Feiertag, 28.11.2021

von Schwester Melanie Wolfers, Wien

Zuversicht. Von der Kraft, die an das Morgen glaubt

Angesichts schlechter Nachrichten im Fernsehen, in den Zeitungen oder im Radio fällt es schwer, zuversichtlich zu bleiben. Dabei ist es so wichtig, die Zuversicht nicht zu verlieren und sich immer wieder daran zu erinnern, was Zuversicht ist und sie kann.

© Brett Sayles / Pexels

Vor kurzem bin ich in einem Interview gefragt worden:

„Frau Wolfers, Sie schreiben und sprechen derzeit viel über Zuversicht – und das in Zeiten, in denen das Klima kollabiert, die Meere zugemüllt werden; die Coronapandemie noch lange nicht vorbei ist und über 80 Millionen Menschen auf der Flucht sind… Mal ehrlich: Wenn Sie bei alledem über Zuversicht reden, ist das nicht naiv und weltentrückt?!?“

Ich habe spontan geantwortet:

Nein, im Gegenteil, das ist weltzugewandt! Denn die Zuversicht hilft uns, dass wir uns den Problemen zuwenden und Krisen angehen.“

Ich bin überzeugt, angesichts der persönlichen und gesellschaftlichen Krisen brauchen wir mehr denn je die Kraft der Zuversicht. Sie ist eines unserer größten seelischen Potenziale!

Wird wirklich schon alles gutgehen?

Um ein Missverständnis zu vermeiden: Zuversicht ist alles andere als ein blauäugiger Optimismus, der die Probleme ausblendet und naiv-unbekümmert annimmt:

„Ach, es wird schon alles gut gehen!“

Der Unterschied zwischen pessimistischen, optimistischen und zuversichtlichen Personen lässt sich mit einer Geschichte illustrieren: mit der bekannten Parabel von den drei Fröschen:

Drei Frösche gehen auf Wanderschaft und fallen dabei in einen Topf voller Sahne. „Ach, irgendjemand wird uns hier schon rausholen und uns retten“, denkt der erste Frosch optimistisch. Er wartet und wartet – und ertrinkt.

Der zweite Frosch jammert pessimistisch: „Oje, was hilft es, wenn wir uns anstrengen? Wir sind sowieso verloren.“ Er hört auf zu strampeln, lässt sich zu Boden sinken – und ertrinkt ebenso.

Der dritte Frosch erkennt die Lage und kommt zu dem Schluss: „Da hilft wohl nur Strampeln!“ Er strampelt und strampelt – bis die Sahne zu Butter geworden ist und er sich mit einem kräftigen Sprung aus dem Topf retten kann.   

Was Zuversicht bedeutet 

Eine zuversichtliche Person erkennt den Ernst der Lage. Sie nimmt die Schwierigkeiten wahr, lässt sich aber davon nicht lähmen. Vielmehr entdeckt sie zugleich auch Perspektiven, die sich auftun. Sie ist „possibilistisch“ – eine Person also, die Möglichkeiten sieht.

Und die den Mut und den Schwung hat, die vorhandenen Spielräume zu nutzen – und seien sie noch so klein. Ganz in diesem Sinn ist Zuversicht eine Art Spürsinn für das, was die Zukunft an positiven Möglichkeiten mit sich bringen könnte.

Da ist etwa der Einsame, der sich auf einer Online-Partnerbörse anmeldet. Oder die Mitfünfzigerin, die trotz vielfacher Absagen erneut ein Bewerbungsschreiben für eine Stelle verfasst. Zuversicht weist ihnen den Weg und gibt ihnen die Kraft, Widerständen zu trotzen.…

Darum will ich Ihnen zunächst darlegen, was sich der Zuversicht in den Weg stellt. Um dann zu fragen: Woraus speist sich Zuversicht? Und wie können wir diese Quellen freilegen und aus ihnen schöpfen?

Erster Advent

Gerade der Advent, der mit dem heutigen Sonntag beginnt, ist eine Gelegenheit und Chance, das Licht der Zuversicht ins eigene Leben hineinzulassen und anderen weiterzugeben.

Eines Tages kam ein Professor in das Seminar und verteilte ein Aufgabenblatt, doch zur Verwunderung aller gab es darauf keine Fragen – nur einen schwarzen, unregelmäßigen Punkt ungefähr in der Mitte der Seite. „Ich möchte Sie bitten, aufzuschreiben, was Sie auf dem Blatt sehen“, sagte der Professor.  

Die Studierenden waren verwirrt, begannen jedoch mit ihrer Arbeit.

Nach einiger Zeit sammelte der Professor alle Antworten ein und begann sie laut vorzulesen. Alle hatten ohne Ausnahme den schwarzen Punkt beschrieben – seine Position in der Mitte des Blattes, seine Größe und Form usw.

Nun lächelte der Professor und sagte: „Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt – und das gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen, aber wir konzentrieren uns immer auf die dunklen Flecken.“ 

Diese Begebenheit zeigt eindrücklich, was zahlreiche Studien belegen: Die menschliche Wahrnehmung arbeitet unzuverlässig. Dazu gehört auch die einseitige Konzentration auf das Negative.

Das Positive wirkt oft kleiner

Unser Gehirn beschäftigt sich wie von selbst vor allem mit den „dunklen Punkten“: Mit dem, was fehlt oder belastet – ein Konflikt, ein cholerischer Chef, gesundheitliche Beschwerden … – oder mit dem, was in der Welt schiefläuft. Das Positive hingegen gerät, ähnlich wie das weiße Papier, schnell aus dem Blick.

Der Negativfokus hat durchaus sinnvolle Gründe! Insbesondere aus Sicht der Evolution war ein gefahrensensibles Gehirn von größtem Vorteil. Das Problem liegt in der Einseitigkeit, in der negativen Verzerrung unserer Wahrnehmung.

In der Folge erscheint die Wirklichkeit negativer als sie ist: gefährlicher, dunkler, schlechter, katastrophaler... Und das schwächt unsere Zuversicht.

Es braucht Beides: den Blick auf das Negative und Schwierige und die Aufmerksamkeit für das Positive und Mutmachende. Nur Letzteres gibt die Kraft und Zuversicht, wieder aufzustehen, wenn eine Situation einen in die Knie gezwungen hat.

Den Blick für Zuversicht schärfen

Die eigene Zuversicht zu stärken, beginnt also mit der Frage: Wie nehme ich die Welt wahr? Und mit welcher Optik blicke ich auf die Realität?

Um die Gewohnheit zu durchbrechen, sich vor allem auf das Problematische zu konzentrieren, kommen dem Tagesbeginn und dem Tagesabschluss eine besondere Bedeutung zu.

Jeder Morgen bietet die Chance, die eigene Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung zu lenken und sich für einen Fokus zu entscheiden. In einem Bild ausgedrückt: Man kann am Morgen unterschiedliche Brillen aufsetzen.

Je nachdem, welche Brillentönung man wählt – eine dunkle, eine helle, eine rosarote … –, wird der Tag in ein anderes Licht getaucht. Er wird eine unterschiedliche Färbung erhalten.

Mir persönlich hilft ein lyrischer Text des Dichters Andreas Knapp, den ich mir jeden Morgen in Erinnerung rufe, indem ich ihn leise vor mich hinspreche. In diesem Gedicht namens „Laudes“ heißt es:

Wenn nach Schreckstunden des Dunkels

der Morgen die Augen aufschlägt

geh ihm singend entgegen

erwache ins Lob

und das Lob weckt dir die Welt

dass sie dir singe[i]   

Routinen im Alltag helfen

Ebenso hilfreich ist, für einen guten Tagesausklang zu sorgen – vielleicht mit einem ruhigen Gespräch oder schöner Musik. Oder indem man ein Zuversichts-Tagebuch führt.

Das heißt konkret: Ich blicke abends auf den vergangenen Tag zurück und notiere mir zwei, drei Ereignisse oder Dinge, die mich hoffnungsvoll gestimmt haben. Und kann diese Gott dankend und bittend anvertrauen.

Wenn ich mit diesen Bildern vor Augen einschlafe, wird dies der Nachtruhe und dem Start in den neuen Morgen guttun.

Quelle 1: die Natur

Zuversicht – aus welchen Quellen speist sie sich? Und damit verbunden: Wie lässt sich Zuversicht wecken und stärken? Fünf Quellen seien im Folgenden benannt, beginnend mit der Natur.

Viele Menschen erleben die Natur als eine ihrer größten Quellen in Sachen Zuversicht. Das wundert nicht, denn gerade in der Natur können wir die Erfahrung von Resonanz machen.

Im Freien fühlen wir uns mit der Natur verbunden, werden von ihr angesprochen. Denn Natur ist nicht nur Umwelt, sondern vor allem auch Mitwelt. Wir kommen aus der Natur und sind ein Teil von ihr. Und daher können uns andere lebendige Wesen – Tiere, Blumen, Bäume ... – auf einer tiefen Ebene ansprechen.

Das funktioniert nicht über den Verstand; sondern dazu brauchen wir das Sinnliche. Wir müssen den Wind auf der Haut spüren oder die Vögel singen hören ... Die Natur hilft zu spüren, was es heißt, lebendig zu sein. Ohne Worte verstehen wir:

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

(Albert Schweizer)

Quelle 2: die Erinnerung

Eine zweite Quelle von Zuversicht liegt darin, aus der Erinnerung zu schöpfen. Das Leben mutet manche schwierige oder bisweilen beinharte Situation zu. Und dementsprechend haben sich alle im Lauf des Lebens viele Kompetenzen angeeignet, um damit umzugehen.

Ich erinnere mich an ein seelsorgliches Gespräch: Eine Frau erzählt mir mit einem leichten Schauder, aber noch mehr mit Dankbarkeit und Freude von den zurückliegenden Jahren, in denen es so viel Belastendes gab: der Hausbau, das zweite Kind, berufliche Herausforderungen und dann wurde noch die Mutter krank …

Manchmal wusste sie weder ein noch aus, doch schließlich hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann die Situation gemeistert. Ich konnte förmlich zusehen, wie sich die Frau während des Erzählens unmerklich immer mehr aufrichtete und ihr Selbstvertrauen wuchs.

Wenn man sich wie diese Frau in Erinnerung ruft, welche Krisen man alle schon bestanden hat, dann stärkt das die Einsicht:

„Ich bin mit dieser Sache ganz gut klargekommen“,

und vertieft zugleich das Vertrauen in sich selbst und die Fähigkeit, dem Leben gewachsen zu sein. Und es stärkt die Zuversicht, dass einem Ähnliches auch heute möglich ist. Auf den Punkt gebracht: Zuversicht ist Erinnern in die Zukunft hinein! 

In Baltimore in den USA wurde vor vielen Jahren eine bemerkenswerte Studie erstellt. Soziologen hatten Bewertungen über die zu erwartende Zukunft von insgesamt 200 männlichen Jugendlichen erstellt, die in den Slums der Großstadt lebten. In jedem einzelnen Fall lautete das Ergebnis: ‚Der Junge wird keine Chance haben.‘ Fünfundzwanzig Jahre später wurde überprüft, was aus diesen Jugendlichen geworden war. Das Ergebnis: Mit Ausnahme von zwanzig Jungen, die weggezogen oder verstorben waren, hatten fast alle weiteren einen mehr als ungewöhnlichen Erfolg erlangt - als Anwälte, Doktoren und Geschäftsleute.

Glücklicherweise konnten die Männer aus der damaligen Studie befragt werden: ‚Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?‘ Jeder von ihnen antwortete: ‚Es gab eine Lehrerin.‘ 

Die besagte Lehrerin konnte ausfindig gemacht werden – man fragte die alte Dame, welche magische Formel sie benutzt habe, um diese Jungen aus den Slums herauszureißen. Die Augen der Lehrerin funkelten, und auf ihren Lippen erschien ein leises Lächeln. ‚Es war wirklich ganz einfach‘, sagte sie. ‚Ich liebte diese Jungen.“[ii]

Von dieser Studie aus Baltimore habe ich vor vielen Jahren gelesen und sie geht mir nicht aus dem Kopf. Auf beeindruckende Weise zeigt sie: Wenn wir Menschen einander wohlwollend-anerkennend begegnen, dann liegt darin eine kreative Kraft!

Quelle 3: vertrauensvolle Beziehungen

In der Hoffnung, die wir für andere hegen, liegt ein schöpferisches Potential. Darin liegt eine dritte zentrale Quelle von Zuversicht: in vertrauensvollen Beziehungen.

Vertraut uns eine Person und traut sie uns etwas zu, dann festigt das unser Vertrauen in uns selbst und unsere Fähigkeiten. Gerade in Krisen – wenn sich das Selbstvertrauen so groß anfühlt wie ein Zwerg mit Hut –tut es unendlich gut, wenn man erfährt:

„Da glaubt jemand an mich und daran, dass ich die Situation bewältigen kann!“

Ich persönlich erinnere mich an lange, dunkle Monate. Wie wohltuend wirkte es, dass es Menschen gab, die an mich geglaubt haben. Und die stellvertretend für mich gehofft haben, dass es einen neuen Morgen geben wird.

Natürlich lassen sich solche Begegnungen nicht herstellen oder einfordern! Sie sind ein Geschenk. Doch wir können uns Zeit nehmen, um tragfähige Beziehungen zu pflegen. Und wir können selbst den Anfang machen, anderen in dieser Weise zu begegnen.

Gute Beziehungen werden aber auch dadurch zu einer Quelle von Zuversicht, wenn wir erfahren, dass wir anderen Menschen vertrauen können. Uns auf sie verlassen können.

Insbesondere, wenn in Krisen der Boden unter den Füßen wackelt, gibt eine tragfähige Beziehung Halt. Und wenn es hart auf hart kommt, setzt das Wissen, auf andere bauen zu können, Hoffnung frei.

Quelle 4: Erfahrung und Überzeugung

Eine vierte Quelle von Zuversicht liegt in der Erfahrung, dass man sein Tun als sinn- und wertvoll erlebt. Ein Beispiel dafür ist für mich Greta Thunberg, die mit ihrem Streik für das Klima Millionen Menschen auf die Straße gebracht hat.

In einer Talkshow – im Gespräch mit Anne Will – antwortete sie auf die Frage nach der Quelle ihrer „radikalen Entschlossenheit“:

„Ich bin Realistin. Ich sehe Fakten.“

Als Anne Will sie fragte, ob sie keine Angst habe, dass ihre Mission scheitern könne, antwortete sie:

„Ich habe keine Mission. Ich wollte nur alles tun, was in meiner Kraft liegt, um Aufmerksamkeit auf die Klimakrise zu lenken.“

Hätte Greta Thunberg nur an ihre Erfolgsaussichten gedacht, hätte sie ihren Klimastreik wohl nie begonnen. Doch sie ließ sich von Werten leiten, die ihr am Herzen liegen. 

Und damit kommt eine wichtige Quelle von Zuversicht in den Blick: Die Überzeugung, dass das, was man tut, einen Wert hat – auch in schwierigen Umständen oder in entmutigenden Entwicklungen. Für mich ist ein Satz von Vaclav Havel von zentraler Bedeutung:

„Es geht nicht um die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern um die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“

Darin liegt das Geheimnis von Zuversicht.

Quelle 5: gelebte Spiritualität und Glaube

Bleibt noch die fünfte Quelle der Zuversicht: Kaum etwas stiftet so viel Halt und Sinn und spendet mehr Zuversicht als gelebte Spiritualität und ein tragfähiger Glaube!

Auch Menschen, die sich nicht als praktizierend Glaubende sehen, können aus dieser Quelle schöpfen – etwa indem sie sich ganz auf die Gegenwart konzentrieren und aufmerksam werden für das, was da ist: Indem sie die Natur mit allen Sinnen spüren, den Duft eines geliebten Menschen einatmen, die Sterne betrachten, den Geschmack eines knusprigen Brotes genießen, in die Stille eintauchen.

Manchmal blitzt in solchen Augenblicken das Wunder schlichten Daseins auf: Die staunenswerte Tatsache, dass ich gerade jetzt am Leben bin. Wer in diesem Sinne wach ist für das Hier und Jetzt, ahnt bisweilen, in der Gegenwart von etwas Größerem zu sein. 

„Der Augenblick ist das Gewand Gottes“,

formuliert der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber.

Darin liegt eine spirituelle Grunderfahrung: Ich spüre, ich bin nicht allein auf mich gestellt, sondern weiß mich verbunden mit einem großen Ganzen. Ich bin eingebettet in einen Zusammenhang, der über alles Begrenzte hinausreicht.

Natürlich: Eine solche Resonanz-Erfahrung lässt sich kaum in Worte fassen! Die christliche Tradition glaubt, dass der göttliche Zusammenhang „Liebe“ heißt. Dass diese Liebe ansprechbar ist. Und dass wir von der Liebe Angesprochene sind. Wir also mit Gott auf Du und Du stehen. 

Fallen lassen

Die Bibel sieht in der Hoffnung ein Kennzeichen des christlichen Glaubens. Und als Christin und Ordensfrau werde ich immer mal wieder gefragt, ob mir mein Glaube hilft, mit Krankheit und Krisen, mit Leid und Sterben gelassener umzugehen.

In solchen Momenten zitiere ich gerne das Gedicht „Herbst“ von Rainer-Maria Rilke. Dieses Gedicht nimmt Ruhe und es gibt Ruhe. Es drückt die bleibende Spannung aus von Einsamkeit und Hoffnung, von Trauer und Vertrauen. Von hoffen und bangen.

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,

Als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

Sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde

Aus allen Sternen in die Einsamkeit.

 

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andre an: Es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen

Unendlich sanft in seinen Händen hält.

Die christliche Hoffnung

„Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an: es ist in allen.“

Eine Wendung nimmt das Gedicht, als es den Blick auf etwas Tieferes richtet:

„Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Als Christin hoffe ich, dass nichts und niemand ins Leere fällt, sondern gehalten und aufgehoben ist in einer größeren, umfassenderen Wirklichkeit. Diese letzte Wirklichkeit ist gemeint, wenn die Weltreligionen von Himmel oder ewigem Leben sprechen.

In verschiedenen Bildern drückt die Bibel die Hoffnung auf Auferstehung, auf ein „Leben in Fülle“, ein „Leben in Gott“ aus. Wie diese Wirklichkeit aussieht, weiß niemand. Doch dass unser endliches Leben mit seiner Schönheit und seinem Schrecken im Unendlichen geborgen ist – darin kommen die biblischen Bilder überein.

Eine solche Hoffnung wirkt wie ein Licht, das hilft, sich der ängstigenden Dunkelheit zu stellen. Ein Licht, das einen neuen Morgen verspricht. 

Die christliche Hoffnung bietet keinen Weg an, Not und Leiden theoretisch zu verstehen. Doch sie kann einen Weg öffnen, diese zu bestehen – und das vor allem in solidarischer Sorge um diejenigen, die um ihr Leben betrogen werden und vom Leid am meisten betroffen sind.

Denn aus christlicher Perspektive ist Solidarität der menschlichste Ausdruck des Glaubens. Darauf macht Jesus mit seiner überraschenden Erzählung aufmerksam, worauf es am Lebensende ankommt: Es wird nicht gefragt, welche Glaubenssätze man im Kopf, sondern ob man für andere ein Herz hatte. (vgl. Matthäus 25,31–46)

Zuversicht ist wie eine Sonnenblume

Es wird nicht gefragt, zu welcher Religion oder Kultur man gehört, sondern ob man sich als Mitglied der einen universalen Menschheitsfamilie verstanden und entsprechend gelebt hat.

Wo diese Hoffnung konkret wird, leuchtet eine Spur des göttlichen Glanzes auch an trüben Tagen und in den dunklen Ecken unserer Welt auf.

Wie können wir in Krisen unsere Kraft stärken, um wieder neu Vertrauen in uns selbst zu fassen und an ein besseres Morgen zu glauben?

Ich möchte mit einer Naturbeobachtung schließen, die mir viel bedeutet. Und die in mir eine adventliche Hoffnung weckt: Die Sonnenblume wendet noch in der Nacht ihren Kopf in jene Richtung, wo die Sonne aufgeht. Ähnlich macht es die Zuversicht.

Genau das feiern wir im Advent.

Die redaktionelle Verantwortung für die Sendung hat Martin Korden.

Musik:

Benny Andersson – Someone else’s story

Brian Crain – Moonlit shore

Einaudi – Life

Einaudi – Resta con me

David Snell – Main Titles

 

Die Zuversicht ist auch das Thema des aktuellen Buchs von Melanie Wolfers:

 

 

Zuversicht – Die Kraft, die an das Morgen glaubt

erschienen im bene!-Verlag


[i] Aus „Laudes“ von Andreas Knapp, Brennender als Feuer. Geistliche Gedichte, echter 7. Auflage 2914, 35

[ii] Zitiert aus: Jack Canfield, Marc Victor Hansen, Hühnersuppe für die Seele. Geschichten, die das Herz erwärmen, Goldmann 32. Auflage 1996, 16f. Zitiert aus: Eric Butterwoth, Discover the Power Within You: A Guide to the Unexplored Depths Within, HarperCollins 1992


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Dieser Beitrag wurde am 28.11.2021 gesendet.


Über die Autorin Dr. Melanie Wolfers

Melanie Wolfers ist Philosophin, Theologin und Mutmacherin. Seit 2004 lebt die Expertin für Lebensfragen und Spiritualität in einer christlichen Ordensgemeinschaft in Wien. Gründung von IMpulsLEBEN, einem deutschsprachig-weiten Projekt für junge Erwachsene auf der Suche nach Lebensorientierung und sozialem Engagement. Melanie Wolfers ist Bestsellerautorin und schreibt für überregionale Magazine, u.a. für BRIGITTE. Sie ist gefragte Rednerin und betreibt den Podcast „GANZ SCHÖN MUTIG – dein Podcast für ein erfülltes Leben“. Dabei schöpft sie aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Seelsorgerin und Beraterin – insbesondere in der Arbeit mit jungen Erwachsenen. Ihre Bücher „Freunde fürs Leben. Von der Kunst, mit sich befreundet zu sein" (2016), „Trau dich, es ist dein Leben. Die Kunst, mutig zu sein" (2018) und „Entscheide dich und lebe. Die Kunst, eine kluge Wahl zu treffen" wurden zu Best- und Longsellern. Ihr aktuelles Buch: Zuversicht. Die Kraft, die an das Morgen glaubt (2021) Kontakt
Internet: www.melaniewolfers.de
https://www.facebook.com/MelanieWolfersAutorin/

www.instagram.com/melanie_wolfers/

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