Morgenandacht, 16.11.2021

von Vikar Manuel Klashörster, Salzkotten

Tag der offenen Tür

Wir sind spät dran. Jetzt schnell einen Parkplatz suchen und dann noch die richtige Adresse finden. Schließlich stehen wir vor der Tür und klingeln. Wir sind gespannt – doch nichts passiert.

Irgendwann zweifeln alle, ob wir denn wirklich vor der richtigen Tür stehen. Doch nach einiger Zeit öffnet endlich jemand die Tür und ein freundlicher Mann begrüßt uns mit den Worten:

„Kommt rein! Die Tür ist doch offen. Wir haben schon auf euch gewartet.“

Wir standen die ganze Zeit vor einer offenen Tür und hatten das nicht bemerkt. Unsere innere Unruhe und die Sorge, zu spät zu kommen, haben uns blind gemacht.

Diese Situation habe ich vor einiger Zeit mit Pfadfindern erlebt und ich muss seitdem immer wieder daran denken, denn ich sehe darin eine Parallele zum Glauben an Gott in unserer Zeit.

Ich habe den Eindruck, dass sich die meisten Menschen Tag für Tag Sorgen machen. Um die eigenen Aufgaben beruflich wie privat zu erfüllen, muss sich die Aufmerksamkeit häufig gerade auf das richten, was schief laufen kann.

In einer Zeit, da die Anforderungen an jeden Einzelnen gestiegen sind, gehört es zu den wichtigsten Fähigkeiten, mögliche Fehler zu erkennen und drohende Gefahren richtig einzuschätzen.

Dabei gerät schnell das aus dem Blick, was gelingt, was schon längst läuft. Vor der offenen Tür dachten wir damals wahrscheinlich genau deshalb, dass wir am falschen Ort waren. Wir haben uns Sorgen gemacht und ausgemalt, was wir alles falsch gemacht haben könnten.

Die Situation damals ist für mich bis heute ein Bild für den Glauben an Gott. Vielen Menschen erscheint der Glaube an einen persönlichen Gott weit entfernt. Die Tür zum Glauben wirkt nicht nur verschlossen, sondern es scheint sie für viele gar nicht zu geben.

Zu glauben, dass allein die Möglichkeit besteht, es gäbe einen Gott, der noch dazu in meinem Leben wirkt und mich sogar anspricht, ist für viele ausgeschlossen. Aber auch für diejenigen, die grundsätzlich an Gott glauben, ist es oft undenkbar, dass Gott sich in ihrem alltäglichen Leben zu erkennen gibt.

Kann es sein, dass Gott mich in meinem Leben angesprochen hat und mich meint? Vielleicht stehe ich da oft vor einer Tür, die ich für verschlossen halte, obwohl Gott sie schon längst geöffnet hat.

Ich glaube: Aus den Anforderungen und Sorgen, die meinen Alltag begleiten, erwächst oft eine Unruhe, die mir den Blick auf ein mögliches Wirken Gottes in meinem Leben verstellt.

Weil ich mich auf meine Aufgaben konzentriere und Fehler vermeiden will, übersehe ich, wo ich vielleicht längst geführt wurde. Ich kann für mich sagen, dass ich oft erst im Rückblick erkannt habe, welche Begegnungen, welche Erfolge aber auch welche Rückschläge für meinen Lebensweg entscheidend waren.

Dabei hatte das meiste nichts mit meinen eigenen Plänen und Vorstellungen zu tun. Immer wieder gab es überraschend Anlass zur Freude und manchmal musste ich mich auf einen vermeintlichen Umweg einlassen, der sich im Nachhinein als wertvoll herausstellte.

Ich habe damals meinen Sorgen mehr geglaubt, als der Möglichkeit, dass ich richtig war.

Als gläubiger Mensch denke ich heute, dass Gott mich durch offene Türen geführt hat, die ich für verschlossen hielt. Und es immer noch tut.

Doch um diese Erkenntnis zuzulassen, muss ich selbst die Tür zum Glauben an Gott öffnen. Nur dann kann ich sehen, was sich dahinter verbirgt.


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Dieser Beitrag wurde am 16.11.2021 gesendet.


Über den Autor Manuel Klashörster

Kontakt: klashoerster@pastoralverbund-salzkotten.de

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