Gottesdienst am Dritten Adventssonntag

aus der Klosterkirche St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau

Predigt von Kaplan Jens Bulisch

Liebe Schwestern und Brüder,

„sag mal, Du hast doch jetzt eine neue Arbeit. Verdienst Du da mehr?“ – eine ganz normale Frage und sicherlich auch häufiger gestellt. „Wieviel verdienst denn Du?“

Wir bekommen Verdienst – zumindest eine Verdienstbescheinigung für die Steuer oder für irgendwelche Anträge. Wir bekommen Gehalt. Beamte bekommen Besoldung. Wie bei den Soldaten im heutigen Evangelium. Ihnen sagt Johannes der Täufer: begnügt euch mit eurem Sold. Ja, das schöne Wort „Sold“. Wir kennen es vom „Soldaten“. Im Auftrag des Staates unterwegs, bekommt man Sold.

„Sag mal, was verdienst denn Du?“ Es ist eine einfache, eine normale Frage – die im Alltag unter Freunden und Bekannten wohl öfter gestellt wird. Ob sie ehrlich beantwortet wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber schauen wir einmal genauer: was verdienst denn Du? Ich meine, man sollte vielleicht gelegentlich präziser fragen: was bekommst denn Du?

Das, was man bekommt – ob als Verdienst, Gehalt oder Besoldung – mag ja noch etwas anderes sein, als das, was man verdient. Vielleicht bekommt man mehr als man verdient. Aber viele bekommen in unserem Land auch viel weniger als sie eigentlich verdienen. Manche bekommen gar nichts. Nun ja, da könnte man tiefsinnig werden …

Liebe Schwestern und Brüder,

im heutigen Evangelium, werden verschiedene Berufsgruppen vorgestellt, von denen einige mit Blick auf ihren Berufsstand offensichtlich nach dem Sinn und Ziel ihres Lebens fragen: Was sollen wir tun? Und Johannes der Täufer antwortet ihnen je nach ihrer Berufsgruppe. Den Zöllnern empfiehlt er: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Den Soldaten sagt der Täufer: Begnügt euch mit eurem Sold. Und indem er aufs soldatische Handwerk schaut: Misshandelt niemanden, plündert nicht. Nun ja, fein ausgewichen, könnte man meinen. Was machen Soldaten eigentlich? Im Ernstfall müssen sie töten. Aber das wird hier im Evangelium nicht thematisiert.

Es fragen die Zöllner, es fragen die Soldaten. Was sollen wir tun? Zwei Berufsgruppen, die – aus damaliger Sicht – in den Augen ihrer Mitmenschen ungerechten Handwerken nachgingen. „Können wir auch zu dir, Johannes, gehören?“ Aber Johannes der Täufer problematisiert den schwierigen Stand ihrer Berufe nicht, sondern gibt lediglich einen Hinweis, wie sie ihn ausüben können.

Die Zöllner, die Soldaten! Als Knechte der damaligen römischen Besatzungsmacht waren sie auch politisch anrüchig. Was wäre also zu erwarten gewesen? Dass Johannes sagen würde: „Na Ihr? Auf gar keinen Fall!“ Nein, der Täufer lässt die Gelegenheit, politisch Haltung einzufordern, verstreichen. Er sagt auch nicht: „Ihr Zöllner nehmt immer nur, ihr Soldaten, ihr mordet nur. Auf keinen Fall könnt ihr zu mir gehören!“ Das wäre auch erwartbar gewesen.

Aber er sagt es nicht. Er lenkt den Blick auf ihr Einkommen, nüchtern, sachlich – für meinen Eindruck nimmt er die Luft raus – und gibt einen Hinweis: nehmt nicht mehr als festgesetzt ist; begnügt euch an eurem Sold. Seid und bleibt redlich.

Nun können wir das weiterführen und auf je eigenen Berufe schauen und womit jeder von uns sein Geld verdient. Da kann nun die Phantasie spazieren gehen und sich zusammenreimen, welche Empfehlung Johannes uns aussprechen würde.

Der Täufer ermahnt zur Redlichkeit – jeden in seinem Beruf, jeden in seiner Situation, mit alten Worten hätte man vielleicht gesagt „jeden in seinem Stand“.

Was sollen wir tun? Bleibt redlich, bleibt ehrlich. Johannes sagt, das würde ausreichen, um im Gericht zu bestehen. Und Johannes versäumt es ja auch nicht, das Gericht wortreich und bildhaft zu beschreiben: mit der Schaufel in der Hand wird Weizen von Spreu gesiebt. Das unbrauchbare wird ins Feuer geworfen. Johannes warnt vor dem Gericht und fordert lediglich Redlichkeit ein. Es braucht keine Verrenkungen, keine Höchstleistungen, nur ehrliche Berufsausübung.

Aber Johannes weiß sehr gut, er richtet nicht selbst. Ein anderer, der Messias wird kommen und streng richten. Aber man braucht vor ihm keine Angst zu haben, wenn man redlich und ehrlich ist.

Hier zeigt sich die Spannung zwischen dem, was ich in meinen Eingangsworten schon andeutete: zwischen der Frage „was verdienst denn du?“ und der Frage „was bekommst denn du?“

Was verdienst Du, was bekommst Du? Es sind Fragen, die jeder für sich in seinem Verantwortungsbereich – in seinem beruflichen Leben, selbst stellen kann und muss. Auch als Vorgesetzter oder Vorgesetzte, wenn er für andere die Gehälter festsetzt. 

Liebe Schwestern und Brüder,

ins Geistliche gewendet ist diese Frage für uns alle nicht bedeutungslos. Auch wir haben einen Beruf – ja eine Berufung. Berufen zu sein von Gott, von ihm angesprochen und gerufen zu werden. Und so steht für uns hier die Frage, was wir verdienen und was wir bekommen. Anders als im Berufsleben unserer Welt ist die Antwort klarer: verdient haben wir die große Zuwendung Gottes nicht. Gewiss, wir haben uns hier und da bemüht, mal mehr mal weniger.

Aber eine Lücke bleibt. Verdient haben wir Gottes Liebe und Zuwendung nicht – da hilft alles Mühen nicht. Aber wir bekommen seine gnädige Zuwendung – unabhängig von unserem kleinen oder großen Verdienst.

Keiner kann uns diese Zuwendung mehr wegnehmen. Bei all dem, was wir in unserem Leben erreichen können und erreichen wollen, das Größte und Wichtigste haben wir schon: Gottes liebende Gnade. Darüber können wir uns freuen.

Gaudete!


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Dieser Beitrag wurde am 12.12.2021 gesendet.





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