Wort zum Tage, 24.12.2021

Pater Bernhard Venzke, Leipzig

Vorbereitet sein ist alles

Gelegentlich frage ich im Religionsunterricht oder auch einmal im Gottesdienst:

„Wann feiern wir Weihnachten?“

Prompt kommt bei manchen Kindern strahlend:

„Am 24. Dezember.“

- Meine ernüchternde Reaktion:

„Nö!“

Fragezeichen in den meisten Augen. Ein paar aufgeweckte Kleine schmunzeln und rufen:

„Am 25.!“

Genau!

Ja, Sie werden lachen oder auch nicht, aber der heutige Tag heißt ja bekanntlich auch nicht ‚Weihnachten‘, sondern ‚Heilig Abend‘.

Das Wort ‚Abend‘ hatte ursprünglich auch die Bedeutung von ‚nahe dran‘. Und das passt ja zu dem heutigen Tag, so dicht an Weihnachten dran, oder?

Das Ganze hat so etwas von „schon“ und „noch nicht“. Ich sage mal so: der Weihnachtsbaum steht schon mal da, aber leuchtet noch nicht. Mit seiner Anwesenheit macht er deutlich: Weihnachten steht auch nicht mehr vor der Tür sondern ist bereits greifbar nah.

Bei mir zu Hause stand auch schon die Krippe auf unserem Klavier – aber das Christkind lag noch nicht in der Krippe, obwohl Josef und Maria bereits da waren. Und die schöne Kerze beim Stall von Bethlehem war ebenfalls noch nicht angezündet und der Stern lag noch in seiner Schachtel – gleich neben Jesus.

So war bereits alles vorbereitet, auch in der ganzen Wohnung. Wir Kinder haben sogar mal unser Zimmer ordentlich aufgeräumt, es könnte ja sonst eventuell Abstriche bei den Gaben des Christkindes geben…

Tja, vorbereitet sein ist nun mal alles – nicht nur am Heiligen Abend oder an Weihnachten. Eventuell sogar darüber hinaus?

Es geht ja schließlich um die Ankunft Gottes – auch in meinem Leben. Und die geschah halt nicht nur vor rund 2000 Jahren. Gott kommt immer noch in Menschengestalt bei Ihnen wie bei mir an! Und zwar in der oder dem Nächsten. Wenn der Mensch so will, dann geschieht diese Ankunft tagtäglich – in jeder menschlichen Begegnung.

Damit ist also, um es mal provokant zu sagen, der Advent mit dem morgigen Tag längst noch nicht zu Ende. Und auch Weihnachten endet nicht mit dem 9. Januar nächsten Jahres.

Denken Sie bitte daran: Vorbereitet sein ist alles. Und diese Vorbereitung für die Begegnung mit Gott im Nächsten ist unsere Offenheit, unser Wohlwollen und unsere Hilfsbereitschaft. Das braucht nicht viel! Eigentlich nur einen guten Willen, Herzlichkeit und bitte auch ein gewisses Maß an Nachdenken. Eine Prise Humor würde das Ganze noch abrunden.

Eine gute Vorbereitung sichert gegebenenfalls auch ein gutes Fest. Und das wünsche ich Ihnen und Ihren Familien von ganzem Herzen.


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Dieser Beitrag wurde am 24.12.2021 gesendet.


Über den Autor Pater Bernhard Venzke, OP

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