Wort zum Tage, 09.07.2021

Dietmar Kretz, Würzburg

Kompliment

"Das hast Du toll gemacht."

"Die Hose steht Dir aber gut."

oder:

"Das Gemüse war besonders gut gewürzt."

Das geht runter wie Öl und wenn ich so ein Kompliment höre, tut es mir einfach gut. Es setzt positive Energien frei, steigert das Selbstwertgefühl und stabilisiert Beziehungen.

Wir brauchen diese Wertschätzung. Manche schauen bei einem Kompliment vielleicht verlegen zu Boden. Doch innerlich werden dann die Augen und das Herz weit. Ein schönes Gefühl ist das, wenn ich ein Kompliment höre, dann werden in mir Endorphine freigesetzt, die mich glücklich machen.

Jedoch nimmt irgendwie die Fähigkeit ab, Komplimente zu geben, und mehr noch: diese anzunehmen. Das sagen jedenfalls Psychologen.

Warum tun wir uns denn damit so schwer, ein Kompliment anzunehmen. Die Ursachen sind vielfältig - es hängt wohl nicht wenig davon ab, wie wir in der Kindheit Lob erlebt haben, wie ich meinem Gegenüber vertraue und wie sehr ich mich auch selbst mag. Und wir kennen Alle häufige Redewendungen, mit denen wir ein Kompliment ablehnen oder relativieren:

"Och, das war doch nicht der Rede wert."

Die Berliner Bloggerin Rosa Stark hat 365 Komplimente verschenkt. Ein Jahr lang, jeden Tag hat sie in Alltagsbegegnungen bekannte und fremde Menschen angesprochen.

Nach einer Taxifahrt etwa lobte sie die den Fahrer mit den Worten: Ihre Gedanken über das Leben sind sehr weise. In ihrem Blog beschrieb sie dann, wie die Menschen darauf reagiert haben – und wie es ihr selbst damit ging. Anfangs seien viele irritiert gewesen, aber alle bis auf eine Person hätten sich richtig gefreut. Eine Frau sagt ihr:

"Wow, ich kann wirklich sagen, dass dies etwas in meinem Herzen öffnet!“

Das gilt auch umgekehrt: Rosa Stark hat gemerkt, dass ihre Unsicherheit, die sie gerade bei wildfremden Menschen anfangs fühlte, danach wie weggeflogen war: win - win also.

Mark Twain hat einmal sagt: Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben.

Für mich gibt es ein Kompliment, von dem ich noch viel länger, ja von dem ich sogar ewig leben kann: Es ist ein Kompliment, das Gott mir gemacht hat – in dem sein Sohn Mensch wurde: Jesus Christus.

In ihm hat Gott mir gezeigt: Schau, ich bin einer von euch. Darum lasse ich dich niemals los, denn du Mensch gehörst zu mir.
Ist das nicht das größte Kompliment?


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Dieser Beitrag wurde am 09.07.2021 gesendet.


Über den Autor Dr. Dietmar Kretz

Dr. Dietmar Kretz, Jahrgang 1971, ist Studienleiter an der Domschule in Würzburg mit den Schwerpunkten Glauben und Kirche. Zuvor hat er Theologie und Mathematik studiert. Nach der theologischen Promotion war er in der  Gemeindepastoral tätig bis er in die Erwachsenenbildung gewechselt ist.

Kontakt: Am Bruderhof 1, 97070 Würzburg dietmar.kretz@domschule-wuerzburg.de

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