Morgenandacht, 08.09.2021

von Dietmar Rebmann, München

Erfolg

Immer mehr Menschen haben das Bedürfnis nach einer Auszeit – dabei einmal innerlich leer zu werden, aufzuräumen. Den Druck einmal wegzunehmen, den so Viele in ihrem Alltag fühlen.

Wir leben in einer „Erfolgsgesellschaft“. Erfolg scheint der höchste Wert in unserem Alltag zu sein. Wer erfolgreich sein will, hat meist keinen Raum für Ideen in anderen Lebensbereichen, die keinen direkten Zusammenhang mit den eigenen Zielen haben.

Oben auf dem Treppchen stehen, schneller befördert werden als andere, die erste Wahl sein, die eigenen Vorstellungen durchsetzen, Recht behalten. Überall geht es darum zu siegen, vorne zu sein – und dabei andere hinter sich zu lassen.

Politiker müssen öffentlich wahrgenommen werden, sonst werden sie abgewählt. Vorstände von Aktiengesellschaften müssen Zuwächse vorweisen, sonst werden sie durch andere Manager ersetzt.

Das Studium, die Ausbildung, sie müssen mit Erfolg abgeschlossen werden, um in der Masse hervorzustechen. Eltern erwarten von ihren Schulkindern erfolgreiche Ergebnisse, sonst wird ihnen der Fernseher weggenommen oder das Taschengeld gekürzt. „Erfolg“ ist das magische Wort.

Und viele tun alles, um Erfolg zu haben. Sportler nehmen verbotene Substanzen ein. Firmen sprechen verbotenerweise Preise ab. Models mit Untergewicht hungern sich noch ein paar Pfunde mehr von den Rippen. Popstars pushen sich mit Drogen auf. Alles, um Erfolg zu haben.

Der Mensch ist so phantasievoll, so geschickt, so raffiniert und manchmal auch gemein, wenn es darum geht, Erfolg zu haben, Sieger zu sein. Also setz dich durch, verwirkliche dich selbst, lass dich nicht unterkriegen, lass die anderen hinter dir.

Im Christentum ist diese Denkweise völlig auf den Kopf gestellt. Denn Christen schauen auf einen erfolglosen Menschen: auf Jesus Christus und auf seine Leidensgeschichte. Sein Leben endet in einer Katastrophe, weil er so etwas ganz anderes im Kopf und im Herzen hat, als die Menschen um ihn herum. Jesus sagt:

„Wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren.“

Gut, das erleben wir ja: wenn ich mich verzweifelt an etwas klammere, merke ich oft, dass das zum Scheitern verurteilt ist, weil ständig etwas zu Ende geht oder wegstirbt. Soweit können wir noch mitgehen, und wenn das jemandem Schwierigkeiten bereitet, dann gibt es noch die Möglichkeit, das Loslassen einzuüben in Seminaren bei Psychologen oder in Klöstern.

Aber nun kommt der zweite Teil des Satzes:

„Wer sein Leben verliert, der wird es retten“,

sagt Jesus weiter. Und man fragt sich: Wieso rette ich mein Leben, wenn ich es verliere?

Und dann muss man ganz langsam noch einmal lesen, um die entscheidenden Worte nicht zu übergehen: Jesus sagt:

„Wer um meinetwillen und um des Evangeliums willen das Leben verliert, der wird es retten…“

Das heißt: wenn ich mit den kleinen und großen Verlusten und Abschieden des Lebens klarkommen will, dann geht das nur, wenn ich an etwas Größeres glaube, an das Evangelium, an die Botschaft, in der Jesus sagt: Du bist umgeben von einem göttlichen Bereich, dem Reich Gottes, aus dem du nicht herausfallen kannst. Weil da ein väterliches und mütterliches göttliches Herz alles Leben ganz nah bei sich hält.

Und dann kann in deinem Leben alles passieren: Die Kinder werden groß und gehen fort, du musst eine neue Arbeit beginnen, musst in eine fremde Stadt umziehen, du verlierst einen geliebten Menschen oder du erfährst, dass du selbst unheilbar krank bist....

Es kann alles passieren, aber du wirst aus der großen Kraft Gottes, die dir dein Leben geschenkt hat, niemals herausfallen. Du musst nur immer wieder bereit sein, alles aufzugeben, was du an Plänen hast und einfach loslassen - wie ein kleines Kind, das sich vertrauensvoll in die Arme seiner Eltern fallen lässt.


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Dieser Beitrag wurde am 08.09.2021 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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