Wort zum Tage, 07.01.2022

Andreas Brauns, Schellerten

Gebrauchsanleitung

Es beruhigt mich ungemein, wenn ich für ein neues Gerät auch eine Gebrauchsanleitung bekomme. So kann ich es vermeiden, beim Bedienen Fehler zu machen.

Jetzt habe ich so eine Art Gebrauchsanleitung gefunden – aber nicht etwa für ein spezielles Gerät – nein, es ist eine Gebrauchsanleitung für das Beten. Viele sagen ja: ich kann nicht beten, weiß gar nicht, was ich da sagen soll – und überhaupt: Wofür soll das Beten gut sein.

All das greift diese Gebrauchsanleitung auf und zeigt zudem noch, dass es zum einen kaum Worte braucht und warum das Gebet doch für etwas gut ist. Ich spreche von der Anleitung für das so genannte Ruhegebet. Geschrieben hat es der Gebetslehrer Peter Dyckhoff im Buch: „Ruhegebet – Fragen und Antworten“. Es richtet sich vor allem an die, die ihren eigenen Weg zur Ruhe suchen, zur inneren Mitte, zu Gott.

Das Ruhegebet ist eine uralte Gebetsform. Es geht zurück auf die frühen Mönche der ersten christlichen Jahrhunderte. Dyckhoff sagt, wer so betet, wird gelassener. Doch das ist am Anfang gar nicht so einfach, denn dafür muss ich alles in mir zum Schweigen bringen. Und bei diesem Beten kein Anliegen verfolgen.

Es geht darum, einfach nur da zu sein – vor Gott. Das fühlt sich nicht automatisch gut an. Im Gegenteil: Mein Körper lässt mich spüren, wie angespannt ich bin, was mich alles belastet. Peter Dyckhoff schreibt dazu:

„Beim Ruhegebet müssen wir rein gar nichts in uns aktiv halten. Lassen Sie das Ego, das Wollen und das Tun, ebenso das Vorstellen ganz aus dem Ruhegebet heraus.

(vgl. 196)

Und er rät dazu, allein ein kurzes Gebetswort immer wieder zu wiederholen – für 20 Minuten. Dieses Wort wird den betenden Menschen führen und zur Ruhe bringen. Es klingt beinahe zu einfach, doch der Gebetslehrer hat immer wieder beobachtet, wie das Ruhegebet Menschen verändert.

Sie werden achtsamer, ruhiger und leben in der Gegenwart Gottes. Sie unterscheiden zwischen dem, was auf Gott verweist und dem, was nur zweitrangig ist. Dabei ist allen Betenden bewusst: Ich mache im Ruhegebet nichts. Durch meine Hingabe bereite ich Gott nur den Weg, bei mir einzukehren und mich so zu wandeln, wie er mich gedacht hat.

Noch einen Ratschlag gibt Dyckhoff:

„Gehen Sie unbekümmert und vorbehaltlos in das Gebet. Konkrete Erwartungen engen das Bewusstsein ein und halten den Betenden an der Oberfläche. Überlassen Sie sich ganz dem Herrn.“

(218)

Das klingt für manche Ohren weltfremd. Doch es ist der Schlüssel: Alles lassen und nichts erwarten. Mich hat es gelassener gemacht, denn ich habe erfahren: Ich muss nichts leisten, um bewegt zu werden.


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Dieser Beitrag wurde am 07.01.2022 gesendet.


Über den Autor Andreas Brauns

Andreas Brauns wurde 1962 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Nach dem Theologiestudium in Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau absolvierte er seinen Zivildienst in Hannover. Während dieser Zeit gab es erste Kontakte zur kirchlichen Rundfunkarbeit. Seit 1995 arbeitet er als Redakteur im „Katholischen Rundfunkreferat für den NDR“. Zudem arbeitet er seit einigen Jahren auch als Beauftragter für Funk- und Fernsehen im Bistum Hildesheim. Ein Wort des Apostels Paulus im Römerbrief begleitete ihn seit dem Studium: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“

Kontakt
andreas.brauns@bistum-hildesheim.de


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