch geschrieben werden. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Viele haben schon ihre Antwort gegeben: Ihre Tüten sind kleine Kunstwerke für den Frieden geworden.

Da sind Kinder gemalt, die sich die Hände reichen. Eine Tüte ist über und über beklebt mit Herzen aus Papier. Auf einer Tüte sind religiöse Symbole zu sehen: Halbmond, Davidstern und Kreuz nebeneinander. Moslems, Juden und Christen dienen dem Frieden.

Und was mache ich? Die Frage auf der Tüte ließ mir keine Ruhe:

„Was trage ich bei für eine friedliche Welt…?“

Also habe ich mir eine Tüte genommen und darauf geschrieben:

„Bitte nach Ihnen!“

Das habe ich einer Frau abgeguckt, die das praktiziert hat - am Ende einer Warteschlange im Supermarkt. Durch ihr Verhalten hat sie mir gezeigt, wie entspannend es sein kann, wenn Menschen sich zurücknehmen, die am Ende der Schlange nicht stur sind, sondern einem anderen den Vortritt lassen.

Das dient dem kleinen Frieden. Es ist ein Anfang, der Mut macht, es hier und da zu versuchen.


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Dieser Beitrag wurde am 08.01.2022 gesendet.


Über den Autor Andreas Brauns

Andreas Brauns wurde 1962 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Nach dem Theologiestudium in Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau absolvierte er seinen Zivildienst in Hannover. Während dieser Zeit gab es erste Kontakte zur kirchlichen Rundfunkarbeit. Seit 1995 arbeitet er als Redakteur im „Katholischen Rundfunkreferat für den NDR“. Zudem arbeitet er seit einigen Jahren auch als Beauftragter für Funk- und Fernsehen im Bistum Hildesheim. Ein Wort des Apostels Paulus im Römerbrief begleitete ihn seit dem Studium: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“

Kontakt
andreas.brauns@bistum-hildesheim.de


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