Feiertag, 14.11.2021

von Juliane Bittner, Berlin

„Vertraut den neuen Wegen.“ Erinnerungen an die friedliche Revolution

Seit mehr als 30 Jahren gibt es die DDR nicht mehr. Doch die Zeit hat Spuren hinterlassen. Das wissen Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind und nach dem Fall der Mauer eine neue Heimat finden mussten, nur allzu gut. Ein Erfahrungsbericht.

© Marie Bellando-Mitjans / Unsplash

Als die DDR zwei Jahre alt war, bin ich geboren. In Leipzig. Mein Vater war ungelernter Arbeiter; er hatte Musik studieren wollen, doch ein schlimmes Augenleiden ließ diesen Traum zerplatzen.

Meine Mutter war Kaufmännische Angestellte. Vater war katholisch, Mutter evangelisch; sie wurde - wohl auch ihrem Mann zuliebe - katholisch, und so wuchs ich katholisch auf. Und wohlbehütet.

Tagsüber kümmerte sich meine Oma um mich. Oma war (fast) immer fröhlich und konnte mit Engelsgeduld zuhören. Wenn ich aus der Schule kam, setzte ich mich zu ihr in die Küche und erzählte, was ich auf dem Herzen hatte.

Dann kam der Sommer 1961. Ich war zehn, hatte Ferien. Mein soziales Netzwerk hieß „Draußen“: mit den Nachbarskindern an der Teppichklopfstange im Hof turnen, auf der Straße Rollschuh fahren, mit Schulfreunden baden gehen.

Tage der Mauer, Tage der Angst 

Doch plötzlich herrschte in unserer friedlichen Kleinfamilie helle Aufregung: Meine Oma war am 12. August für drei Tage nach Westberlin zu ihrer Schwester gefahren.

Die Sorge meiner Eltern, dass ihr wegen des Mauerbaus die Rückkehr verwehrt werden könnte, übertrug sich auf mich. Ich bekam Angst, meine Oma nicht wiederzusehen. 

Die Tage des Wartens und Bangens waren eine Zeit, in der ich mich zum ersten Mal irgendwie – ja, unfrei – fühlte, auch wenn ich das große Wort Freiheit damals noch gar nicht benutzte. Oma kam aber wieder zurück, Gott sei Dank.

Die Mauer löste Angst und Unsicherheit aus. Mein Vater, er herrschte über unser Radio, drehte den Deutschlandfunk weg, wenn es an unserer Wohnungstür klingelte. Westsender waren verboten.

Kinder lernen schnell

Einmal saßen wir beim Abendbrot, als meine Mutter ganz fürchterlich auf die „unqualifizierte“ Einmischung der SED in ihre Arbeit schimpfte. Ich hörte zu und fragte nach einer Weile:

„Stimmt’s, Mama, wenn ich das in der Schule erzähle, dann musst Du ins Gefängnis?“

Um mich im Weltanschauungsstaat DDR zu schützen, hatten meine Eltern mir beigebracht, mit „gespaltener Zunge“ zu reden: Zuhause oder in der Kirche wurde so, in der Schule anders geredet.

Kinder lernen beängstigend schnell, in den jeweils gebotenen Zungenschlag umzuschalten. Allerdings hatte der Pfarrer einen Vertrauensvorsprung: Was der Lehrer sagte, das lernte ich. Was der Pfarrer sagte, das glaubte ich.

Und das Pfarrhaus in Leipzig war für mich ein zweites Zuhause. Später, in der Pubertät und als Jugendliche wurde es zum ersten Zuhause.

Kein christliches Menschenbild

Fast vierzig Jahre lang kannte ich nur die DDR und ein paar schöne Ecken ihrer „sozialistischen Bruderländer“. Die DDR war der Staat, in dessen Ferienlager ich den ersten Kuss bekam und bis zum Abi büffelte, um studieren zu können.

Ich bewarb mich an der Karl-Marx-Universität Leipzig für ein Studium der Psychologie - hatte dafür nur leider das falsche Menschenbild, wie der Prorektor der Uni sagte:

„Unsere Psychologie geht vom marxistisch-leninistischem Menschenbild aus. Da Sie als Christ dieses Menschenbild nicht teilen, ist es in Ihrem Interesse, ein anderes Fach zu studieren.“

Was ich auch tat. Enttäuscht war ich schon, klar. Fühlte mich aber weder als Opfer staatlicher Willkür noch als zu kurz gekommen. Ich hatte mich ja bewusst und aus freiem Willen für das Leben als Christin entschieden.

DDR: Kirche stört

Für die DDR-Regierung waren die Kirchen ein Störfaktor. Denn sie waren die einzigen Institutionen, die nicht mit der SED und ihrer marxistisch-leninistischen Ideologie konform gingen. Für die Christen in der DDR bedeutete das, zwischen Ausgrenzung, Anpassung und Opposition zu leben.

Eine „Heldenbiografie“ habe ich nicht. Heute schäme ich mich wegen so mancher „entschiedenen Halbherzigkeit“. Weil ich meine politische Unschuld lange – zu lange – nicht verlieren wollte, habe ich manchmal nicht hingehört: Es durfte einfach nicht wahr sein, was der Deutschlandfunk oder der RIAS berichteten über Erich Mielke, den Mann mit dem Kunstlederhut, und den kriminellen Machenschaften seines Ministeriums für Staatssicherheit.

Doch auch in einer Diktatur ist man nicht „im Kampfe Tag und Nacht“; man liebt, arbeitet, weint und lacht. Und gegen Ende der DDR wurde sehr wohl gelacht: Viele hatten ein ironisch-distanziertes Verhältnis zum autoritären Staat, weil sich alles Autoritäre meist auf dem schmalen Grat zur Lächerlichkeit bewegt.

Was ist mit der Freiheit?

Meine Töchter, geboren in den 1970er Jahren, erzählten auf dem Schulhof von der „Sendung mit der Maus“ und tauschten „Bravo“-Hefte aus, die tapfere Omas „eingeschmuggelt“ hatten.

Und obwohl wir uns sicher waren, dass unser Telefon abgehört wurde, redeten wir zunehmend Klartext, also ohne „gespaltete Zunge“. Wir wurden „freiheitsbewusster“, gerade auch als Christen.

„Ihr seid zur Freiheit berufen“,

heißt es im Neuen Testament. Wörtlich steht da:

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht daher fest und lasst euch nicht wieder ein Joch der Knechtschaft auflegen! Denn ihr seid zur Freiheit berufen.“

Dieser Appell des Apostels Paulus hat Christen und auch Nichtchristen ermutigt zu einem „Aufstand gegen die Angst“. Zum aufrechten Gang.

Die Menschen sammeln sich

Seit 1982, als das Wettrüsten im Kalten Krieg auf dem Höhepunkt war, trafen sich Christen und Nichtchristen, Künstler und Intellektuelle in den Räumen der Kirchen.

Themen wie Frieden, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Umweltschutz führten Bürger unterschiedlicher Weltanschauung zusammen. Immer mehr wurde Klartext geredet, auch in Arbeitskollektiven.

Und zuhause schlossen wir die Balkontüren nicht mehr, wenn wir im Hauskreis unserer Pfarrei darüber diskutierten, was die richtige Entscheidung sein könnte: Die DDR verlassen, um unseren Kindern eine Zukunft in Freiheit zu ermöglichen? Oder bleiben und für Veränderungen kämpfen? Wo will Gott uns haben?

Gott will, dass wir ein Segen sind für seine Erde. Also wird er uns dorthin leiten, wo er uns braucht.

Mahnwachen und Fürbittandachten 

Im Jahr der Wende zur Freiheit habe ich erlebt: Wenn wir das Wort Gottes aussäen und es aufgeht, versetzt es Berge – und die Welt in Erstaunen.

„Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben“,

heißt es in der Bergpredigt. Dieser Satz, oft als naiv abgetan, bewahrheitete sich. Was nur Verheißung schien, wurde Wirklichkeit. „Keine Gewalt“ – dieser Ruf war auf den Demonstrationen immer wieder zu hören.

Bilder von brennenden Kerzen, von Mahnwachen und Fürbittandachten für politisch Inhaftierte gingen um die Welt. Die Kirchen verwandelten sich in „Wallfahrtsorte“ Kerzen tragender DDR-Bürger.

Angst vor der „chinesischen Lösung“

Blickt man heute auf den Herbst 89, weiß man, dass kein einziger Schuss fiel. Was damals keineswegs sicher war. Als die Situation rund um den 40. Jahrestag der DDR zu eskalieren drohte, hatten viele katholische Pfarrer die Sterbesakramente beim Demonstrieren dabei.

So tief saß die Angst vor einer „chinesischen Lösung“, dem blutigen Zerschlagen der Proteste wie in Peking wenige Monate zuvor.

Dennoch: Der feste Wille zur Gewaltlosigkeit einte die Demonstranten, drückte sich aus in so schlichten Gesten wie beim Singen des Kanons „Dona nobis pacem“ bei den Friedensgebeten.

In diesem Wunsch „Gib uns Frieden“ konnten sich christliches Beten und humanistisches Anliegen verbinden.

Dona nobis pacem

Ich erinnere mich an den 1. September 1989: Wir hatten den Weltfriedenstag in meiner Pfarrei mit einem Gottesdienst begangen. Mit brennenden Kerzen in den Händen zogen wir nach der Abendmesse auf den Kirchplatz – und wurden von Volkspolizisten in Empfang genommen.

„Machen Sie sofort die Kerzen aus“,

herrschten sie uns an. Was tun? Die Jugendlichen unserer Gemeinde begannen zu diskutieren: Wo denn geschrieben stünde, dass man nicht mit einer Kerze in der Hand herumstehen dürfe, fragten sie die Polizisten. Deren stereotype Reaktion:

„Machen Sie sofort die Kerzen aus.“

Junge Menschen sind aber nicht so leicht zu disziplinieren wie Mütter, die an ihre Kinder denken – so wie ich damals. Der Chorleiter hatte schließlich die zündende Idee: Er stimmte auf dem Kirchplatz den Kanon „Dona nobis pacem“ an, hing noch ein paar Kirchenlieder an, die wir auswendig konnten – und die Atmosphäre entspannte sich. 

Unser Pfarrer ging zu den Jugendlichen und regelte deren erhöhte Betriebstemperatur runter, indem er sie zu sich ins Pfarrhaus einlud. Und weil sie das wussten, dass sie dort ohne Maulkorb reden konnten, nahmen sie sein Angebot an.

Der Geist Gottes lässt Wunder geschehen

Was in den Kirchen begonnen hatte, setzte sich auf der Straße fort. Das war für mich eine der spannendsten Erfahrungen.

„Religion ist Privatsache“,

hieß ja das Mantra der DDR-Ideologen. Beten in der Kirche ja, aber nicht auf dem Markplatz. Doch der Glaube ist kein Hobby für spirituell Begabte. 

Wo der Geist Gottes die Menschen ergreift, wird Unmögliches möglich, da geschehen Wunder. Dass die Revolution ohne Blutvergießen geschah, ist eines ihrer Wunder. 

Christen wie Nichtchristen haben einander vertraut – und auf die Kraft des Gebets. Besonders in den dramatischen Tagen um den 7. Oktober 1989: Nachts rief mich eine Freundin an.

Ihr Sohn Thomas, 16 Jahre alt, war nach dem Montagsgebet in der Berliner Gethsemanekirche noch nicht wieder zu Hause. Es war nach Mitternacht, so lange dauerten weder Gottesdienst noch Demonstration; schließlich gingen die Demonstranten am nächsten Morgen zur Arbeit. Gebetet und demonstriert wurde nach Feierabend.

Wo also blieb Thomas? War er auf einen Lastwagen gezerrt und „zugeführt“ worden? Also von Polizisten und Stasi-Mitarbeitern festgenommen und ins Ost-Berliner Strafgefängnis in Rummelsburg gebracht worden?

Ich versprach zu beten. Und andere anzurufen, die mitbeten konnten. Zum Beispiel einen Pfarrer, den ich gut kannte. Ganz verschlafen meldete er sich am Telefon.

Ich erzählte vom vermissten Sohn. Er versprach, sofort in die Kirche zu gehen, zu beten und eine Kerze anzuzünden. Eine Stunde später dann die „Entwarnung“: Thomas war wieder da.

Um dem Polizeiaufgebot zu entkommen, hatte er sich auf Umwegen zu Fuß nach Hause geschlichen und dafür gut zwei Stunden gebraucht. Seine Klugheit und unser Beten hatten ihn vor Unheil bewahrt.

Die Zeit nach der DDR

Mehr als dreißig Jahre danach: Es war einmal eine DDR. Sie ist abgeschlossen, erledigt.

Nicht aber die Biografien ihrer Bürger. Die sind gebrochen: Ausreisewillige verloren ihren Arbeitsplatz, Künstler oder Studenten, die nicht „linientreu“ waren, wurden zur „Bewährung in die sozialistische Produktion“ geschickt, Oberschüler nicht zum Abitur zugelassen, weil sie sich für Klassenkameraden einsetzten, die in der Jungen Gemeinde aktiv waren.

Wie steigt man aus solch gebrochener Biografie um in die andere, die neue Lebenswelt?

Die Gefängnistore gingen auf, und von heute auf morgen war fast alles anders; angefangen von den „Schrippen“ – oder Brötchen –, die plötzlich ganz viel Luft enthielten, bis hin zur Brauchbarkeit meines Diploms auf dem Arbeitsmarkt.

Es kränkt, wenn die Bildungsbiografie einfach durchgestrichen wird, so als taugte sie nicht – taugte ich nicht – für die neue Zeit.

Mit den gesellschaftlichen Verhältnissen ändert sich auch das moralische Urteil über die zurückgelegte Lebenszeit, diese These bewahrheitete sich. Mein „DDR-Leben“ wurde durchleuchtet unterm „Westmikroskop“.

Ein Traum wird wahr

Weil ich viele Jahre lang eine leitende Position im staatlichen Gesundheitswesen innehatte, ohne SED-Mitglied gewesen zu sein, wurde sofort geargwöhnt, ich hätte mit der Stasi gekungelt.

Auch meine Erwerbsbiografie bekam einen Bruch: Der christliche Verlag, für den ich seit 1983 als Autorin und Lektorin tätig war, konnte nicht mithalten mit den Hochglanzpublikationen westlicher christlicher Verlage. Anfang der 1990er Jahre wurde er liquidiert – und ich arbeitslos. 

Dank eines Volontariats am Münchner Institut für Publizistik sowie einer Beschäftigungszusage durch das Erzbistum Berlin konnte ich als Redakteurin in der Hörfunk- und Fernseharbeit des Erzbistums arbeiten.

Mein Traum von einer Medienseelsorge wurde wahr – für mich war es ein Wunder.  

Fremdes Leben in neuer Heimat

Nicht nur die gesellschaftliche, auch die kirchliche Wirklichkeit veränderte sich. Vertraute Strukturen und Traditionen des Gemeindelebens bröckelten. Gemeindemitglieder zogen weg, der Arbeit nach.

Religionsunterricht, Pfarrjugendtreffen, kirchliche Veranstaltungen mussten sich auf dem Markt neuer, verlockender Freizeitmöglichkeiten behaupten.

Die „Pfarrfamilie“, meine Glaubensheimat, brach weg. Und die Standards einer westlich sozialisierten Pfarrei mit ihren Vereinen und Verbänden, mit Eigenbetrieben und Liegenschaften fühlten sich lange Zeit fremd an.

Hinzu kam, dass wie in der Gesellschaft so auch in der Kirche die Erfahrungen der DDR-Bürger lange – viel zu lange – ignoriert wurden.  Denn sie wirken nach.

Zum Beispiel, wenn ostdeutsche Katholiken mit dem Reformdialog der Kirche oder mit Maria 2.0 „fremdeln“. Ich denke, ein Grund dafür ist die Sorge, die kirchenkritischen Debatten könnten kaputt machen, was Heimat bedeutet.

So wie auch ich die Pfarrgemeinden in der DDR-Zeit erlebt habe: als Heimat. Und ja, auch ich befürchte, dass die Sakramentalität der Katholischen Kirche verloren gehen und eine gewisse Beliebigkeit einziehen könnte.

Diktatur bleibt Diktatur

Allen Fragen und Sorgen zum Trotz: Die Gründe, mich auch über 30 Jahre nach dem Ende der DDR immer noch daran zu freuen, lassen ein Jammern nicht zu.

Ich freue mich, diese Sendung machen zu können. Alles sagen zu können, ohne die zweifelhafte Fähigkeit der „gespaltenen Zunge“ bemühen zu müssen.

Ich freue mich, dass meine Enkelkinder weder Fahnenappell noch Wehrkundeunterricht kennen, ihnen die Welt offensteht. Und sie sich Gedanken machen, wie diese Welt zu erhalten ist.

Ich habe unterscheiden gelernt zwischen meinem Leben in der DDR mit all den Geschichten und der Bewertung des Staates. Diktatur bleibt Diktatur, auch wenn man in ihr Kinder gebären, Häuser bauen und Apfelbäume pflanzen kann.

Und ich erinnere an alle, die das nicht konnten. Denen das Lachen verging im Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen oder im Bautzener „Gelben Elend“. 

„Vertraut den neuen Wegen“

Dass dies alles vorbei ist, lässt mich jubeln wie den Psalmisten des Alten Testaments:

„Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel.“

Dass die Gefängnistore aufgingen und die „Gedankenpolizei“ ausgedient hatte, sind für mich Gründe, Gott aus vollem Herzen zu danken.

Es gibt ein Lied, das heißt:

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt.“

Es wurde zum Lied der Friedlichen Revolution. Noch heute kommen mir die Tränen, wenn wir im Gottesdienst dieses Lied singen.

Es gibt vertraute Melodien, die sind offen für neue Texte. Und auf einmal entsteht etwas Neues. Es scheint, als habe die alte Melodie darauf gewartet, neu zu werden. Weit über 500 Jahre alt ist die Melodie, die heute unter dem Titel „Vertraut den neuen Wegen“ bekannt ist.

Ein Lied für den Aufbruch

Im August 1989, wenige Wochen vor der Maueröffnung, schrieb der Theologe Klaus-Peter Hertzsch (1930-2015) den neuen Text auf das alte Lied „Lob Gott getrost mit Singen“. 

Er schrieb ihn für die Hochzeit seiner Patentochter in Eisenach. Die Worte, die er für die Zukunft des Brautpaares fand, trafen damals die Stimmung im Land: der Aufbruch, das Tasten nach neuen Wegen, die Ermutigung, sie im Vertrauen auf Gott und alle Menschen guten Willens zu gehen.

1.   Vertraut den neuen Wegen, / auf die der Herr uns weist, / weil Leben heißt: sich regen, / weil Leben wandern heißt. / Seit leuchtend Gottes Bogen / am hohen Himmel stand, / sind Menschen ausgezogen / in das gelobte Land.

2.   Vertraut den neuen Wegen / und wandert in die Zeit! / Gott will, dass ihr ein Segen / für seine Erde seid. / Der uns in frühen Zeiten / das Leben eingehaucht, / der wird uns dahin leiten, / wo er uns will und braucht.

3.   Vertraut den neuen Wegen, / auf die uns Gott gesandt! / Er selbst kommt uns entgegen. / Die Zukunft ist sein Land. / Wer aufbricht, der kann hoffen / in Zeit und Ewigkeit. / Die Tore stehen offen. / Das Land ist hell und weit. 

„Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt.“

Gott schickt uns los. Sagt:

„Traut euch. Ich bin da. Ich gehe mit euch durch die Zeit.“

Gott ist und bleibt da

Denn ob wir wollen oder nicht, neue Wege stehen an, damals wie heute. Veränderungen stehen an, die einen Bange machen können. Auch in meiner Kirche. Vielleicht muss ich Liebgewordenes aufgeben, mich einschränken?

Ich versuche, diese Zeit als Anfrage an mich, an Gesellschaft und Kirche zu deuten - und dem Leben zu trauen, weil ich es nicht allein zu leben brauche.

Im Schutz des Höchsten leben zu dürfen – was für eine Zusage! Der große Gott kommt mir entgegen. Es ist ein Entgegenkommen, um an meiner Seite zu bleiben. Auch meine Um- und Irrwege mitzugehen. Dieses Entgegenkommen Gottes habe ich spüren dürfen – im Jubel wie in der Trauer.

Deshalb vertraue ich den Wegen, auf die Gott weist. Und den großen und kleinen Wundern, die geschehen, weil Gott damals wie heute sein Wort in seine Welt spricht.

Die redaktionelle Verantwortung für die Sendung hat Martin Korden.

Musik:

Lambert – Tegel

Lambert – Sweet Apocalypse

Pete Seeger – We shall overcome

Dona nobis pacem

Yo-Yo-Ma – Dona nobis pacem (Instrumental-Version)

Brass OvatioN! – Vertraut den neuen Wegen (Instrumental)

Roberto Cacciapaglia – Transparence

Knabenchor Gütersloh – Vertraut den neuen Wegen

Nena – Wunder gescheh’n (Live-Version)


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Dieser Beitrag wurde am 14.11.2021 gesendet.


Über die Autorin Juliane Bittner

Juliane Bittner, 1951 in Leipzig geboren, studierte in Ost-Berlin Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Diplom-Ökonom im staatlichen wie im konfessionellen Gesundheitswesen. Parallel dazu war sie als Autorin und Lektorin für den katholischen St.-Benno-Verlag Leipzig sowie als "DDR-Korrespondentin" für die deutschsprachige Sektion von Radio Vatikan tätig. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist sie Journalistin und Medienseelsorgerin im Print- und Hörfunkbereich. Inzwischen im Ruhestand, halten fünf Enkelkinder sie frisch. Kontakt
(030) 509 04 11
juliane.bittner@erzbistumberlin.de

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