Wort zum Tage, 03.01.2022

Andreas Brauns, Schellerten

Das Ziel des Lebens

Für mich beginnt heute das Arbeitsjahr. Angesichts der Umstände ist da ein mulmiges Gefühl. Aber etwas ist heute wie vor der Pandemie: Ich muss mich daran gewöhnen, eine neue Zahl zu schreiben…

Denn wir schreiben das Jahr 2022 und sind damit etwas dichter dran an 2030, 2050. Den Jahren mit den ganz, ganz großen Zielen fürs Klima…

Große Ziele sind wichtig, nicht nur, wenn es darum geht, den Planeten für kommende Generationen zu bewahren. Auch ich brauche große Ziele für mein Leben. Eben mehr als gute Vorsätze, die ich viel zu oft doch nicht lange verfolge.

Ein Ziel wäre z.B. ein guter Mensch zu werden, trotz all der Verwerfungen in unserer Gesellschaft, die es nicht gerade einfach machen, dies Ziel zu verfolgen. Dann habe ich in einem Buch gelesen:

„Das Ziel des Lebens ist nicht ein guter Mensch zu sein!“

Ich traute meinen Augen nicht und noch weniger meinen Englischkenntnissen. Aber das stand da tatsächlich in dem Buch aus Amerika.

„Das Ziel des Lebens ist nicht ein guter Mensch zu sein.“

Geschrieben hat das der indische Priester Paul Coutinho.

Aber mir hatte man doch genau das Gegenteil gesagt - von klein auf. In dem Buch „Just as you are“ heißt es dagegen:

„Es gibt viele gute Menschen auf der Welt. Aber sie sind gut für nichts. Es ist umsonst. Sie haben das Interesse am Leben verloren, weil sie glücklich damit sind, gut zu sein.“

Ja, es gibt diese guten Menschen, wie Paul Coutinho sie auch bewusst nennt, doch das sind oft gerade jene, die immer von der guten alten Zeit träumen. Sie haben kein Verlangen mehr nach dem, was das Leben heute bietet. Diese Menschen lieben Gott nicht mehr, denn der ist immer größer.

Dann schreibt Coutinho:

„Das Ziel des Lebens ist nicht: gut zu sein, das Ziel ist: besser zu werden!“

Der Priester ist davon überzeugt: Gott wird die Beziehung zu Menschen erschüttern und aufbrechen, damit sie wachsen kann, besser wird.

Damit Menschen nicht so enden wie die Pharisäer, von denen in den Evangelien die Rede ist. Sie sind gut, denn sie halten alle Gebote. Sie kennen das Gesetz und leben danach. Aber sie können das Leben nicht feiern, weil sie Angst haben, einen Fehler zu machen und dafür bestraft zu werden.

Für sie ist Gott der Gott des Gesetzes. Nicht aber der Gott des Lebens, der es schenkt, damit Menschen es entfalten und leben. Das Leben ist das große Abenteuer, in dem es keinen Stillstand gibt.

Es ist und bleibt die Liebesgeschichte zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen. Paul Coutinho schreibt in seinem Buch:

„Da ist immer noch mehr. Gottes Energie ist unerschöpflich. Und so kann ich ein besserer Mensch werden”.

Auch 2022.


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Dieser Beitrag wurde am 03.01.2022 gesendet.


Über den Autor Andreas Brauns

Andreas Brauns wurde 1962 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Nach dem Theologiestudium in Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau absolvierte er seinen Zivildienst in Hannover. Während dieser Zeit gab es erste Kontakte zur kirchlichen Rundfunkarbeit. Seit 1995 arbeitet er als Redakteur im „Katholischen Rundfunkreferat für den NDR“. Zudem arbeitet er seit einigen Jahren auch als Beauftragter für Funk- und Fernsehen im Bistum Hildesheim. Ein Wort des Apostels Paulus im Römerbrief begleitete ihn seit dem Studium: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“

Kontakt
andreas.brauns@bistum-hildesheim.de


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