Morgenandacht, 19.11.2021

von Vikar Manuel Klashörster, Salzkotten

Wie im Himmel – Elisabeth von Thüringen

„Wie stellt ihr euch den Himmel vor?“

Das habe ich vor einigen Jahren Kinder in der Grundschule beim Religionsunterricht gefragt. Zuerst antwortete ein Mädchen und sagte:

„Das ist bestimmt, wie wenn man Geburtstag feiert.“

Ein Junge antwortete:

„Ich stelle mir den Himmel wie einen wunderschönen Palast vor.“

Ein anderes Mädchen verglich den Himmel mit Weihnachten. 

Mit diesen Antworten hatte ich gerechnet. Dann sagte aber ein Junge:

„Für mich ist der Himmel wie ein altes Militärgelände.“

„Wie meinst Du das?“,

fragte ich ihn und er begann zu erzählen. Strahlend berichtete er, wie er mit seinem Vater am Wochenende mit einem abenteuerlichen Fahrzeug auf einem Militärgelände unterwegs war.

Da hatte ich verstanden, was er meinte, wenn er den Himmel mit einem alten Militärgelände verglich. Es ging ihm weniger um das Militärgelände als vielmehr um die Zeit, die er dort mit seinem Vater erlebt hatte und die für ihn wohl unheimlich kostbar gewesen sein muss.

Da, wo wir erleben, dass Menschen bedingungslos gut zu uns sind, wo wir nichts leisten müssen, sondern einfach sein dürfen und sogar noch jemand sagt:

„Es ist schön, dass es dich gibt“,

ahnen wir etwas vom Himmel.

Erwachsene würde man vermutlich mit solchen Fragen nach dem Himmel überfordern.

Entweder hält man den Himmel ohnehin für eine unglaubliche Phantasie, oder aber – wenn man an Gott und sein Reich glaubt – dann erscheint irgendetwas Irdisches doch zu unvollkommen, um wirklich ein Gleichnis für den Himmel sein zu können.

Aber ich glaube, dass das Reich Gottes, wie Jesus von Nazareth den Himmel nennt, wirklich ist und dass wir als Menschen in dieser Welt eine echte Ahnung davon haben können.

Das zeigen mir beispielsweise die Antworten der Kinder, die in Geburtstagsfeiern oder auch in anderen schönen Zeiten mit ihrer Familie und Freunden ein Gleichnis für den Himmel sehen können.

Die Kirche feiert heute eine Heilige, die ein Stück Himmel erfahren hat in der Begegnung ausgerechnet mit Kranken und Armen. Ich meine die Heilige Elisabeth von Thüringen.

Sie lebte im 13. Jahrhundert. Von ihr wird erzählt, dass sie in den Bedürftigen Jesus selbst erkannte. Sie erfuhr ein Stück vom Himmel, in dem sie sich diesen Menschen besonders zuwandte. Darin erfuhr sie offenbar eine Begegnung mit Gott.

Als sie nach dem frühen Tod ihres Mannes, dem Landgrafen von Thüringen, ihren großen Reichtum aufwendete, um Menschen in Not zu helfen, kam es zu Konflikten mit der übrigen Familie.

Dabei ging sie so weit, dass sie für sich selbst ein einfaches Leben wählte. Bereits mit 24 Jahren starb sie und wurde schon wenige Jahre später heiliggesprochen. Bis heute ist sie vielen Menschen ein Vorbild, anderen Menschen zu helfen. 

Ich glaube, Elisabeth konnte so leben, weil für sie der Himmel, das Reich Gottes, nicht nur etwas Übermenschliches war, sondern auch etwas Menschliches.

Sie hat erlebt, dass Gott ihr nahe ist; nicht nur dort, wo Menschen gut zu ihr waren, sondern eben auch da, wo sie für andere da sein und sich ihnen schenken konnte.

So ähnlich wie der Junge, der in der Zeit mit seinem Vater ein Gleichnis für den Himmel gesehen hat, hat Elisabeth in ihrer Zeit mit den Kranken und Armen Gott selbst gefunden.

So eine Lebensgeschichte schreckt auch ab. Wenn ich mir ein so selbstloses Leben vorstelle, denke ich sofort:

„Das könnte ich nicht.“

Wenn ich aber überlege, wie schon Kinder in ihrem Leben Vergleiche für den Himmel finden können, bin ich überzeugt, dass sich an jedem Tag Gelegenheiten auftun, andere Menschen erleben zu lassen:

„Es ist wunderbar, dass es Dich gibt.“

Und darin klingt dann an, was im Himmel jeder Mensch erleben soll.

Ich wünsche Ihnen, dass sie heute dazu Gelegenheiten finden werden, durch gute Worte oder sogar gute Taten, etwas davon zu erahnen, was es heißt, wie im Himmel zu leben.


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Dieser Beitrag wurde am 19.11.2021 gesendet.


Über den Autor Manuel Klashörster

Kontakt: klashoerster@pastoralverbund-salzkotten.de

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