Wort zum Tage, 21.12.2021

Pater Bernhard Venzke, Leipzig

Farben des Advents

Violett, grün und rot. – Das sind die drei Farben, die uns in der Adventszeit besonders häufig begegnen.

Die Farbe Violett vor allem in den Gottesdiensten, z.B. in den Gewändern. Ich finde es eigentlich schade, dass diese Farbe oft mit Sünde und Buße allein verbunden wird. Denn eigentlich symbolisiert sie das Neue.

Und wenn wir uns einmal vorstellen, dass hinter dem christlichen Aufruf zur Buße die Botschaft steht: Uns wird vergeben – dann fühlt sich das schon wie ein neues Leben an. In manchen Kulturkreisen ist Violett übrigens auch die Farbe der Hebammen und des neuen Lebens.

So könnte durchaus auch der Advent als die Zeit der Verheißung eines völlig neuen Lebens betrachtet werden. Denn es geht auf Weihnachten zu. Das Fest, an dem wir feiern, dass Gott als Mensch in die Welt gekommen ist.

Und das führt uns direkt zu der Farbe Grün – Zeichen der Hoffnung.
Die Geburt Jesu, seine Auferstehung und die uns darin zugesagte Vergebung gibt uns allen Hoffnung.

Grün weist auch auf das Leben hin. In Norddeutschland sagt man zum Beispiel von Jemandem, der auf dem Weg der Genesung ist, er „grünt durch“. Das Leben bricht sich sozusagen im Menschen wieder Bahn.

Ja, und kurz vor der Adventszeit in dem dunklen Monat November gibt es auf den Gräbern unserer Lieben auch wieder dieses Grün. Und auf nichts Anderes weist auch der immergrüne Adventskranz hin. Er ist Zeichen des Lebens.

Auf ihm gibt es – wenn man nicht alle möglichen Modetrends mitmacht – die roten Kerzen oder auch rote Bänder. Das sieht nicht nur sehr ästhetisch aus, sondern hat auch selbst wieder eine tiefere Bedeutung. Denn rot ist die Farbe der Liebe. Und in Liebe kann man – natürlich auch die Frau – einfach mal entflammen.

Falls es sich nicht gerade um LED-Leuchtmittel handelt, dann trifft auf diese echten Kerzen noch eine andere symbolische Tatsache zu: Wie bei der Liebe, strahlt der Mensch von innen heraus und er verzehrt sich dabei. Wie unsere Kerzen auf dem Adventskranz. Aus diesem Ring des Lebens wird dann ja auch in vier Tagen – plus / minus Vorbereitungszeit – der Baum des Lebens in unseren Wohnungen und Kirchen leuchten.

Wie eine Fortsetzung des sich vermehrenden Lichtes finden wir dann an eben diesem Symbol des Lebendigen auch weitaus mehr Lichter.

Nur die Farbe Violett ändert sich in Weiß bei den Gottesdiensten. Weiß ist die erfahrbare Wirklichkeit des unbegreiflichen Geheimnisses Gottes und unseres Lebens. Auch das feiern wir in vier Tagen.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 21.12.2021 gesendet.


Über den Autor Pater Bernhard Venzke, OP

Kontakt
info@dominikaner-leipzig.de

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche