Wort zum Tage, 16.08.2021

Christina Brath, Berlin

Gesichter der Straße - Freundinnen

Wie jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit stehe ich an der Fußgängerampel gegenüber der U-Bahn. Und natürlich werde ich das Gefühl nicht los: Es dauert wieder ewig, bis sie umspringt, damit wir gehen können.

Nun ... Zeit zum Atem holen und die Leute zu betrachten, die auf der anderen Seite stehen.

Da stehen die zwei Frauen mit ihren Hunden. Zwei kleine in der handlichen Sesselplatzgröße. Die Frauen erzählen miteinander. Die Hunde beschnüffeln sich... erzählen also auf ihre Weise.

Hier im Stadtgebiet am Rand von Berlin gibt es viele Menschen, die ihren Hund ausführen. Klar schon früh am Morgen. Kann sein, dass es in der Coronazeit noch mehr geworden sind, sagt man. Und jeden Morgen, Mittag und Abend raus – bei Wind und Wetter.

Aber es ist halt gut, einen Grund zu haben, zum Spazieren gehen, sich zu bewegen. Die Leute treffen sich,  erzählen miteinander - so wie die beiden auf der anderen Seite. Die Hunde sind ein guter Grund, etwas Gemeinsames, Verbindendes.

Was verbindet hier schon in dieser Siedlung, dem Kietz, wo man sich oft nicht mal auf dem Flur kennt und schnell die Tür hinter sich zumacht, wenn der andere sie aufmacht, sich im Fahrstuhl schweigend begegnet.

Was verbindet mich mit dem Menschen da auf der anderen Straßenseite?

Die zwei Frauen haben sich durch ihren Hund gefunden. Wahrscheinlich verabreden sie sich jeden Tag zur gleichen Zeit. Und wenn die nicht, dann treffen sich andere.

Oft verbindet der Ärger, die Abneigung dem Chef gegenüber und lässt kleine Gruppen entstehen. Wie schön ist es doch, etwas gemeinsames Schönes zu haben.

So wie Raucher einer Abteilung sich ihre Pause gönnen und sich in der Raucherecke lachend treffen, Kaffeetrinker, sich am Automaten auf der Büro-Etage relaxt treffen.
Die veganen Suppenesser, die sich auf dem Markt am Stand treffen und die Mittagspause genießen.

Es ist doch gut, etwas Schönes, Gemeinsames zu haben, etwas Verbindendes -
oder eben den Hund.

Die Ampel springt auf grün ... im Gehen, blicke ich den Hunden nach ... und spreche mit Gott, der mitgeht:

Gott, hast du auch deine Freude an den beiden Hunden und ihren Frauchen?

Geh mit ihnen. Geh mit mir. Bleibe bei uns, lass uns Verbindendes finden, damit niemand allein ist im ganz normalen Alltag. Behüte uns.

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 16.08.2021 gesendet.


Über die Autorin Christina Brath

Christina Brath ist Gemeindereferentin im Erzbistum Berlin. Kontakt: gemeindereferentin@st-dominicus.de www.christina-brath.de

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