Gottesdienst am 28. Sonntag im Jahreskreis

aus der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Neuötting

Predigt von Domkapitular Heribert Schauer

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, verehrte Schwestern und Brüder!

Wir sind ja den erfolgreichen Jesus gewohnt: Er berief den Petrus, den Johannes, den Zöllner – aber auch die Maria Magdalena und die Marta. Und dann heißt es: sie folgten ihm (oft sogar noch mit dem Zusatz: sofort!)

Ganz anders heut! Wir hörten, man kann sagen, von einer fehlgeschlagenen Jüngerberufung. Ganz lapidar heißt es am Schluss:

„Und er ging weg.“

Wohin wissen wir übrigens gar nicht. Jesus hätte ihn gerne in den engeren Kreis derer berufen, die als Wanderprediger unterwegs sind und seine Frohe Botschaft verbreiten sollen.

Wahrscheinlich war Jesus überzeugt, dass der junge Mann mit seinem Eifer und seiner Begabung dafür wie geschaffen war.

Der aber schlug die Berufung aus!

Berufen, ja oder nein? Und wenn dann, wie? – das ist die Frage, über die ich mit Euch/Ihnen nachdenken möchte.

Und: Wie erkenne ich überhaupt meine Berufung?

Vorsicht vor einem Missverständnis: Jesus sagt uns nicht durch eine Vision, eine mystische Erfahrung, eine innere Stimme – so, das ist jetzt deine Berufung.

Gut, kann sein – das gab´s und gibt es auch. Aber meist läuft es anders ab.

Aber wie?

Das zeigt uns das heutige Evangelium: Wichtig ist: es bleibt unsere Entscheidung, was wir wählen.

Ich sag´s Ihnen ganz ehrlich: Ich tue mich manchmal schwer, wenn wir z.B. zu Eheleuten sagen … Gott hat euch zwei zusammengeführt – ihr seid sozusagen füreinander bestimmt.

Und bei der Trauung sind manche Gebete sogar so formuliert. Hmmm – was ist dann, wenn sie sich trennen? Hat sich dann Gott geirrt? Ganz schön schwierig dann, oder?

Mir half das Lesen eines kleinen geistlichen Büchleins des Priesters Johannes Bours mit dem Titel: Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt.

Es hat mir in dieser Fragestellung echt weitergeholfen. Vor allem ein Gedanke in dem Büchlein:

“Das, was wir wählen, wird uns in der Berufung neu geschenkt!“

Nochmal:

“Das, was wir wählen, wird uns in der Berufung neu geschenkt!“

Die Wahl bleibt unsere Sache! 

Bei Ehepaaren eben, dass ich für die Ehe bestimmt bin, dass es mich dort hinzieht und ich das wünsche. Und es mich eben ganz konkret zu diesem einen Menschen hinzieht.

Bei Priestern und Pastoralen Mitarbeiter*Innen, dass es mich dort hinzieht, eben in den Dienst an der Gemeinde.

Irgendwie ist Eltern sein auch so eine Wahl. Usw. Sie können an alle unsere Lebenswahlen denken.

Das, was wir wählen, wird uns in der Berufung neu geschenkt! Heißt dann: Wir wählen etwas, z.B. eine Lebensform, einen Beruf. Und Gott gibt sein Liebesgebot dazu und so wird es zu unserer Berufung.

Vielleicht anders gesagt: Wir gewinnen dann an Profil – oder sagen wir es noch besser, wir gewinnen dann ein christliches Profil.

Im Evangelium hieß es:

„Da sah ihn Jesus an, und“ - neu eingefügt - „dann umarmte er ihn und sagte:

Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“

Oh je! Da könnte man jetzt schnell eine Schelte für die Reichen daraus machen und manche werden es wohl auch tun an diesem Sonntag.

Gut, ja, der Reichtum ist ein Problem, weil er uns schnell zu Gier und Habsucht, zum immer mehr Haben-Wollen verführt. Aber Reichtum an sich ist noch nicht schlecht.

Ich habe auch schon mehrere ganz üble Arme erlebt und ganz passable Reiche! So einfach ist es eben nicht: Reiche sind schlecht – Arme sind immer gut. Das was wir wählen, wird uns in der Berufung neu geschenkt – heißt dann hier:

Kann ja sein, dass dich deine Wahl – Lebensform, Berufswahl usw. – eben wohlhabend, sagen wir es ruhig, reich gemacht hat. Und Jesus ruft dich und gibt sein Liebesgebot dazu!

Dann wäre ein Wohlhabender, ein Reicher berufen, zu überlegen, was kann ich mit meinem Reichtum tun – was dient der Liebe?

So könnte ein Reicher doch auch in der Nachfolge Jesu sein. Dann würde das „komm, und folge mir nach!“ – auch von ihm und ihr umgesetzt. Und sie wären gut dabei!

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, verehrte Schwestern und Brüder!

Keine Ahnung wie reich oder arm Sie sind – berufen allemal, sonst wäre Sie nicht hier im Gottesdienst oder würden mithören. Für uns also ist es immerhin die Überlegung wert: was war, oder ist, oder plane ich als meine Lebenswahl? Und noch viel mehr: Lebe ich das auch als Berufung?

Werden wir mitgehen mit diesem Jesus oder wie der junge Mann im Evangelium einfach weggehen? 

Ich mag die Texte des Leipziger Ordenspriesters und Dichters Andreas Knapp. In seinem Büchlein „Heller als Licht“ hat er eine kleine Poesie über das Jünger-Sein verfasst. Ich lese sie als Anregung:

jugendlich trunken

meinte ich alles zu geben

und dir egal wohin

lässig zu folgen

alt und ernüchtert

möchte ich vor allem zugeben

egal wohin ich auch gestolpert bin

bist du mir unablässig nachgefolgt.


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Dieser Beitrag wurde am 10.10.2021 gesendet.





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