Wort zum Tage, 25.11.2021

Pfarrer Hans-Peter Weigel, Bamberg

Katharina

In manchen katholisch geprägten Gegenden wird heute Abend zum Kathreinstanz aufgespielt und noch einmal ausgiebig geschmaust, bevor am Sonntag die stille Adventszeit beginnt. Der 25. November ist das Fest der heiligen Katharina.

Sie lebte Anfang des 4. Jahrhunderts in Alexandria, wo der Nil ins Mittelmeer mündet. Alexandria war in der Antike die Wissenschaftsstadt und besaß die weltweit größte Bibliothek.

Katharina stammte aus vornehmer Familie. Trotz Christenverfolgung ließ sie sich taufen.

„Sie war nicht nur jung und außergewöhnlich schön, sondern – wie es sich für Alexandrien gehörte – auch von genialer Begabung und gebildet in allen Wissenschaften und Künsten.“[1]

So fasst der Historiker Peter Manns zusammen, was die Legende wortreich ausbreitet.

Katharina kritisierte öffentlich den Kaiser Maxentius wegen seines Despotismus und seiner Grausamkeit. Sie wurde verhaftet. Der Kaiser persönlich verhörte sie und enttarnte sie als Christin.

Doch ihre Intelligenz beeindruckt ihn so sehr, dass er ihr die Chance zum Freispruch bietet. Sie soll eine öffentliche Diskussion mit den fünfzig berühmtesten Philosophen des Reiches bestreiten. Thema: Ist der christliche Glaube eine Religion, die vor der Vernunft bestehen kann?

Die gelehrten Herren kommen gegen die scharfsinnigen Argumente der jungen Frau nicht an. Natürlich, sagt Katharina, könne man die Existenz Gottes und ein Leben nach dem Tod nicht beweisen; das Gegenteil aber auch nicht. Schlüssiger als die Vielgötterei sei der christliche Glaube allemal.

Und wenn im römischen Kaiserkult ein Mensch wie eine Gottheit verehrt wird, entspreche das ganz und gar nicht dem, was die griechischen Philosophen über die Würde eines jeden Menschen gelehrt haben.

Katharina hat die Professoren sprachlos gemacht. Der Kaiser bestraft seine Berater. Katharina aber verurteilt er zum Tode: Ein Mühlrad soll über sie rollen und ihr die Glieder brechen. Was bei der Urteilsvollstreckung bricht, ist das Rad. Da schlägt man ihr den Kopf ab.

Katharina war eine gescheite, kritische, eigenwillige Christin. Sie stand für die Freiheit des Glaubens und des Gewissens, sie stand für die Gleichwertigkeit der Frau in Wissenschaft und Politik und Kirche. Um das Jahr 310 war das. Es gibt noch manches nachzuholen. 


[1] Peter Manns (Hg.), Die Heiligen.  Mainz: Grünewald 4. Aufl. 1979, S. 117.


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Dieser Beitrag wurde am 25.11.2021 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Hans-Peter Weigel

Hans-Peter Weigel begann das Theologiestudium in Bamberg und schloss es (als Zeitgenosse der „68er“) in Tübingen ab. 1973 wurde er zum Priester für das Erzbistum Bamberg geweiht. Nach der Kaplanszeit schickte ihn der Bischof als Religionslehrer an ein humanistisches Gymnasium in Nürnberg und nebenamtlich erst in die Jugendseelsorge, dann in die Familienseelsorge. Nebenbei schrieb er als Autor für das „College-Radio“ im Bayerischen Rundfunk. 2003 bis 2018 war er Künstlerseelsorger und Radio-Beauftragter im Erzbistum Bamberg. Radiosendungen gestaltet er weiterhin, und übernimmt Liturgie- und Predigtdienst in verschiedenen Gemeinden.

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