Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt

aus der Stiftskirche Neuzelle

Predigt von Pater Subprior Kilian Müller OCist

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, hier in Neuzelle in der Stiftskirche, und Sie, die Sie heute über Deutschlandradio verbunden sind!

In den vergangenen 18 Monaten haben die Menschen auf der ganzen Welt einen neuen Blick auf das Thema Hygiene gelernt. Wir wissen jetzt alle etwas mit den Stichworten “FFP-2”, “social distancing” und „lockdown“ anzufangen. Wir stehen vor Restaurants und machen Schnelltests, wir geben uns nicht mehr die Hände zur Begrüßung, und halten uns an die Nies-Etikette.

Es ist keine Frage: Die Reinlichkeit und Hygiene, meine eigene und die der anderen, kann eine entscheidende Rolle spielen. Ja: Hygiene kann über Leben und Tod entscheiden. Das gilt hier im irdischen, natürlichen Sinn, wo es jedem einleuchtet, ob gläubig oder nicht.

Aber dieses Prinzip der Reinlichkeit gilt umso höher im übernatürlichen, geistlichen Sinn!

Gott hat uns verheißen: Seht, ich mache alles neu! (Offb 21,5) Mit dieser Erneuerung von ALLEM hat er bei Maria, der Gottesgebärerin, angefangen – von vornherein. Das war nicht ihr eigenes Verdienst, das hat Maria nicht selbst gemacht, sondern das war einfach eine Gabe von Gott, eine Notwendigkeit.

Weil in diesem sauberen, reinen, vollkommenen, ja, einem goldenen Haus, eine neue Schöpfungsordnung beginnt. Da musste geistlich alles blitzblank sein – von Sünden rein.

Weltlich gesehen hatte Gott im Gegensatz dazu übrigens von Anfang an keine Angst vor Dreck und Gestank: Sonst hätte Maria wohl kaum den lebendigen Gott in einem Stall zur Welt gebracht. Seht, ich mache alles neu!

Wegen dieser geistlichen Hygienemaßnahme an Maria ihrer Bewahrung vor jeder Sünde, ist es klar, dass Maria nicht den gleichen Tod sterben konnte, wie alle anderen Menschen vor ihr. Sie „entschläft“, wie es heißt.

Liturgisch gefeiert wird aber nicht ihre Entschlafung, sondern das eigentlich Wichtige: Ihre Aufnahme als erstes Geschöpf mit Leib und Seele in die unmittelbare Nähe Gottes.

Wo sie ist, ist Jesus nahe, denn Er ist ihr Sohn. Wo sie ist, ist der Heilige Geist nahe, denn von Ihm hat sie Jesus empfangen. Und wo Maria ist, ist Gott Vater nahe, denn sie hat zu Seinem Willen Ja gesagt.

Es besteht also nie irgendein Widerspruch zwischen Gott und Maria! Wo sie ist, findet man Gott und wo Gott ist, findet man auch Maria. Wenn man auf die biblischen Zeugnisse der Muttergottes schaut, ist sie immer diejenige, die von sich weg auf Jesus zeigt:

„Was er euch sagt, das tut.“

(Joh 2,5)

Sie ist auch unterm Kreuz noch bei Ihm (Joh 19,25). So gesehen erklärt sich fast von selbst, warum Maria die Schutzherrin der Zisterzienserklöster und des Ordens geworden ist. Denn ein Kloster soll genau diese marianischen Eigenschaften haben: Es soll

- ein stiller und immerwährender Lobpreis Gottes sein,

- von sich selbst weg auf den Allerhöchsten hinweisen,

- in Seine Nähe führen und Seine Barmherzigkeit und Schönheit anderen erfahrbar machen.

Es soll die Kinder Gottes trösten und selbst als Bestandteil einer neuen Schöpfungsordnung eine Art Vorausblick auf den Himmel ermöglichen.

Ein hoher Anspruch, der menschlich nicht zu erfüllen ist. Aber für Gott ist nichts unmöglich!

Ihr Lieben, im Blick auf den geplanten Klosterneubau ist schon heute klar: Es wird dort auf dem ehemaligen Stasi-Gelände eines Tages ein Kloster stehen, das der Aufnahme Mariens geweiht sein und heute in ein paar Jahren sein Patrozinium am 15. August feiern wird.

Bitten wir den Herrn gemeinsam mit Maria voller Glauben, Hoffnung und Liebe, dass er das gelingen lässt! Uns allen geschehe nach Deinem Wort! Dein Wille geschehe, Herr!

Maria mit dem Kinde lieb – uns allen deinen Segen gib! Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 15.08.2021 gesendet.





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