Morgenandacht, 15.11.2021

von Vikar Manuel Klashörster, Salzkotten

Beobachter des Unsichtbaren

Ein handliches Glas mit einem metallenen Deckel aus dem ein abgeschrägtes Rohr hervorragt: ein Zuckerstreuer.

Heute vor 68 Jahren, am 15. November 1953, wurde der praktische Zuckerportionierer in Deutschland patentiert. Im Handumdrehen lässt sich mit dieser Erfindung eine Tasse Kaffee oder Tee süßen, ohne darüber weiter nachzudenken. 

Mich faszinieren einfache Erfindungen wie der Zuckerstreuer, gerade weil sie scheinbar so simpel sind. Denn auch wenn ein Zuckerstreuer kaum so spektakulär ist wie eine Weltraumsonde oder ein U-Boot, setzt auch seine Erfindung eine Reihe von Beobachtungen und Überlegungen voraus: weder sind Glas und Metall vom Himmel gefallen, noch die Gestaltung des Rohres, damit nicht zu viel Zucker das Getränk versüßt.

Erfindungen faszinieren mich aber vor allem, weil sie Entdeckungen sind. Wenn Menschen Entdeckungen machen, erweitern sie damit ihr Wissen und ihre Fähigkeiten die Welt zu gestalten.

Jede Erfindung macht damit auch wieder neue Erfindungen möglich und bringt Menschen auf neue Ideen.

Heute ist auch der Namenstag des Heiligen Albert, der nach seinem Tod bald „der Große“ genannt wurde. Er galt als der Universalgelehrte seiner Zeit. Er war Philosoph, Jurist, Naturwissenschaftler, trat in den Dominikanerorden ein und wurde schließlich Bischof.

Er wurde um das Jahr 1200 geboren und starb am 15. November 1280 in Köln. Zwar ist nicht bekannt, dass er in einem technischen Sinn etwas erfunden hat, aber in einer anderen Hinsicht sehe ich ihn als einen echten Erfinder an, der Sinnvolles entdeckt hat.

Wie niemand vor ihm hat er Tiere und Pflanzen aber auch Mineralien beschrieben und systematisiert. Seine genaue Beobachtung der Natur hat dazu beigetragen, dass sich unsere heutigen strengen naturwissenschaftlichen Kriterien herausgebildet haben.

Doch Albert wurde nicht nur deshalb der Große genannt. Mit seinen Beobachtungen hat er das Wissen seiner Zeit vergrößert und dieses Wissen mit seinem Glauben verbunden.

In der Natur sah er das Werk Gottes, der sich für ihn sogar in den letzten Einzelheiten seiner Schöpfung als deren Schöpfer finden lässt. Von Albert stammen Bücher, in denen vermutlich zum ersten Mal systematisch Pflanzen, Tiere und Mineralien beschrieben wurden.

Zugespitzt könnte man sagen: Albert war zwar kein Erfinder, der ein bestimmtes Patent anmelden konnte, um den Menschen das Leben zu versüßen, aber er hat in der Welt Gott gefunden und auch andere Menschen für diese Entdeckung begeistern können. 

Mir scheint, dass seine Art, die Dinge zu sehen, auch für unsere Zeit reizvoll sein kann. Vermutlich wird heutzutage viel mehr erfunden als zu früheren Zeiten. Mit atemberaubender Geschwindigkeit lösen heute neue technische Entwicklungen frühere ab.

Nicht wenige Menschen fühlen sich von dieser Schnelllebigkeit buchstäblich überfahren. Da Zeit zu finden, um in Ruhe eine Landschaft zu betrachten, Vögel beim Fliegen zu beobachten oder die Schönheit einer Pflanze zu bestaunen, kommt mir vor wie ein frommer Wunsch.

Doch dieses Staunen lohnt sich. Genau hinzuschauen, kann den Blick auf den lenken, der die ganze Welt erschaffen hat.

Ich gratuliere denen, die Albert heißen und heute Ihren Namenstag und damit auch den Heiligen Albert feiern.

Allen wünsche ich, dass sie bei den großen und kleinen Erfindungen, die ihr Leben erleichtern – und sei es der Zuckerstreuer – den finden, der jede menschliche Erfindung erst möglich macht und für den selbst nichts unmöglich ist.


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Dieser Beitrag wurde am 15.11.2021 gesendet.


Über den Autor Manuel Klashörster

Kontakt: klashoerster@pastoralverbund-salzkotten.de

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