Katholischer Weihnachtsgottesdienst

aus der evangelischen Matthäuskirche in Stuttgart

Predigt von Pfarrer Steffen Vogt

Liebe Schwestern und Brüder,

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott“ – So beginnt das Evangelium nach Johannes. Mit seinem rätselhaften Anfang lädt uns der Evangelist ein, über das Geheimnis von Weihnachten nachzudenken. Gott wird in Jesus ein sichtbarer Teil unserer Geschichte. Gott wird Mensch.

Das glauben wir als Christen. Und müssen trotzdem jedes Jahr von neuem üben, das zu verstehen: Das Wort ist Fleisch geworden. Ein Kind in der Krippe. Dorthin machen wir uns nun gemeinsam auf den Weg. Um nachzudenken. Aber auch um zu staunen und uns zu freuen.

Was ruft dieses Bild des Kindes in der Krippe in mir wach? Was teilt mir das Kind in der Krippe mit? Das sind zwei Fragen, über die ich oft nachdenke. Nicht nur an Weihnachten. Aber heute werde ich besonders dazu angeregt. Weil es etwas zu sehen gibt, von dem, was ich glaube. Weil das auch andere sehen. Und weil ich, was ich sehe, mit anderen teilen kann.

Die Szene mit dem Kind in der Krippe ruft in mir viele Erinnerungen wach. An die Krippe in meiner Heimatkirche, vor der ich oft stand. Und auch in meiner Familie gibt es eine Krippe. Dort singen und beten wir an Weihnachten.

Meine zweite Frage schließt sich unmittelbar an: Was teilt mir das Kind aus der Krippe heraus mit? Ich stelle mir vor, dass das Kind wirklich mit mir spricht. Oft ist die Krippe die hellste Stelle in einer Krippenlandschaft. Meistens lächelt das Jesuskind, hat seine Arme ausgebreitet, strahlt Zuversicht aus.

Ich könnte mich jetzt mit den schwierigen Umständen von Maria und Josef ausführlich beschäftigen. Ich kann mich aber auch von dieser ins Licht gerückten Zuversicht einnehmen lassen. An der Krippe, die dann auf einmal mitten in meinem Leben steht. Das teilt mir das Kind in der Krippe mit: Suche nach den kleinen und unscheinbaren Momenten der Zuversicht und der Hoffnung in Deinem Leben und halte daran fest: wenn du spürst, wie gut es jemand mit dir meint; wenn es dir gelingt, jemandem zu trösten; wenn dir ein anderer vertraut.

Gerade gibt es zu wenig Momente, sich zu begegnen und miteinander zu feiern, unterwegs zu sein und einander zu besuchen. Aber es gibt sie. Und dann ist es gut, sie auszukosten und zu schätzen: am Telefon, in Briefen, in Gesprächen zwischen Tür und Angel.

Es gibt Menschen, die mich kritisieren und die nicht gut finden, was ich tue und entscheide. Das prägt sich mir ein und beschäftigt mich. Das drückt mich nieder. Es gibt aber auch Menschen, die mich ermutigen und die zu mir sagen „das hast Du gut gemacht“ – der neugeborene Jesus macht mir Mut, eher an diesen Momenten festzuhalten.

Dann stehe ich an der Krippe und sehe ein Kind, das mir die Hände entgegenstreckt, das mich zuversichtlich anblickt und zu mir spricht: „Es kommt darauf an, dass Du auf Deine Möglichkeiten blickst und sie auch ergreifst. Ich bin derjenige, der Dir den Mut dazu gibt und Deine Hoffnung stärkt, durch den Du begreifst, dass Gott dich auf diese Weise nicht alleine lässt.“

Ich gehe nicht mit einer rosaroten Brille durchs Leben. Aber das Kind in der Krippe ermutigt mich dazu, den schönen und guten Momenten meines Lebens mehr Beachtung zu schenken. Mich mit dem Licht mehr zu beschäftigen als mit der Dunkelheit – das bedeutet für mich Weihnachten. Das gibt mir das Kind in der Krippe mit auf meinen Lebensweg. Das ist meine Weihnachtsbotschaft.


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Dieser Beitrag wurde am 25.12.2021 gesendet.





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