Wort zum Tage, 20.08.2021

Christina Brath, Berlin

Gesichter der Straße - Schulkinder

In meiner Heimat Berlin hat die Schule wieder angefangen. Auf dem Weg zur Arbeit treffe ich viele Kinder, die mit ihren Mappen und Rucksäcken auf dem Rücken zur Schule gehen. Viele kenne ich von nebenan. Ein fröhliches Geschnatter.

Schön, dass die Kinder wieder in die Schule gehen können. Wer hätte das gedacht, dass sie darüber mal glücklich sind ... Wenn ich sie sonst gefragt habe:

„Na, wie wars heute?“

Dann gab‘s oft verdrehte Augen ... oder:

„Oh, schade, dass die Ferien vorbei sind.“

Jetzt:

„Oh, wie schön, endlich die Freunde wieder zu sehen.“

Endlich wieder Ordnung und System in den Tag bringen. Kein Homeschooling mehr, nicht immerzu bei Mutter zuhause oder mit den nervigen Geschwistern den ganzen Tag zusammenhängen. Endlich wieder Mittag im Hort, endlich wieder auf den Libellenspielplatz und den Schaukelgarten.

Die Lehrer habe ich bewundert, dass sie immer wieder Ideen hatten, manchen Kindern im letzten Schuljahr nachzugehen, Neues zu lernen: Wie man in Videokonferenzen Teenagern Fragen und Antworten entlockt und daheim die eigenen Kinder beschult.

Sicher wird auch jetzt die Angst und Sorge bleiben: Sind wir gut aufgestellt für eine neue Welle der Pandemie? Bin ich geschützt vor der Krankheit? Wo waren meine Schülerinnen und Schüler und die Kolleginnen und Kollegen im Urlaub? Hat jemand das Virus mitgeschleppt?

Werden wir gut genug den fehlenden Stoff aufarbeiten? Schaffen wir es jedes Kind mitzunehmen?

Und dann hier in Neukölln und in anderen Brennpunkten die große Sorge:
Welche Kinder haben ganz den Anschluss verpasst, weil ihre Wohn- und Lebensbedingungen, ihr soziales Umfeld ihnen nicht hilfreich war?

Was haben die Kinder eigentlich sonst noch gelernt, was sie bestärken könnte? Gelassenheit. Kochen, backen, Streit schlichten, mit weniger zufrieden zu sein. Ob sie mehr Bücher gelesen haben?

Auf meinem Arbeitsweg im Gehen spreche ich mit Gott, der mitgeht:

Siehst du sie, deine Kinder?

Schick ihnen einen Engel, der sie auf den Straßen und all ihren Wegen begleitet, der sie beschützt, in den Wohnungen und auf den Spielplätzen.

Schick ihnen einen Engel, der ihnen hilft, wenn es nicht weitergeht.

Siehst du die Lehrer und Lehrerinnen, die jungen und die alten, die sich um die Zukunft der Kinder und der Gesellschaft mühen?

Geh mit ihnen und mit uns allen in den neuen Tag. In den ganz normalen Alltag. Bleibe bei uns.

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 20.08.2021 gesendet.


Über die Autorin Christina Brath

Christina Brath ist Gemeindereferentin im Erzbistum Berlin. Kontakt: gemeindereferentin@st-dominicus.de www.christina-brath.de

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